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Oslo verbannt Autos und setzt auf Radverkehr

Ab 2019 sollen mit nur wenigen Ausnahmen Autos im Zentrum von Oslo verbannt werden. (Foto: © News Øresund, Jenny Andersson, CC BY 3.0)
Ab 2019 sollen mit nur wenigen Ausnahmen Autos im Zentrum von Oslo verbannt werden. (Foto: © News Øresund, Jenny Andersson, CC BY 3.0)

Norwegens Hauptstadt will ab 2019 Autos aus der Innenstadt verbannen, das Radwegenetz ausbauen und Elektrofahrräder fördern. Ziel der neuen rot-rot-grünen Stadtregierung ist es, den Autoverkehr um 20 und den CO2-Ausstoß um 50 Prozent zu reduzieren.

23.10.2015 – Die Sozialdemokraten, Linke und Grüne hatten die Kommunalwahl am 14. September gewonnen und nun ihr Konzept zur drastischen Reduzierung der Treibhausgase Oslos vorgestellt. Das Zentrum der Stadt, in dem nur ca. 1.000 Menschen wohnen aber 90.000 täglich zur Arbeit fahren, soll autofrei werden. Nur gewerblich Autos ohne Schadstoffausstoß sind dann noch zugelassen. Gleichzeitig soll ähnlich wie in Kopenhagen das Radwegenetz weiter ausgebaut und Elektrofahrräder gefördert werden.

Ein detailliertes Konzept muss allerdings erst noch erarbeitet werden. Die Maßnahmen sind Teil des Ziels der Stadt, die CO2-Emissionen bis 2020 um 50 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Der Autoverkehr im gesamten Stadtgebiet soll bis 2019 um 20 Prozent und bis 2030 sogar um 30 Prozent reduziert werden. Einige Wirtschaftsvertreter zeigten sich besorgt über den Autobann im Zentrum Oslos. Immerhin stehen dort elf der 57 Einkaufszentren der Stadt, argumentieren sie.

Oslo schließt sich Divestment-Bewegung an

Mit den Plänen reiht sich Oslo ein in die Pläne vieler anderer europäischer Städte. London hat bereits seit vielen Jahren eine City-Maut, die den Großteil des privaten Autoverkehrs aus dem Zentrum heraushält, auch Madrid schränkte Autos in der Innenstadt ein. Im Zentrum von Kopenhagen gibt es großzügige Fahrradstraßen, Autofahrer haben das Nachsehen und dürfen viele Straßen nicht befahren. Auch Paris hat mittlerweile autofreie Sonntage eingeführt. Die Feinstaubwerte vieler europäischer Städte sind erschreckend hoch, Grenzwerte werden nur selten eingehalten.

Doch Oslo geht noch einen Schritt weiter. Bereits im März hatte die Stadtregierung angekündigt, fossile Energien nicht weiter unterstützen zu wollen. Nun folgt die Umsetzung: Der acht Milliarden Euro starke Rentenfonds der Stadt soll sich ähnlich wie der große norwegische Pensionsfonds von Investitionen in Kohle-, Öl- und Gasgeschäften trennen. „Divestment sendet vor dem Klimagipfel in Paris eine starke Nachricht an die Welt, dass wir ein verbindliches Abkommen benötigen, um die gefährliche globale Erwärmung zu vermeiden“, begründete Lan Marie Nguyen Berg, Grünen-Politikern und neue Beirätin für Verkehr und Umwelt, die Entscheidung des Stadtrats. cw

   

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