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„Innerhalb von zehn Jahren amortisiert“

Michael Richter im ersten Wiener Bezirk mit seinem elektrisch fahrenden Nissan Leaf. (© Niels H. Petersen)
Michael Richter im ersten Wiener Bezirk mit seinem elektrisch fahrenden Nissan Leaf. (© Niels H. Petersen)

Das Crowdfunding ist bei PV-Kraftwerken eine Alternative zur Bankenfinanzierung. Der Finanzfachmann Michael Richter sieht darin eine gute Chance, die Akzeptanz für die Energiewende zu erhöhen. Es gilt aber, die bei der Errichtung häufig aufgetretenen Installationsfehler in Zukunft zu vermeiden.

07.04.2017 – Der Österreicher Michael Richter ist Geschäftsführer der Sonneninvest sowie der Tochter Sonneninvest Deutschland. Seine Karriere in der Finanzwirtschaft startete er vor 25 Jahren bei der Wiener Börse. 2009 gründete er seine Firma Sonneninvest, die derzeit 8 PV-Kraftwerke mit über 5 Megawatt Leistung im Portfolio hat.

Herr Richter, warum setzen Sie bei der Finanzierung von Ökostromanlagen auf Crowdfunding?

Michael Richter: Ein Crowdfunding bedeutet immer, dass viele Menschen mitmachen können. Und unser Ziel war es immer, dass möglichst viele Menschen durch ein Investment in ein Photovoltaik-Kraftwerk an der Energiewende teilhaben. Unsere Bilanz: In den letzten drei Jahren haben über 1.300 Crowdfunding-Investoren einen Beitrag zum Klimaschutz geleistet. Das Crowdfunding selbst ist mittlerweile eine moderne Alternative zur Bankfinanzierung geworden. Besonders spannend finde ich dabei, den regelmäßigen Austausch mit den Menschen in der Crowd. Das Feedback ermöglicht uns neue Crowdfundings anhand des Feedbacks zu entwickeln. Wir vergüten unsere Investoren abhängig vom Ertrag der Anlagen und bieten dabei verschiedene Laufzeiten für die Beteiligungen an.

Warum haben Sie sich bei den Erneuerbaren nur auf Solarstromanlagen spezialisiert?

Michael Richter: Die Vorteile der Photovoltaik liegen auf der Hand: Es gibt nur geringe Ausfälle, weil es keine beweglichen Teile in der Anlage gibt. Auch der Verschleiß im laufenden Betrieb ist dadurch geringer. Das hat mich als ausgebildeter Maschinenbauer zu einem Photovoltaikfan gemacht. Zuvor habe ich mich viele Jahre mit Wasser- und Windkraftanlagen beschäftigt. Im Vergleich zur Windkraft ist die Produktion von Sonnenstrom geräuschlos, sauber und optisch ansprechender. In der Bevölkerung ist dadurch die Akzeptanz für Photovoltaik unter allen Ökostromanlagen am Höchsten. Zudem ist die Nutzung bisher brachliegender Industriedächer durch Photovoltaikkraftwerke ein Musterbeispiel, wie die Energiewende funktionieren kann. Der Sonnenstrom wird vor Ort erzeugt und verbraucht.

Welche Anforderungen muss eine Plattform für Crowdfunding erfüllen, die mit Ihnen zusammenarbeitet?

Michael Richter: Aufgrund des Crowdfunding-Booms der letzten Jahre haben sich viele Plattformen am deutschen Markt etabliert. Die meisten Plattformen wie beispielsweise Seedmatch haben sich auf Startups spezialisiert. Bei unseren Crowdfunding-Runden wollten wir eine Plattform, die auf grüne Investments spezialisiert ist. Aufgrund der Größe der von uns benötigten Kapitalbeträge haben wir uns schließlich 2015 für die Seedmatch-Tochter Econeers entschieden.

Worin bestehen die Vor- und Nachteile eines Crowdfundings gegenüber Energiegenossenschaften?

Michael Richter: Beide Finanzierungsformen haben ihre Berechtigung. Energiegenossenschaften machen meiner Meinung nach auf dem Land bei regionalen Projekten aufgrund der örtlichen Nähe der Investoren und der dadurch höheren Projektidentifikation einfach mehr Sinn. Mit Crowdfunding erreiche ich interessierte Investoren in der Breite – bundesweit und über Landesgrenzen hinaus.

Welche weiteren Finanzierungsmodelle passen zu Ökostromprojekten?

Michael Richter: Neben Crowdfunding und Energiegenossenschaften spielen Bankfinanzierungen immer noch eine wichtige Rolle um Ökostromprojekte zu finanzieren. Insbesondere wenn große Kapitalbeträge benötigt werden, wie für den Bau von Windkraftprojekten. In diesem Geschäft werden Banken auch künftig führend bleiben. Der Anteil von Banken, die sich mit den Besonderheiten der Projektfinanzierung mit Ökostromanlagen auskennen, muss und wird in den nächsten Jahren hoffentlich noch weiter zunehmen.

Welche Projekte sind für einen Investor wie Sonneninvest interessant?

Michael Richter: Wir kaufen bereits am Netz befindliche Solarkraftwerke in Deutschland ab rund einem Megawatt Spitzenleistung, die eine EEG-Vergütung erhalten. Bei Dachanlagen liegt unsere untere Schwelle bei 700 Kilowatt. Derzeit sind wir interessiert noch weitere drei bis fünf Solarkraftwerke zu erwerben, die bevorzugt in Mittel- und Süddeutschland liegen. Aber von zehn Solarstromanlagen, die uns angeboten werden, entscheiden wir uns vielleicht für eine.

Warum ist das so?

Michael Richter: Die Photovoltaikanlagen müssen sich in einem technisch einwandfreien Zustand befinden. Und das ist leider nicht immer der Fall. Die Anlagen, die wir kaufen, gingen zwischen 2009 und 2015 ans Netz. Gerade in den Boomjahren 2010 bis 2012 gab es viele Installationsfehler und auch Schlampereien. Das ist bei einer Besichtigung vor Ort aber recht schnell erkennbar.

Wie schnell muss sich ein Projekt refinanzieren und welche Rendite wird dabei im Schnitt erwartet?

Michael Richter: Die Rendite sollte bei ungefähr 7 bis 8 Prozent pro Jahr liegen. Da wir die Anlagen über 30 Jahre betreiben wollen, denken wir bei unseren Investments immer sehr langfristig. Wenn sich ein Kraftwerk nicht innerhalb von zehn Jahren amortisiert, entspricht es nicht unserem Anforderungsprofil.

Die Finanzierung von Anlagen über eine garantierte Einspeisevergütung geht immer mehr zurück. Was bedeutet das für Ihre zukünftige Kapitalakquise?

Michael Richter: Die Abkehr von der EEG-Einspeisevergütung erachten wir als einen Fehler. Sonnenenergie ist langfristig sehr viel günstiger als Atom-oder Kohlestrom, die viel mehr Subventionen erhalten haben oder noch erhalten werden, wenn wir an das Thema Endlagerung des Atommülls denken. Neue Photovoltaikkraftwerke in Deutschland zu errichten, ist unter den aktuellen Bedingungen nur schwer realisierbar. Wir wollen daher unser deutsches Kraftwerksportfolio zügig ausbauen. Auch 2017 soll es wieder ein Solarcrowdfunding geben.

Haben Sie auch Projekte in Österreich? Sind die Bedingungen hier anders?

Michael Richter: Aufgrund einer fehlenden Einspeisevergütung in Österreich sowie eines starken Gegenwindes seitens der österreichischen Energieversorger gibt es kaum nennenswerte größere private Solarkraftwerke in Österreich. Meinem Wissen nach verfügt das größte Photovoltaik-Kraftwerk Österreichs in Kärnten gerade mal über drei Megawatt Leistung.

Und wo kommt der Photovoltaikzubau von 130 bis 150 Megawatt im vergangenen Jahr her?

Michael Richter: Der Zubau kommt seit vielen Jahren von vielen privaten Photovoltaikanlagen mit einer Durchschnittsgröße von fünf Kilowatt Leistung. Das Land Österreich selbst bleibt seit Jahren hinter den Klimazielen zurück. Dies scheint aber für die Politik und den Wähler noch kein wirkliches Thema zu sein. 2018 soll es ein neues Klimaschutzgesetz geben. Seitens des Umweltministers befindet sich eher die Mobilität im Fokus: Einerseits soll die Elektromobilität forciert werden und andererseits soll eine Dieselbesteuerung kommen.

Das Gespräch führte Niels H. Petersen.

   

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