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Britische Regierung setzt auf chinesische Atomkraft

Links sind die beiden Reaktoren von Hinkley Point A zu sehen, rechts Hinkley Point B. Der neue Reaktor C sollte ursprünglich 2017 ans Netz gehen, nun wird auch der Termin 2023 nicht zu halten sein. Wann der neue Kernreaktor Strom liefern kann, ist unklar. (Foto: Richard Baker, wikimedia commons, CC BY-SA 2.0)
Links sind die beiden Reaktoren von Hinkley Point A zu sehen, rechts Hinkley Point B. Der neue Reaktor C sollte ursprünglich 2017 ans Netz gehen, nun wird auch der Termin 2023 nicht zu halten sein. Wann der neue Kernreaktor Strom liefern kann, ist unklar. (Foto: Richard Baker, wikimedia commons, CC BY-SA 2.0)

Großbritannien will erstmals seit 1995 neue Atomkraftwerke bauen. Nicht nur das stark umstrittene AKW Hinkley Point C wird kommen, chinesische Konzerne sollen weitere Reaktoren bauen: neue Milliarden-Subventionen für Atomkraft statt Ökostrom.

13.09.2015 – Seit Jahren beschäftigen die massiven Subventionen für den umstrittenen Atommeiler Hinkley Point C an der Südwestküste von England Umweltschützer und Gegner der Atomkraft. Mehrere Organisationen, Unternehmen und sogar der EU-Staat Österreich klagen gegen die ausufernde finanzielle Unterstützung von 23 Milliarden Euro Beihilfe, die die EU-Kommission im vergangenen Oktober genehmigte. Die britische Regierung beeindruckt dies allerdings wenig, sie will weitere neue Atomkraftwerke bauen lassen – erstmals seit 1995, als das letzte Kernkraftwerk ans Netz ging.

Großbritannien plant eine etwas andere Energiewende. Die Subventionen für Erneuerbare Energien werden immer weiter gekürzt, z.B. erneut für Photovoltaik- und Windkraftanlagen. Wie britische Medien nun berichten, sollen chinesische Investoren und Konzerne am alten AKW-Standort Bradwell nordöstlich von London einen neuen Reaktor errichten. Der Abschluss soll im Oktober während des Besuchs des chinesischen Präsidenten Xi Jinping erfolgen. Es wäre der erste chinesische Reaktor in einem westlichen Land.

Chinesische Atomfirmen bauen Reaktoren

Für chinesische Konzerne ist es allerdings nicht die erste Beteiligung in Europa. Auch bei Hinkley Point C sind neben dem französischen Energiekonzern EDF als Bauherr zwei chinesische Partner an Bord, die beiden Staatsbetriebe China General Nuclear Power Corporation und China National Nuclear Corporation. Die beiden Atomfirmen aus Fernost sollen ebenso beim Nachfolgeprojekt an Bord sein und beim Bau eines Reaktors in Sizewell Partner von EDF werde. Dort an der englischen Ostküste gibt es bereits ein Atomgelände, auf dem derzeit zwei Reaktoren zurückgebaut werden, die Ende 2006 nach 40 Betriebsjahren aus wirtschaftlichen Gründen abgeschaltet wurden.

Die neuen Atomreaktoren sollen die Lücke füllen, die durch die Abschaltung alter Atommeiler und die Drosselung der Kohlekraftwerke aus klimapolitischen Gründen hinterlassen. Obwohl der Um- und Neubau von Stromerzeugungskapazitäten große Chancen für eine Energiewende nach deutschem Vorbild bieten, setzt London unbeirrt auf neue teure und kaum kalkulierbare Großprojekte. Die Probleme zeigen sich bereits beim ersten Großprojekt: Ursprünglich sollte Hinkley Point C Ende 2017 ans Netz gehen, doch nun gab EDF bekannt, dass sogar der verschobene Starttermin 2023 nicht zu halten sei.

AKW-Neubauten mit massiven Problemen

Ähnliche Probleme sind bei den anderen europäischen Neubauten von Atomkraftwerken zu beobachten. Das ebenfalls von EDF im Bau befindliche AKW Flamanville in Nordfrankreich ist bereits jetzt sechs Jahre im Verzug, die Kosten haben sich verdreifacht. Das Kernkraftwerk Olkiluoto im Südwesten Finnlands ist bereits neun Jahre später dran und viele Milliarden Euro teurer. Dabei handelt es sich jeweils um Europäische Druckwasserreaktoren (EPR), ein neuer Reaktor-Typ des französischen Atomkonzerns Areva. Die Neubau-Debakel setzen den Staatskonzern stark zu, finanzielle Verpflichtungen im Milliarden-Bereich sorgen nun für die Aufspaltung.

Es sind keine guten Vorzeichen für die Atomkraft in Europa. Umso erstaunlicher ist der vehemente Einsatz der konservativen britischen Regierung um Premierminister David Cameron für die gefährliche Technologie. Dass nicht nur der Bau und die horrenden Subventionssummen ein finanzielles Desaster darstellen, sondern auch der Betrieb, ist bereits vorprogrammiert. Der britische Staat garantiert den neuen AKWs über 35 Jahre einen Abnahmepreis für ihren Strom, der das Doppelte des heutigen Strompreises beträgt. Bis dahin wird der Strom aus Erneuerbaren Energien nur einen Bruchteil kosten. cw

   

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Franz Alt
Journalist und Buchautor
www.sonnenseite.com

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