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Die Verkehrswende muss kommen! Ein Kommentar zur Insolvenz von Locomore

Dr. Thomas E. Banning ist Vorstandsvorsitzender der NATURSTROM AG.
Dr. Thomas E. Banning ist Vorstandsvorsitzender der NATURSTROM AG. (Foto: NATURSTROM AG)

Deutschland tritt beim Klimaschutz auf der Stelle – bestenfalls. 906 Millionen Tonnen CO2 pusteten wir Deutschen 2016 in die Atmosphäre, ein Anstieg um 4 Mio. Tonnen gegenüber dem Vorjahr. Eine gehörige Mitverantwortung für diesen Stillstand hat unsere Mobilität.

19.05.2017 – Zahlen des Umweltbundesamts zufolge stieg der CO2-Ausstoß im Verkehrssektor um 5,4 Millionen Tonnen. Damit ist der Verkehr für rund ein Fünftel der Treibhausgasemissionen Deutschlands verantwortlich und macht die Einsparungen in anderen Sektoren zunichte.

Längst ist daher die Rede davon, dass wirksamer Klimaschutz neben der Energiewende auch eine Verkehrswende benötigt. Die Erkenntnis allein reicht allerdings nicht. Gerade einmal 34.000 Elektroautos sind in Deutschland zugelassen, um nur ein Beispiel zu nennen. Nicht viel, bei insgesamt 45,8 Millionen Pkws ist das weniger als 1 Promille.

Und natürlich gehört zur Verkehrswende viel mehr, als Diesel- und Benzinfahrzeuge durch Elektroautos zu ersetzen. Fahrräder, Pedelecs, Sharing-Systeme und nicht zuletzt die gute, alte Bahn sind Mosaiksteine im großen, komplexen Bild nachhaltiger Mobilität. Wobei die Deutsche Bahn ihren begonnenen Weg zum Einsatz von Erneuerbaren Energien noch deutlich ausbauen kann und muss.

Als NATURSTROM AG ist es uns wichtig, dass die Energiewende nicht nur im Strom- sondern auch im Mobilitätsbereich vorankommt. Daher sind wir als Stromlieferant für Ladesäulen genauso aktiv geworden wie für Züge. Seit Dezember 2016 war unser Partner Locomore ein weiterer Anbieter von Fernbahnverbindungen – von Stuttgart über Frankfurt und Kassel nach Berlin und zurück. Leider musste das Unternehmen am 12. Mai Insolvenz anmelden – und hat dennoch vieles richtig gemacht. Locomore bedient eine attraktive Strecke, setzt auf Qualität, bietet günstige Preise und spannende Extras wie Themenabteile. Kostenloses WLAN hatte Locomore, bevor es der Branchenprimus einführte. Außerdem Bio-Catering im Bordrestaurant, den Nachhaltigkeitsgedanken hat Locomore konsequent durchgezogen.

Vorerst fährt der Locomore-Zug nun nicht mehr. Das heißt aber nicht, dass die Idee gescheitert wäre. Nachhaltige Mobilität ist in einem dicht besiedelten Industrieland wie Deutschland ein Zukunftsthema par excellence, nicht nur wegen des Klimaschutzes. Die Lebensqualität in den Städten, aber auch in Gemeinden entlang von Autobahnen und Bundesstraßen, leidet massiv unter immer mehr und mehr PKW. Daher sind Unternehmen wie Locomore wichtig, die mit neuen Ideen den Bahnverkehr beleben.

Zugleich spricht allerdings einiges dafür, dass der Wettbewerb auf der Schiene nicht funktioniert. Im Fernverkehr hat die Deutsche Bahn bislang kaum Konkurrenz. Locomore ist kein Einzelfall, fast jeder Wettbewerber der Deutschen Bahn hat im Fernverkehr bislang den Kürzeren gezogen. In der Kritik stehen bei Experten beispielsweise die Trassengebühren, welche die für den Netzbetrieb zuständige Tochter der Deutschen Bahn erhebt – und die manchen Beobachtern als zu hohe Hürde für einen langfristigen Erfolg von Wettbewerbern gelten.

Die Wettbewerbsbedingungen auf der Schiene ähneln denen im Strommarkt vor rund 15 Jahren: Der Staat wünscht sich zwar Wettbewerb, schafft aber nicht die Rahmenbedingungen, unter denen sich Neueinsteiger behaupten können. Im Strommarkt wurden Mitte der 2000er durch die Bundesnetzagentur die Weichen für einen funktionierenden Wettbewerb gestellt. Der Bund sollte sich überlegen, ob nach der Bahnreform von 1994 nicht langsam eine neue Reform fällig ist.

Für das anstehende Insolvenzverfahren drücken wir Locomore die Daumen. Das Unternehmen muss nun einen Investor finden. Vielleicht sind sogar mehrere im Verbund der bessere Weg, um eine breitere Kapitalbasis zu erlangen. Ein Bahnunternehmen baut man nicht in einem halben Jahr auf, da wird viel Durchhaltevermögen benötigt. Das Konzept von Locomore ist aus Sicht der Nachhaltigkeit großartig und hat den Erfolg verdient.

Dr. Thomas E. Banning ist Vorstandsvorsitzender der NATURSTROM AG.

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  1. Daniel
    Daniel 23.05.2017, 13:27 Uhr
    Hallo Eitel Heck,
    nach deinem Kommentar könnte man denken, dass ein Fahrzeug mit einer Wasserstoff-Brennzelle etwas ganz besonderes ist. Um jedoch bei deinem angeführten Beispiel an verwendeten Kupfer zu bleiben, wie viel Kupfer brauch denn der E-Motor des Wasserstoffbrennzellenauto weniger als ein Elektroauto?

    Aber richtig ist, das die gesamte Kette angeschaut wird.
    Und noch viel wichtiger, dass die Forschung dafür nicht durch Geldgeber aus dem fossilen Bereich kommen dürfen.
  2. Eitel Heck
    Eitel Heck 19.05.2017, 19:25 Uhr
    Alternativen zu Kraftfahrzeugen mit fossilen Kraftstoffen sind:
    1.Elektroautos mit Lithium-Ionen- Batterien, sind nicht so umweltfreundlich, wie allgemein angenommen wird. Zur Förderung der weltweit größten Lithiumvorkommen in einer Wüstenregion Chiles werden große Mengen Wasser benötigt, das zur Versorgung der Bevölkerung Mangelware ist. Die Lithiumförderung in Deutschland und Österreich soll begonnen werden.Das Lithium in beiden Ländern ist tief unter der Erde eingeschlossen im Pegmatit(erkaltetes Magma). Die Förderung ist kompliziert und teuer.
    Bei einer Motorenleistung von 70kW werden 63kg Kupfer benötig. Das bedeutet bei der geplanten Produktion von 1,0 Millionen Elektroautos 63.000 Tonnen Kupfer. Die Förderung und Herstellung von Kupfer ist enorm energieintensiv und umweltbelastend( CO2- und SO2-Emission).
    Der CO2-Vorteil der Elektroautos ist durch die Lithium- und Kupferherstellung wieder weg, teilweise in die Förderländer verlagert, aber ist gibt nur eine CO2-belastete Erde.
    Bei Elektroautos gibt es interessante Neuentwicklungen auf anderer Batteriebasis, die aber nioch nicht in Serienproduktion gefertigt werden.
    E-Auto Sion aus Deutschland mit Solarbattrie(Reichweite 250km), E-Auto Quantino, Italien mit Flüssigkeitsbatterie(Reichweite 1.000km), E-Auto mit Flashbattery von StoreDot, Israel( Reichweite 480 km).
    2.Kraftfahrzeuge mit Wasserstoff-Brennzellen.
    Toyota hat die Serienproduktion eines Autos mit Wasserstoff-Brennzellen aufgenommen(Toyota Mirai).
    In Salzgitter/Niedersachsen wurde ein Eisenbahn-Personenzug auch auf Wasserstoff-Brennzellen umgestellt.
    Kraftfahrzeuge mit Wasserstoff-Brennzellen sind sicherlich die innovative und umweltfreundlichere Alternative zu Elektroautos.
    Aus meiner Sicht fehlt in Deutschland ein Kozept für die Verkehrswende mit klaren Vorgaben der Umwrltbelastung unter Beachtung der Rohstoffkette zur Fahrzeugfertigung.

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