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Delfine plötzlich auf Eisbär-Speisekarte

Der Klimawandel verändert die Räuber-Beute-Beziehungen der Arktis. Weißschnauzendelfine könnten künftig eine wichtige Nahrungsquelle für Eisbären sein, insbesondere in einem Ökosystem, in dem der Bestand an Ringel- und Bartrobben kleiner wird. (Bild: © Christian Rath/ pixelio.de)
Der Klimawandel verändert die Räuber-Beute-Beziehungen der Arktis. Weißschnauzendelfine könnten künftig eine wichtige Nahrungsquelle für Eisbären sein, insbesondere in einem Ökosystem, in dem der Bestand an Ringel- und Bartrobben kleiner wird. (Bild: © Christian Rath/ pixelio.de)

Der Klimawandel verändert die Räuber-Beute-Beziehungen der Arktis. Weißschnauzendelfine könnten künftig eine wichtige Nahrungsquelle für Eisbären sein, insbesondere in einem Ökosystem, in dem der Bestand an Ringel- und Bartrobben kleiner wird.

13.07.2015 – Forscher sind seit Jahren in Sorge, der Klimawandel könne die Eisbärpopulation schrumpfen lassen. Bislang war man davon ausgegangen, dass die großen Raubtiere in sehr hohem Maße von ihrem Hauptbeutetier, der Robbe, abhängig sind. Doch der Klimawandel mischt die Karten offenbar neu und Eisbären erweisen sich als geschickt bei der Jagd auf andere Spezies. Weißschnauzendelfine (Lagenorhynchus albirostris) verbringen aufgrund des Klimawandels immer mehr Monate des Jahres in arktischen Gewässern und sind offensichtlich sofort als beliebtes Gericht auf dem Speiseplan der Bären gelandet. Das berichtet ein Forscherteam um Jon Aars vom Norwegischen Polarinstitut in dem Fachmagazin Polar Research.

Wie die Forscher berichten, haben sie im April 2014 erstmal einen etwa 16 bis 20 Jahre alten männlichen Eisbären in einem kleinen Fjord des Inselarchipels Spitzbergen beobachtet, der gleich zwei Delfine erbeutet hatte. Das Raubtier versuchte seine Beute mit frischem Schnee zu bedecken, um sie zu verstecken – ein für Eisbären ungewöhnliches Verhalten. Wie die Wissenschaftler berichten, war es das erste Mal, dass die Meeressäuger als Beute von Eisbären wahrgenommen wurden. Weißschnauzendelfine sind in den Sommermonaten häufig in den arktischen Gewässern um Spitzbergen anzutreffen, doch niemals zuvor wurden sie so früh im Jahr so weit nördlich beobachtet.

Mindestens sieben verschiedene Kadaver von Weißschnauzendelfinen fanden die Forscher später in demselben Gebiet, und sechs oder mehr Bären fraßen an ihnen. Der Grad ihrer Verwesung legte nahe, dass die Meeressäuger alle im April verendet waren. Vermutlich waren sie an Eislöchern aufgetaucht, um Luft zu holen, und die Polarbären haben ihnen genau dort aufgelauert. Die weißen Räuber leben in Regionen, in denen Eisschollen den größten Teil des Jahres zu finden sind. Sie jagen in erster Linie Ringelrobben (Pusa hispida) und Bartrobben (Erignathus barbatus). Doch die Erwärmung der Arktis verändert das Ökosystem – und ganz offensichtlich auch die bisherigen Jäger-Beute-Beziehungen.

Sieben Walarten gehören bislang nachweislich zum Beutespektrum der Räuber, darunter der Narwal (Monodon Monoceros)  und der Weißwal (Delphinapterus leucas), die beide erbeutet werden können. Die fünf anderen Spezies sind ausgewachsen zu groß, um von Bären gejagt zu werden und erweitern nur als Jungtiere oder als gestrandete Kadaver den Speiseplan der Bären: Hierzu zählen Grönlandwal (Balaena mysticetus), Finnwal (Balaenoptera physalus), Grauwal (Eschrichtius robustus), Minkwal (Balaenoptera acutorostrata) und Pottwal (Physeter macrocephalus). Bei den letzten vier handelt es sich jedoch nicht um arktische Spezies, weswegen sie nur gelegentlich weit nördlich anzutreffen sind.

Sich an neue Beutetiere anzupassen, dürfte für das Überleben der Eisbären entscheidend sein. Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Verbreitungsgebiet der Bären in  den kommenden Jahrzehnten stark schrumpfen wird. Besonders stark betroffen sind voraussichtlich die Gebiete von Spitzbergen und der Barentssee. Von 1970 bis heute haben sich die oberen Wasserschichten im nordwestlichen Gebiet der Inseln von Spitzbergen stark erwärmt. Innerhalb nur eines Jahrzehnts kam es in der Region der Barentssee zu einem Verlust von rund 14 Prozent der Eisschollen während der Sommermonate. Jon Aars und sein Team glauben, dass die Weißschnauzendelfine künftig eine wichtige Nahrungsquelle für Eisbären sein könnten, insbesondere in einem Ökosystem, in dem der Bestand an Ringel- und Bartrobben kleiner wird. rr

   

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