Rückenwind für Ladeinfrastruktur

Stromtanken in einem Stuttgart Parkhaus. Doch bisher hinkt die Ladeinfrastruktur in den Kommunen noch hinterher. (Foto. © e-mobil BW)
Stromtanken in einem Stuttgart Parkhaus. Doch bisher hinkt die Ladeinfrastruktur in den Kommunen noch hinterher. (Foto. © e-mobil BW)

Die fehlende Ladeinfrastruktur ist ein Hemmnis für die E-Mobilität auch auf kommunaler Ebene. Dies zeigte eine Workshop-Reihe „Kommunaler Standortvorteil Elektromobilität“ von e-mobil BW und dem baden-württembergischen Gemeindetag. Mit neuen Förderprogrammen versucht der Bund gegenzusteuern.

08.12.2016 – Gute Nachrichten aus Berlin konnte Dominique Sevin von der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) den versammelten Bürgermeistern im oberschwäbischen Biberach/Riss in der letzten Novemberwoche überbringen. Bis Ende Januar 2017 fördert der Bund mit einer Schwerpunktaktion kommunale Vorhaben im Bereich Elektromobilität.

Bezuschusst wird die Beschaffung von E-Flottenfahrzeugen und einer kommunalen Ladeinfrastruktur, beispielsweise auf Betriebshöfen. Es müssen mindestens drei E-Fahrzeuge beantragt werden. Kommunen und kommunale Unternehmen können sich auch zusammenschließen, um diese Zahl zu erreichen. Der Zuschuss für Kommunen für die Beschaffung beträgt bis zu 50 Prozent der zusätzlichen Anschaffungskosten, für kommunale Unternehmen 40 Prozent der Differenzkosten im Vergleich zur Anschaffung eines herkömmlichen Fahrzeugs. Entsprechend wird die Beschaffung einer dazugehörigen Ladeinfrastruktur gefördert. Bezuschusst werden können auch E-Busse sowie deren Ladeinfrastruktur.

Antragsfrist 31. Januar 2017

Ebenfalls unterstützt wird die Erarbeitung von kommunalen Konzepten und Studien, beispielsweise zum E-Carsharing oder Verknüpfung der E-Mobilität mit der Siedlungsentwicklung. Der maximale Förderanteil für Studien bis zu 100.000 Euro liegt für Kommunen bei 80 Prozent, für kommunale Unternehmen bei 50 Prozent. Bis zum 31. Januar können über die NOW Anträge beim Projektträger Jülich eingereicht werden. Bewilligt werden sollen die Mittel im ersten Quartal 2017, so Sevin. Die Ausschreibungsrunde ist Teil der Förderrichtlinie Elektromobilität des Bundesverkehrsministeriums (BMVI) vom Juni 2015, die bis Ende 2019 läuft. Das Gesamtvolumen liegt bei 60 Millionen Euro.

Förderung für 15.000 öffentlich zugängliche Ladesäulen

In Ratifizierung bei der EU ist derzeit das Förderprogramm Ladeinfrastruktur des Bundes, das von 2017 bis 2020 laufen soll. Es umfasst 300 Millionen Euro und ist Teil des Marktanreizprogramms Elektromobilität der Bundesregierung. 200 Millionen Euro sind für Schnellladen vorgesehen, 100 Millionen Euro für Normalladen. Insgesamt sollen so mindestens 15.000 Ladestationen zusätzlich aufgebaut werden.

Es ist vorgesehen, die Mitte ebenfalls in verschiedenen Ausschreibungsrunden zu bewilligen. Gefördert wird jedoch nur öffentlich-zugängliche Ladeinfrastruktur. Die vorgesehene Förderquote liegt jeweils bei 60 Prozent. Geplant ist Ladesäulen für Normalladen bis 22 kW mit maximal 4.000 Euro zu bezuschussen, Schnellladen bis 100 kW mit maximal 12.000 Euro und Schnellladung mit über 100 kW mit bis zu 30.000 Euro.

Gefördert werden soll auch der Netzanschluss bei Niederspannung mit bis zu 5.000 Euro und an Mittelspannungsnetze mit bis zu 50.000 Euro. Alternativ dazu sollen Pufferspeicher einen Zuschuss erhalten. Voraussetzung für die Förderung ist die Nutzung von erneuerbarem Strom. Die Ladeinfrastruktur muss werktags mindestens 12 Stunden öffentlich zugänglich sein. Wenn Sie nicht rund die Uhr zugänglich ist, soll die Förderung um die Hälfte gekürzt werden.

Hohes Interesse an kommunaler Mobilitätswende

Die Ladeinfrastruktur ist der wesentliche Knackpunkt bei der Weiterentwicklung der Elektromobilität auf kommunaler Ebene, wie eine Workshop-Reihe von E-Mobil BW und des baden-württembergischen Gemeindetags zeigte, die in Biberach/Riss vorerst abgeschlossen wurde. Insgesamt nahmen über 100 Bürgermeister und andere kommunale Vertreter an den Weiterbildungsveranstaltungen, die unter dem Motto „Kommunaler Standortvorteil Elektromobilität“ stand, teil.

Erfolgsfaktor regionale Kooperation

Erfolgsfaktor ist ein enge Zusammenarbeit der Gemeinden mit lokalen und regionalen Partnern, seien es die eigenen kommunalen Unternehmen, der Einzehandel, Tankstellen, Autohäuser oder Banken. Auf diese Weise kann es am ehesten gelingen, den Ausbau der Ladeinfrastruktur bedarfsgerecht voranzubringen und möglichst kosteneffizient zu betreiben. „Es geht nicht darum, dass die Kommune alles allein macht, sondern sinnvoll mit Partnern zusammenarbeitet, ergänzend tätig wird und Maßnahmen koordiniert“, so Michael Ruprecht von E-Mobil BW. Um die E-Fahrzeuge möglichst wirtschaftlich und damit auch ökologisch sinnvoll zu nutzen, bieten sich ebenfalls Kooperationen an. Beispielsweise, wenn Kommunen ihre geleasten E-Flottenfahrzeuge abends und am Wochenende ihren Mitarbeitern (gegen Bezahlung) zur Verfügung stellen oder diese per Car-Sharing anbieten.

E-Bürgerbus kommt gut an

Erfolgreich praktiziert wird dies im Projekt Emma (E-Mobil mit Anschluss) im Bodenseekreis und Landkreis Ravensburg. Kommunen wie Salem betreiben E-Bürgerautos. Hierbei mietet die Kommune das E-Fahrzeug und nutzt es selbst von Montag bis Donnerstag 8 bis 17 Uhr. In den übrigen Zeiten wird das Auto vermietet. Die Einnahmen werden mit dem Flottenbetreiber E-Wald im niederbayerischen Teisnach geteilt. Die monatlichen Kosten pro E-Auto belaufen sich so auf 310 Euro pro Monat und sind damit unter denen vieler konventioneller Fahrzeuge, rechnete Projektleiter Bernhard Schultes vom Netzwerk Bodensee Oberschwaben vor.

In dem Emma Projekt gelang es auch durch einen E-Rufbusverkehr die Nahverkehrsanbindung ländlicher Kommunen zu verbessern, so im Deggenhausertal und in Eriskirch. In Meckenbeuren versorgt ein geleaster E-Bürgerbus flächendeckend die Ortschaften der Flächengemeinde, mit insgesamt 70 Haltepunkten und 17 ehrenamtlichen Busfahrern. „Durch den E-Bus ist unser Angebot nochmals extra sexy geworden und kommt an“, berichtete Schultes.

Stuttgart hinkt noch hinterher

Dagegen hinkt die von Feinstaub und hohen Stickoxidwerten geplagte Landeshauptstadt Stuttgart in punkto Elektrobusse noch stark hinterher. 255 Busse mit über 12 Meter Länge haben die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) laut Markus Wiedemann, Bereichsleiter Kraftfahrzeugwerkstätten, derzeit im Einsatz. 16 davon haben einen Diesel-Hybridantrieb, vier sind Brennstoffzellen-Hybridbusse, sie nutzen Wasserstoff sowie eine Batterie.

Rein batteriebetriebene elektrische Busse sind bisher bei der SBB nicht im Einsatz. „Das Problem bei den E-Bussen ist nicht das Fahrzeug, sondern die Ladeinfrastruktur“, sagt er. „Ohne zusätzliche Investitionsförderung können wir das nicht schultern“. Die aktuelle Ausschreibung des BMWI und eine vorgesehene Landesinitiative Markthochlauf Elektromobilität, die auch Ladestationen für E-Busse fördern soll, könnten hier weiterhelfen. Hans-Christoph Neidlein

   

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