Energiekosten für Mieter clever senken

Insgesamt 170 städtische Wohnungen werden in Konstanz mit Mieterstrom aus Photovoltaik und KWK-Anlagen beliefert. (Foto: Stadtwerke Konstanz)
Insgesamt 170 städtische Wohnungen werden in Konstanz mit Mieterstrom aus Photovoltaik und KWK-Anlagen beliefert. (Foto: Stadtwerke Konstanz)

Mieterstrom liegt bundesweit im Trend. Für ein besonderes Projekt wurden nun die Stadtwerke Konstanz ausgezeichnet: Eine Kraft-Wärme-Kopplungsanlage, kombiniert mit Photovoltaik und intelligentem Messsystem. Die Investition rechnet sich innerhalb von drei bis fünf Jahren.

23.03.2017 – Das Projekt in Konstanz wurde jüngst vom Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung (B.KWK) sowie vom Verband kommunaler Unternehmen (VKU) ausgezeichnet. Das erdgasbetriebene Blockheizkraftwerk mit 20 Kilowatt (kW) elektrischer und 42 kW thermischer Leistung befindet sich in einem Mehrfamilienhaus der städtischen Wohnbaugesellschaft Wobak. In dem Gebäude sind auch ein Kundencenter der Sparkasse sowie ein Polizeiposten untergebracht. Die auf dem Dach installierte Photovoltaik-Anlage steuert zur Stromversorgung 22,88 Kilowatt bei.

Bei Sonnenschein staubsaugen

Bundesweit einzigartig macht die Anlage in Konstanz-Wollmatingen die Kopplung der beiden Systeme mit elektronischen Zählern. Diese liefern alle 15 Minuten Daten bezüglich der aktuellen Stromproduktion sowie zum Verbrauch. So können die Mieter ihr Stromnutzungsverhalten aktiv anpassen. Das bedeutet konkret: Wer beispielsweise bei Sonnenschein staubsaugt oder Elektrogeräte wie Waschmaschine und Trockner laufen lässt, erhöht seinen individuellen Verbrauch des im Gebäude erzeugten Stroms. Und das zahlt sich aus: Der interne Strom schlägt nämlich nur mit 22,63 Cent pro Kilowattstunde (kWh) zu Buche, während für den aus dem allgemeinen Versorgungsnetz bezogenen Reststrom 24,56 Cent pro kWh berechnet werden. Auch Integration in bestehende Gebäude möglich „Dieses Mieterstrommodell der Stadtwerke Konstanz macht deutlich, dass KWK- und PV-Anlagen ganz im Sinne einer optimierten Energieeffizienz hervorragend miteinander harmonieren können“, heißt es in der Begründung der Auszeichnung des B.KWK. Während im Sommer die Photovoltaik den meisten Strom bereitstellt, springt bei reduzierter Sonneneinstrahlung das Blockheizkraftwerk ein. Installieren lässt sich ein solch dezentrales Stromversorgungssystem nicht nur in Neubauten, sondern auch in bestehende Gebäude. Weiterer Vorteil: Es werden keine großen Energiespeicher benötigt.

80 Prozent der Mieter machen mit

„Mieter, Politik, Öffentlichkeit und die städtische Wohnbaugesellschaft Wobak haben unser Modell sehr gut angenommen“, sagt Josef Siebler, Sprecher der Konstanzer Stadtwerke In dem nun ausgezeichneten Projekt entschieden sich 27 von 34 Mietern für den neuen Tarif „Strom Direkt“. Mehr als 60 Prozent des Strombedarfs des Gebäudes konnte durch die KWK- und Solarstromanlage gedeckt werden, ergab eine erste Jahresauswertung. Und auch die Stadtwerke profitieren. „Die Mehrkosten rechnen sich für uns nach drei bis fünf Jahren“, sagt Siebler. Aufgrund der hohen Wirtschaftlichkeit habe man bereits begonnen weitere Anlagen dieser Art zu installieren. Rund 170 städtische Wohnungen werden mittlerweile schon mit Mieterstrom beliefert. Siebler hält das Konzept auch gut auf andere Kommunen übertragbar. „Es gibt bereits etliche Anfragen von anderen Stadtwerken“, berichtet er.

Steuerbarkeit der KWK von Vorteil

„Das aufgezeigte Modell der Stadtwerke Konstanz mit der Kombination von Kraft-Wärme-Kopplung und Solarstrom ist sicherlich ein gutes Beispiel für ein Mieterstrommodell. Allerdings bleibt festzuhalten, dass Mieterstrommodelle in jedem Fall vor den konkreten Hintergrund des jeweiligen Einzelfalles geprüft werden müssen“, sagt der Sprecher des baden-württembergischen Umweltministeriums Frank Lorho. Doch die Kombination von Kraft-Wärme-Kopplung und Photovoltaik sei hierbei, gerade auch wegen der Steuerbarkeit der KWK, von Vorteil.

Verbesserte Förderung für solaren Mieterstrom

Jüngst legte nun Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries einen Gesetzentwurf für eine verbesserte Mieterstromförderung vor. Er sieht vor, dass Mieterstrom aus Photovoltaikanlagen künftig via direktem Einspeisetarif gefördert wird. Vorgesehen ist eine Vergütung in Höhe von 3,81 bis 2,21 Cent pro Kilowattstunde, je nach Anlagengröße. Die PV-Mieterstromprojekte würden auf diese Weise jährliche Renditen von mindestens fünf bis sieben Prozent erreichen, errechneten die Fachleute aus dem Ministerium. Noch in dieser Legislaturperiode soll das Gesetz verabschiedet werden. Mieterstrom aus Blockheizkraftwerken wird bereits über das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG) gefördert. Hans-Christoph Neidlein

   

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Jürgen Pöschk
Initiator Berliner ENERGIETAGE
Herausgeber des Jahrbuchs „Energieeffizienz in Gebäuden“

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