CarSharing breitet sich aus

CarSharing findet immer mehr Verbreitung. (Bild: © Gemen64/ pixelio.de)
CarSharing findet immer mehr Verbreitung. (Bild: © Gemen64/ pixelio.de)

Autos teilen – das wird immer beliebter. Die Nachfrage wächst, immer mehr neue Konzepte drängen auf den Markt. Inzwischen kann man Pkw nicht nur mieten, sondern auch den eigenen vermieten – und damit Geld verdienen. Dabei ist CarSharing längst kein Phänomen mehr, das sich nur auf große Städte beschränkt.

22.08.2015 – Das diesjährige Städteranking des Bundesverbandes CarSharing e.V. zeigt es deutlich: Autos teilen liegt im Trend, nicht nur in den Ballungsgebieten und großen Städten. Immer mehr Menschen kaufen sich kein Auto, nehmen aber die Pkw-Leihangebote für einzelne Fahrten bei Bedarf gerne an. Hinzu kommt, dass die Konzepte vielfältiger und flexibler werden. Ein neuer Trend ist beispielsweise, das eigene Auto zu Zeiten, in denen es nicht gebraucht wird, anderen zur Nutzung zu überlassen.

Drivy erprobt diese Idee bereits. Risiken bestehen nach Angabe des Unternehmens nicht. Im Falle eines Diebstahls, Unfalls oder einer Panne sei der Fahrzeughalter durch eine Versicherung geschützt, bei Strafzetteln nur der Fahrer haftbar. Das Start-Up nimmt für seine Dienste 30 Prozent Provision – und wirbt bei Autohaltern damit, man könne durch die Teilnahme an dem Programm bis zu 150 Euro pro Woche dazuverdienen.

Opel wiederum will mit Offenheit punkten: Im Gegensatz zu Car2Go von Daimler oder DriveNow von BMW, wo nur die jeweilige Marke vermietet wird, lässt die App CarUnity der Rüsselsheimer die Fahrzeuge aller Hersteller zu – und ermöglicht genau wie Drivy die Teilnahme privater Pkw. Dabei wirbt das Unternehmen gezielt mit seiner Offenheit: Ob City-Car, Sportwagen oder Cabrio, man habe die volle Auswahl, heißt es auf der Website.

Der Karlsruher teilt besonders häufig Autos

Konzepte zu erweitern und neue zu finden, lohnt sich für die Anbieter, denn die Zahlen beschreiben CarSharing als Zukunftsmarkt – auch in kleinen Städten. Das diesjährige Städteranking des Bundesverbandes CarSharing e.V. zeigt dies ganz deutlich. Erstmals nicht nur für Großstädte über 200.000 Einwohner, sondern für alle CarSharing-Städte ab 50.000 Einwohner durchgeführt, landet Freiburg beispielsweise auf Platz 5. Das kleine Tübingen belegt Platz 6, Heidelberg und Göttingen stehen - vor der Hauptstadt Berlin - auf den Rängen 8 und 10.

Spitzenreiter ist Karlsruhe. Hier kommen 2,15 CarSharing-Fahrzeuge auf 1.000 Einwohner. Es folgen auf den Plätzen zwei und drei Stuttgart mit 1,44 Fahrzeugen und Frankfurt am Main mit 1,21. Frankfurt konnte damit Köln vom dritten Rang verdrängen. Unter den Millionenstädten allerdings hält Köln weiterhin den Spitzenplatz: 1,15 Fahrzeuge kommen hier auf 1.000 Einwohner, gefolgt von München mit 0,98 Fahrzeugen.

Für Willi Loose, Geschäftsführer des Bundesverbands CarSharing, ist dieses Ergebnis keine Überraschung: „In vielen Groß- und Mittelstädten gibt es seit fünfzehn, zwanzig Jahren wirtschaftlich erfolgreiche und für Kunden attraktive Anbieter. Das ist in den letzten Jahren durch den Markteintritt der Automobilkonzerne, der in den Medien viel Aufmerksamkeit erregt hat, etwas in Vergessenheit geraten. Aber die mittelständischen Pioniere des CarSharings haben in vielen Städten bereits sehr starke Angebote mit hoher Versorgungsleistung für die Kunden etabliert.“

Ist CarSharing also ein alter Hut? Mag sein, dass die Idee nicht neu ist, doch in den Fokus geraten und richtig erfolgreich geworden ist sie erst in den letzten Jahren – und so wird es wohl bleiben. Der Grund dürfte neben dem plötzlichen Interesse großer Automobilhersteller an dem Thema maßgeblich im gesellschaftlichen Wandel liegen. Die Städte werden immer voller, Parkplätze sind vielerorts kaum noch zu finden. Da ist es gut, wenn nicht jeder, der nicht ständig auf ein Auto angewiesen ist, eines hat – denken viele. 82 Prozent aller Deutschen wollen laut einer aktuellen Studie des Umweltbundesamts weniger Autos in ihren Städten und erwarten entsprechende Maßnahmen der Verkehrspolitik. CarSharing könnte dazu gehören, denn: Rund 42 Personen teilen sich ein stationsbasiertes CarSharing-Auto. Es ersetzt so bis zu 10 private Pkw. Und war der Pkw früher Statussymbol, ist er heute fast schon eher als CO2-Schleuder verpönt. Insbesondere junge Menschen definieren sich kaum noch über ihr Auto, genießen jedoch im einzelnen Bedarfsfall durchaus den Luxus, eines nutzen zu können. Denn wer will schon schwere Regale vom Möbelhaus mit der Straßenbahn zur Studentenbude transportieren müssen. 

Mobil nach Bedarf

Autos teilen ist hip – und vergleichsweise umweltfreundlicher als der eigene Pkw. Die Mobilität von heute, sie ist flexibel, gut vernetzt und auf den aktuellen Bedarf zugeschnitten. „Das Teilen von Fahrzeugen ist ein wichtiger Baustein für eine nachhaltige und Ressourcen schonende Mobilität in den Kommunen. Das entlastet die Straßen, gibt den städtischen Lebensräumen eine neue Qualität und kann so als Vitalitätsprogramm genutzt werden. Dazu gilt es aber auch, das CarSharing künftig noch besser mit dem ÖPNV, aber auch mit dem Rad- und Fußgängerverkehr zu verknüpfen. Wir müssen insgesamt weg von der Verkehrspolitik, die sich auf Autos konzentriert – und hin zu einer Mobilitätspolitik, die das Auto integriert“, fordert  Dr. Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes DStGB.

Parallel mit dem gesteigerten Interesse der Kunden hat sich auch die Versorgungssituation deutlich verbessert. Stationsbasierte Angebote wie zum Beispiel cambio, stadtmobil-Gruppe, book-n-drive, teilAuto und CiteeCar sind dynamisch expandiert. Sie steigerten die Zahl der bereitgestellten Fahrzeuge deutlich und erschließen nun insgesamt 490 Städte und Gemeinden für das CarSharing - 110 mehr als noch im Vorjahr. Willi Loose vom Bundesverband CarSharing ist nicht ganz zufrieden: „Die Entwicklung des stationsbasierten CarSharing wäre noch dynamischer, wenn es endlich gelänge, flächendeckend CarSharing-Stationen im öffentlichen Raum einzurichten.“ Er wünscht sich diesbezüglich von der Bundesregierung eine rechtssichere Regelung. Rebecca Raspe

   

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