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Ökoaktivist wird französischer Umweltminister

Nicolas Hulot à la fête de l'Huma 2008, le 14 septembre. (Foto:  Alvaro ,  CC BY-SA 3.0 )
Nicolas Hulot à la fête de l'Huma 2008, le 14 septembre. (Foto: Alvaro , CC BY-SA 3.0 )

Nachdem Europas Grüne die Wahl des rechtskonservativen Premierminsters Edouard Philippe wegen dessen Atomkonzern-Vergangenheit kritisiert hatten, holt sich Macron nun Frankreichs bekanntesten Umweltaktivisten Nicolas Hulot in den Elysée-Palast.

19.05.2017 –Nicolas Hulot ist ein alter Hase in der Umweltschutzbewegung Frankreichs und engagiert sich seit 30 Jahren als Ökoaktivist – anerkannt von bisherigen Präsidenten und Konzernchefs aber auch geprägt von einem Auf und Ab an Sympathie innerhalb der Umweltbewegung. Ausgerechnet der ehemalige Areva-Manager und neue Premier Edouard Philippe ernannte nun Hulot zum neuen französischen Umweltminister. Von einigen Präsidenten hat Hulot schon Angebote abgewiesen, zuletzt von Hollande. Für ihn war er enger Berater bei den COP21-Verhandlungen.

Als Umweltminister habe man weniger Chancen seine Anliegen durchzukämpfen, so seine bisherige Meinung in Interviews – jetzt hat Macron ihn wohl doch noch rumgekriegt. Im Rahmen seiner Umweltstiftung Fondation Nicolas Hulot initiierte der 62-jährige Journalist und passionierte Kite-Surfer Kampagnen gegen die Vermüllung der Meere, die Abholzung von Urwäldern oder gegen Gentechnik. Er will vor allem die Öffentlichkeit für ökologische Themen gewinnen, was in Frankreich nicht ganz einfach ist.

Jetzt geht Hulot in den Elysée Palast. Dem geplanten Flughafen Notre-Dame-des-Landes im Département Loire-Atlantique – einem Vorzeigeprojekt der sozialistischen Regierung – hatte Hulot von Anfang an den Kampf angesagt. Nun wäre er in der Position, das umstrittene Projekt zu stoppen. Es wird bereits vermutet, dass es diesbezüglich einen heimlichen Deal zwischen Präsident und Ökoaktivist geben könnte: Wenn Hulot das Amt des Umweltminsters antritt, stimmt Macron einem Stopp des Flughafenprojekts zu.

Man wird sehen was ihm gelingt. Zu tun gibt es eine ganze Menge, denn Frankreich muss auch die unter Ségolène Royal eingeläutete Energiewende fortsetzen und als bekennender Atomkraftgegner – zumindest seit Fukushima – muss Hulot es nun mit der alten Atomlobby aufnehmen.

In seiner bisherigen Arbeit kämpfte er für einen raschen Atomausstieg und für den Ausbau Erneuerbarer Energien. Er verspricht die alten verkrusteten Systeme aufzubrechen. Er will die Energiewende innerhalb der nächsten 30 Jahre umsetzen und sich vor allem für Ökosteuern einsetzen. Ob das mit dem rechtkonservativen Premierminister und einem Präsidenten – der radikale Neuerung verspricht und die Energiewende zumindest befürwortet – gelingt, bleibt allemal spannend. Es ist zu hoffen, dass Hulot im Ministère de la Transition écologique et solidaire nicht weniger kampfeslustig bleibt. na

   

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