Die Bedeutung der Wärmepumpe für eine erfolgreiche Energiewende

Seit dem 01.09.2007 ist Karl-Heinz Stawiarski Geschäftsführer des Bundesverbandes Wärmepumpe. Davor war er Produkt- und Marketingmanager D-A-CH bei Viessmann. (Foto: Bundesverband Wärmepumpe e.V.)
Seit dem 01.09.2007 ist Karl-Heinz Stawiarski Geschäftsführer des Bundesverbandes Wärmepumpe. Davor war er Produkt- und Marketingmanager D-A-CH bei Viessmann. (Foto: Bundesverband Wärmepumpe e.V.)

Das Zeit­alter der Erneuer­baren Energien wurde schon oft aus­gerufen. Bisher glaubten jedoch nur die Erneuer­baren selbst an ihre große Zukunft, andere sahen das Potential begrenzt und warnten vor vor­eiligen Schlüssen. Die Wissen­schaftler von Prognos bezifferten noch 2005 den Anteil bis 2020 auf 20 Prozent. Diese Zahl ist längst über­holt.

25.01.2016 – 2015 lag der Anteil grünen Stroms bereits bei 32,5 Prozent. Nicht nur das Wachstum der Erneuerbaren Energien schafft neue Realitäten, auch politisch erhält die Energiewende neue Rückendeckung: Auf der Pariser Klimakonferenz verständigte sich die Staatengemeinschaft auf ein neues Klimaabkommen. Seitdem schreibt der sperrige Begriff „Dekarbonisierung“ Schlagzeilen. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks verkündete nach Paris, auch Deutschland werde sich von Öl, Gas und Kohle verabschieden müssen.

Was die Energiewende im Stromsektor anbelangt, ist Deutschland auf einem guten Weg: Jede dritte Kilowattstunde (32,5 Prozent), die hierzulande verbraucht wurde, stammte aus Erneuerbaren Energien. Jedoch: Bei Heizung und Warmwasserbereitung stagniert der Anteil Erneuerbarer Energien seit Jahren bei 10-12 Prozent, je nach Berechnungsgrundlage. Ein erheblicher Störfaktor für den Erfolg der Energiewende und die Pariser Ziele: 30 Prozent des gesamten CO2-Austoßes entstehen im Wärmesektor.

Keine erfolgreiche Energiewende ohne Wärmwende

Die im Stromsektor so erfolgreiche Energiewende muss im Wärmemarkt fortgesetzt werden. Mit Hilfe von Wärmepumpen lässt sich der grüne Strom zum Heizen nutzen. Eine effiziente Wärmepumpe verwandelt eine Kilowattstunde Strom, in drei bis vier Einheiten Wärme. Als schaltbarer Verbraucher können sich Wärmepumpen den schwankenden Erzeugungsleistungen von Photovoltaik- und Windstromanlagen anpassen.

Nicht mehr Gas- und Ölheizungen, sondern elektrische Wärmepumpen sind 2050 die vorherrschende Heiztechnik. Zu diesem Ergebnis kommt eine unabhängige Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE. Unter dem Titel „Wege zur Transformation des deutschen Energiesystems bis 2050“ gingen die Wissenschaftler der Fragestellung nach, wie sich das Klimaziel der Bundesregierung, bis 2050 die CO2-Emissionen um mindestens 80 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren, am wirtschaftlichsten erreichen lässt.

Die Fraunhofer-Wissenschaftler untersuchten in ihrer modellbasierten Studie detailliert, wie Deutschland seine Klimaschutzziele durch den Ausbau Erneuerbarer Energien und einer effizienteren Energienutzung erreichen kann. Dabei werden auf Basis unterschiedlicher Szenarien verschiedene, kostenoptimierte Transformationspfade aufgezeigt. Aus der Vorgabe verschiedener Randbedingungen wie des Umfangs der energetischen Gebäudesanierung oder dem Ende der Kohleverstromung ergeben sich die entsprechenden Maßnahmen für Deutschland, um die Zielmarken von 80, 85 oder 90 Prozent CO2-Minderung bis 2050 zu erreichen. Bei allen Szenarien spielen Wind- und Photovoltaik-Anlagen eine Schlüsselrolle der zukünftigen Energieversorgung.

Wärmepumpe wird wichtigster Wärmeerzeuger

Das Fraunhofer ISE macht die Wärmepumpe in nahezu allen Szenarien als das wichtigste Heizsystem in Einzelgebäuden aus. Beim 85-Prozent-Szenario hätte die Wärmepumpe im Jahr 2050 einen Anteil von 80 Prozent an den Heizungstechniken, da Sie die effizienteste Technologie zur Wärmebereitstellung in Gebäuden darstellt. Heizkessel, die mit Öl und Gas befeuert werden, spielen ab 2050 in diesem Bereich keine Rolle mehr.

Dies ist ein eindeutiges Signal an die Bundesregierung: Die Politik muss jetzt handeln, um bessere Bedingungen für den Ausbau der Wärmepumpe zu schaffen, sonst wird sie ihr Ziel bis 2050 nicht erreichen. Derzeit ist der Strom mit zu hohen Steuern und Abgaben belastet, während fossile Energieträger sehr günstig sind. Ein Wechsel zu Erneuerbaren Energien ist für den Verbraucher darum kaum noch attraktiv. Nur der Umweltgedanke kann hier noch überzeugen!

Seit September 2007 ist Karl-Heinz Stawiarski Geschäftsführer des Bundesverbandes Wärmepumpe e.V., ein Zusammenschluss von rund 500 Mitgliedern mit Sitz in Berlin.

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  1. Onno Kleefkens
    Onno Kleefkens 26.01.2016, 19:43 Uhr
    Geehrte Herr Stawiarski,

    Sie habe recht! Wärmepumpe sind ‘key technology’ in ein enerneurbaren Welt. Bei uns in der Niederlanden gibt es schon wichtige Erfolgen in Neubau und Altbau.

    Jetzt arbeiten wir gerade an der Organisation der 12th IEA Heat Pump Conference wo wir als Motto haben: Rethink Energy, Act NOW! Sie können auf unsere Website mal anschauen (http://www.hpc2017.org).

    Wärmepumpen sind keine Technik für die Zukunft! Wärmepumpen sind jetzt verfügbar.

    Vielleicht könnte BWP die Konferenz unterstützen, indem BWP auf der Website den Link zu der Konferenz teilt. Wir haben ein gemeinsames Ziel und einer gemeinsamen Vision. Vielleicht gibt es ein Platz auf der Konferenz für BWP als Key-Note-Speaker.

    mit freundlichen Grüßen
    Onno Kleefkens

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