• Umwelt 
  • Leben 
  • Blütenbestäuber vom Aussterben bedroht

Blütenbestäuber vom Aussterben bedroht

Der Bestand des Monarchfalters hat sich durch den Einsatz von Pestiziden bereits stark reduziert. (Foto: © jr2142, flickr.com, CC BY-NC-ND 2.0)
Der Bestand des Monarchfalters hat sich durch den Einsatz von Pestiziden bereits stark reduziert. (Foto: © jr2142, flickr.com, CC BY-NC-ND 2.0)

Eine neue Studie der Vereinten Nationen wirft ein düsteres Licht auf die Zukunft vieler Bienen, Schmetterlinge und anderer Blütenbestäuber. Langfristig wird darunter nicht nur unser Ökosystem leiden, sondern auch die gesamte Lebensmittelversorgung.

02.03.2016 – Aufgrund unterschiedlicher Einflüsse ist eine wachsende Anzahl blütenbestäubender Insekten vom Aussterben bedroht – so der neue Bericht Blütenbestäuber und ihre Bedeutung für die Nahrungsmittelproduktion des Weltrats für Biologische Vielfalt (IPBES). Die intensive Landwirtschaft sowie der umfangreiche Einsatz unterschiedlicher Pestizide tragen weltweit zur Vernichtung von Bienenvölkern und anderen Bestäubern bei.

Zu einem ähnlichen Ergebnis gelangt auch eine kürzlich veröffentlichte Studie der „University of Reading“ in Großbritannien. Die britischen Wissenschaftler gehen davon aus, dass etwa vierzig Prozent der Tierarten, die durch das Bestäuben der Blüten für eine natürliche Vermehrung der Pflanzenwelt sorgen, vom Aussterben bedroht sind. Dafür sei nicht nur der zunehmende Einsatz von Pestiziden verantwortlich, sondern auch der fortschreitende Klimawandel.

„Wir brauchen eine nachhaltigere Landwirtschaft“

Bundesumweltministerin Hendricks mahnt, dass die unterschiedlichen Blütenbestäuber Milliardenwerte schaffen, auf die unsere Menschheit dringend angewiesen sei. „Wenn wir die Bienen nicht hätten, dann hätten wir bald auch keine Äpfel, Birnen, Kirschen und Pflaumen mehr“, so Hendricks. Öffentliche Gelder dürften keine Landwirtschaft unterstützen, die zur Zerstörung unserer eigenen Lebensgrundlage beitragen. „Wir brauchen eine nachhaltigere Landwirtschaft, auch in Deutschland und Europa“, fordert Hendricks.

Die britischen Wissenschaftler haben in ihrer Studie die Entwicklung des Monarchfalters betrachtet, von dem es in Nordamerika vor einiger Zeit noch rund eine Milliarde Exemplare gab. Durch die Pestizide wurden jedoch viele Seidenpflanzengewächse, zu denen beispielsweise die Aasblumen gehören, vernichtet. Eine der Hauptnahrungsquellen des Monarchfalters fiel damit weg, wodurch sich der Bestand auf etwa 65 Millionen Exemplare reduziert hat. Die Forscher gehen davon aus, dass sich auch bei vielen anderen Blütenbestäubern eine ähnliche Entwicklung beobachten lässt. Unter anderem bei der Produktion von Kaffee und Kakao könnte dies schon bald zu Problemen führen.

Pestizide gelten als Hauptgefährdungsursache

Das Absterben der Bienenvölker in den verschiedenen Regionen der Erde falle unterschiedlich stark aus, heißt es weiter im IPBES-Bericht. Zurückzuführen sei dies auf die Unterschiede bei der landwirtschaftlichen Produktion sowie der Anwendung von Pestiziden, welche eine Hauptgefährdungsursache für die Blütenbestäuber darstellen. Es ist schon länger bekannt, dass zwischen dem massenhaften Bienensterben und dem Einsatz von Insektiziden aus der Gruppe der Neonicotinoide ein Zusammenhang bestehen muss. Noch gibt es weltweit etwa 20.000 verschiedene Bienenarten, von denen allerdings viele vom Aussterben bedroht sind.

Gentechnisch veränderte Pflanzen haben ebenfalls einen negativen Einfluss auf die unterschiedlichen Blütenbestäuber. Daher weisen die Wissenschaftler des IPBES darauf hin, dass die Risikoeinschätzung bei der Zulassung dieser Pflanzen in den meisten Ländern nur ungenügend auf diese Auswirkungen eingeht. Ungefähr 75 Prozent der weltweiten Gesamternte hängen zumindest teilweise von den bestäubenden Insekten ab. Es ist also zwingend erforderlich, den negativen menschlichen Einfluss auf diese für uns so wertvollen Tiere zu reduzieren. jk

   

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel

  1. Brigitte Katz
    Brigitte Katz 11.03.2016, 15:30 Uhr
    Vielen Dank für den interessanten und wichtigen Artikel über unsere Blütenbestäuber! Ich denke, jeder von uns kann mit seiner Gartenpflege dazu beitragen, dass sich die Situation für die Bienen und Schmetterlinge nicht weiter verschlechtert. Wir sollten uns unserer Verantwortung bewusst werden und sie nicht nur an die Landwirtschaft abgeben. Auch wir können viel beitragen, können zum Beispiel für mehr Pflanzenvielfalt im Garten sorgen, die den Bedürfnissen der Blütenbestäuber entgegen kommt. Das fängt schon beim Rasen an, der wenigstens zum Teil durch eine Wiese ersetzt werden sollte.
    Bitte mehr Berichte über solche Themen
    und viele Grüße!
  2. P.Zwart
    P.Zwart 09.03.2016, 12:36 Uhr
    Alles was giftig ist fuer Menschen und Tiere duerfte gar nicht mehr hergestellt werden. So wuerde kein Mensch mehr in Gaerten, Einfahrten usw. die Umwelt belasten koennen.

    Also nur noch die umweltfreundlich Mittel auf den Markt!
  3. Adelheid Schneider-Schick
    Adelheid Schneider-Schick 09.03.2016, 11:04 Uhr
    Habe einen großen Garten, da ist jedes Tierchen willkommen, wird nicht verjagt oder getötet. Unterzeichne jede Pedition.

Ihr Kommentar zum Thema

(wird nicht veröffentlicht)

max 2.000 Zeichen

Meinung der Woche

Zeitenwende in Deutschland: Das E-Auto kommt

Endlich: Die deutschen Autobauer wachen auf! Wann, wenn nicht jetzt? Sie stecken schließlich in der größten Krise ihrer Geschichte. Vielleicht war der Diesel-Skandal nötig, um die Branche auf Trapp zu bringen. Jetzt sieht es erstmals so aus als könnte aus der Krise eine echte Chance werden.  

Franz Alt
Journalist und Buchautor
www.sonnenseite.com

Umfrage

Der Brexit – gut oder schlecht für Umweltschutz und Energiepolitik in Europa?