China und Indien sind auf Klimaschutzkurs

Das India One Solar Thermal Power Project in Aburoad, Rajasthan wurde unter anderem vom Bundesumweltministerium und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) unterstützt. (Foto: © Bkwcreator / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)
Das India One Solar Thermal Power Project in Aburoad, Rajasthan wurde unter anderem vom Bundesumweltministerium und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) unterstützt. (Foto: © Bkwcreator / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)

China und Indien gehen mit ehrgeizigen Ausbauplänen für Erneuerbare Energien voran. Eine neue Studie sieht die wirtschaftlichen Supermächte der Zukunft auf einem guten Weg, die Klimaziele zu erreichen. Bei den USA sind die Forscher skeptischer.

21.04.2017 – Machen China und Indien weiter wie bisher und setzen die Regierungen ihre Versprechen um, werden beide Staaten ihre Klimaziele von Paris ohne Mühen erreichen. Die Politik der US-Regierung hat dagegen negative Auswirkungen auf das Investitionsklima in der größten Volkswirtschaft der Welt und macht Sorgen. Das ist das Ergebnis der neuen Studie Allianz Climate and Energy Monitor 2017: Deep Dive von Allianz Climate Solutions, Germanwatch und dem NewClimate Institute.

Für die Studie analysierten die Autoren Investitionen und Investitionsbedingungen für Erneuerbare Energien in den drei wichtigsten Ländern für die Rettung des Weltklimas und verglichen diese mit den Pariser Klimazielen. China, Indien und die USA sind gemeinsam für mehr als die Hälfte der globalen CO2-Emissionen verantwortlich und die wichtigsten Märkte für Erneuerbare Energien. Als bevölkerungsreichste Staaten werden China und Indien in den kommenden Jahrzehnten auch wirtschaftlich eine immer größere Rolle einnehmen.

China ist auf Kurs

Zusammen investierten die drei Staaten im vergangenen Jahr 134 Milliarden US-Dollar in den Ausbau Erneuerbarer Energien, das entspricht mehr als der Hälfte der weltweiten Investitionen. Und dennoch nicht genug: In den kommenden zwei Jahrzehnten muss die Summe stark wachsen, um das Pariser Klimaabkommen einzuhalten. China und die USA müssen ihre Ausgaben im Energiesektor bis 2035 verdoppeln, Indien sogar verdreifachen – und die gesamte Summe muss in saubere Energien fließen.

Die Aufgabe scheint gewaltig, dennoch zeigen sich die Studienautoren zufrieden. Denn Chinas eingeschlagener Weg und die ehrgeizigen Ausbauziele für regenerative Energieerzeugungsanlagen deuten auf eine Übererfüllung der eigenen Klimaziele hin. Bis 2020 will die Volksrepublik 38 Prozent mehr Erneuerbare Energien haben also noch 2015, das entspricht Investitionen von rund 360 Milliarden US-Dollar. Spätestens 2030 sollen auch die chinesischen Emissionen sinken, das Ziel könnte schon in diesem Jahr erreicht werden. Der Kohleverbrauch ist bereits das dritte Jahr in Folge leicht rückgängig, viele neue Kohlekraftwerke wurden gestoppt.

Indien hat ambitionierte Pläne

Auch Indiens eingeschlagenen Weg loben die Studienautoren, 2016 wurden die Ausbauziele für Wind- und Solaranlagen übererfüllt. Pläne für neue Kohlekraftwerken werden ebenfalls überprüft, womöglich kommt Indien ab 2022 ganz ohne neue Kohlemeiler aus und kann den steigenden Energiehunger größtenteils durch Solarenergie decken. Bis 2030 sollen 40 Prozent der indischen Stromerzeugungskapazität auf Erneuerbare Energien entfallen.

Für die USA fällt der Ausblick dagegen gemischt aus. Zwar hat der Bau neuer Wind- und Solaranlagen in den vergangenen Jahren einen regelrechten Boom erlebt, denn sie sind vielfach wirtschaftlicher als konventionelle Kraftwerke. Die Studienautoren fürchten nun allerdings ein schlechteres Investitionsklima. Denn die neue US-Regierung unter Donald Trump setzt auf Kohle statt auf Erneuerbare Energien, zudem wurden viele neue Erdgas- und Frackinggasanlagen gebaut. Zwar ist Gas etwas klimafreundlicher als Kohle, aber keine langfristige Option gegenüber Wind- und Solaranlagen.

USA fallen zurück

Aufgeben wollen sie die USA allerdings nicht. „Rapide fallende Kosten für Erneuerbare Energien und gute Investitionsbedingungen in einigen Bundesstaaten machen die USA weiterhin attraktiv für institutionelle Anleger“, sagte Thomas Liesch von Allianz Climate Solutions. Es seien nun neben engagierten Bundesstaaten auch Kommunen und Unternehmen, die eine gute Grundlage für eine Fortsetzung des Ausbaus grüner Technologien schaffen würden.

Dennoch prognostiziert die Studie ein Zurückfallen der USA im Vergleich zu China und Indien. „Schon im vergangenen Jahr war zu beobachten, dass es China und Indien besser als den USA gelang, ein verlässliches und effektives Investitionsklima für Erneuerbare Energien zu schaffen. Mit der sich derzeit abzeichnenden Klimapolitik der neuen US-Regierung dürfte sich dieser Trend fortsetzen“, sagte Niklas Höhne von NewClimate Institute. cw

   

Forum

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  1. Eitel Heck
    Eitel Heck 21.04.2017, 10:38 Uhr
    Dem Artikel zur Klimapoltik in China und Indien stimme ich zu.
    Ergänzend weise ich darauf hin, das beide Länder die Klimaschutzziele sowohl sowohl durch Ausbau der erneuerbaren Energieerzeugung als auch durch Kernenergie erreichen wollen.
    1.Erneuerbare Energieanlagen:
    In einigen Technologien ist China gegenüber Deutschland sogar innovativer und effizienter.
    Das betrifft:
    -Den geplanten Bau eines 30 km langen Gezeitenkraftwerkes, dass so viel Strom wie 2 Kernkraftwerke liefern soll.
    -Die Realisierung des weltweit größten Solarthermikraftwerkes mit einer Geamtleistung von 810 MW in 3 Bauabschnitten.
    2.Kernkraftwerke:
    -China baut weitere Kernkraftwerke und entwickelt inhärent sichere, umweltfreundliche Kernreaktoren der 4.Generation mit einer großen Effektivität. China orientier hierbeit auf den Thorium-Flüssigsalz-Reaktor.
    -China und Indien beteiligen sich am weltweit größten Kernfusionsexperiment im südfranzösischen Cadarache.-
    Fusionskraftwerke sind vielleicht schon 2050 Realität.

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Initiator Berliner ENERGIETAGE
Herausgeber des Jahrbuchs „Energieeffizienz in Gebäuden“

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