Fünf Fakten über Neonicotinoide

Landwirte dürfen bestimmte Neonicotinoide nicht mehr aufs Feld ausbringen. (Bild: ©SCHAU.MEDIA  / pixelio.de)
Landwirte dürfen bestimmte Neonicotinoide nicht mehr aufs Feld ausbringen. (Bild: ©SCHAU.MEDIA / pixelio.de)

Zwischen dem massenhaften Sterben der Bienenvölker und dem Einsatz von Insektiziden aus der Gruppe der Neonicotinoide besteht ein trauriger Zusammenhang. Doch was weiß man über die Substanzen? Fünf Fakten über ein weitverbreitetes Gift.

30.11.2014 – Seit erstem Dezember 2013 ist die Nutzung der drei Neonicotinoide namens Clothianidin, Imidacloprid und Thiametoxam zur Saatgutbehandlung, Bodenanwendung und Blattbehandlung bei Pflanzen nur sehr eingeschränkt erlaubt. Die EU-Kommission hat damit auf Studien reagiert, die zeigten, dass die Wirkstoffe massive Schäden bei Bienenvölkern anrichteten.  Das Verbot soll zwei Jahre lang gelten und dann überprüft werden. Inzwischen gibt es weitere Studien, die belegen, dass das als Pestizid eingesetzte Nervengift auch nützliche Insekten, Vögel und Säugetiere schädigt. Doch was genau sind Neonicotinoide – und was bewirken sie? Die wichtigsten Fakten:

Wirkung hält Jahre

Neonicotinoide sind synthetisch hergestellte Substanzen, die sich an die Rezeptoren der Nervenzellen von Insekten binden und diese dadurch dauerhaft stimulieren. Es kommt zu Störungen der chemischen Signalübertragung. Der ausgelöste Dauerreiz führt zu Krämpfen und schließlich zum Tod der Tiere. Landwirte setzen sie als Beizmittel ein und um Böden oder Blätter zu behandeln. Sie können als Kontakt- oder Fraßgift wirken, denn sie werden gut über die Wurzeln aufgenommen und in die Blätter transportiert. Die Pflanze kann die Substanzen nur schwer abbauen, so dass die Wirkung sehr lange bestehen bleibt. Ahornbäume konnten durch die Injektion von Imidacloprid vier Jahre lang vor Schadinsekten geschützt werden.

Vergiftungen schwer nachweisbar

Die tödliche Dosis für aufgenommenes Imidacloprid und Clothianidin liegt laut Wikipedia bei der Honigbiene bei vier bis fünf Nanogramm pro Individuum. Damit ist sie um den Faktor 10.000  niedriger als beim Insektizid DDT.  Für Wissenschaftler ist es eine Herausforderung, Vergiftungen durch äußerst geringe Wirkstoffmengen bei Tieren wie der Biene, die selber kaum etwas wiegen, nachzuweisen. Dennoch kommen fundierte Studien inzwischen zu einem eindeutigen Ergebnis, beispielsweise jene der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Die wissenschaftliche Arbeit der EFSA im Auftrag der EU-Kommission wurde auch herangezogen, um zu prüfen, ob ein Verbot von Neonicotinoiden in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union notwendig ist.

Neonicotinoide schaden auch Vögeln

Allein im Oberrheingraben kam es 2008 zu einem massiven Bienensterben durch den Wirkstoff Clothianidin, bei dem über 11.000 Völker geschädigt wurden. Der niederländische Populationsdynamiker Caspar Hallmann konnte zudem dieses Jahr gemeinsam mit Kollegen des Sovon-Zentrums für Ornithologie und der Radboud-Universität in Nimwegen nachweisen, dass das Insektengift auch Sperlingsvögel drastisch dezimiert. Denn die Substanzen töten auch Massen an nützliche Insekten, die gar keine Ernteschädlinge sind und von denen sich die Vögel ernähren. Im Mittel berechneten die Forscher, dass die Vogelbestände jährlich um 3,5 Prozent sinken, sobald die Konzentration des Pestizids eine Schwelle im Oberflächenwasser überschreitet.

Wirtschaftliche Bedeutung

Neonicotinoide sind in mehr als 120 Ländern zugelassen. Einem Bericht des Journal of Agricultural and Food Chemistry“ zufolge hatten sie mit einem Umsatz von 1,5 Milliarden Euro im Jahr 2008 einen Anteil von 24 Prozent am globalen Insektizidmarkt. Wirtschaftlich noch bedeutender sind Neonicotinoide auf dem Markt für Beizmittel. Mit ihrer ersten Einführung in den 1990er Jahren ist dieser Markt stark gewachsen, von 155 Millionen Euro im Jahr 1990 auf 957 Millionen Euro im Jahr 2008. Der Umsatz sämtlicher Beizmittel wurde bereits 2008 zu 80 Prozent von Neonicotinoiden dominiert.

Saatgutindustrie lehnt Verbot ab

Branchenvertreter der konventionellen Landwirtschaft und der Pflanzenschutz- und Saatgutindustrie halten das aktuelle und bislang nur zwei Jahre geltende Ausbringverbot der EU-Kommission für überzogen. Syngenta hat hatte im Februar 2013 die Europäische Kommission aufgefordert, ihren Vorschlag zur Nutzungseinschränkung von Neonicotinoiden zurückzunehmen. Dem Unternehmen zufolge hatte der Bericht der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zum Risiko für Bienen fundamentale Fehler. Syngenta stellt verschiedene Produkte her, die das inzwischen verbotene Neonicotinoid Thiametoxam enthalten. rr

   

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