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Kleine Schritte auf dem E-mobilen Markt

Die Berliner Verkehrsbetriebe testen seit September 2015 vier Elektrobusse vom Typ Solaris Urbino electric auf der Linie 204 vom Südkreuz zum Bahnhof Zoo. (Foto: Clemens Weiß)
Die Berliner Verkehrsbetriebe testen seit September 2015 vier Elektrobusse vom Typ Solaris Urbino electric auf der Linie 204 vom Südkreuz zum Bahnhof Zoo. (Foto: Clemens Weiß)

Der weltweite Absatz für Elektroautos und Plug-in-Hybride bleibt im Vergleich zum gesamten Automobilmarkt bescheiden. China hat im vergangenen Jahr den US-amerikanischen Markt überholt, in Europa sind die Niederlande und Norwegen führend im E-mobilen Markt, Deutschlands Marktanteile sind bescheiden.

17.11.2016 – Exakt 3.206.042 PKW wurden im vergangenen Jahr in Deutschland neu zugelassen. Gemessen an dieser Zahl ist der Markt für reine Elektrofahrzeuge bislang noch sehr überschaubar – mit 12.363 Neuzulassungen lag ihr Anteil bei gerade einmal 0,4 Prozent. Rechnet man auch die 11.101 neu auf die Straßen gekommenen Plug-in-Hybride hinzu, ergibt dies einen Marktanteil elektrischer Antriebe von 0,7 Prozent. Ein Wert, der vor allem im internationalen Vergleich Luft nach oben lässt.

Wachsende Märkte und ein Musterbeispiel

Weltweit ist der Absatz von Elektroautos und Plug-in-Hybriden im Jahr 2015 um etwa 75 Prozent auf insgesamt 560.000 Fahrzeuge angestiegen. Größter Treiber dieser Entwicklung ist dabei der chinesische Markt. Mit einer Verdreifachung der Verkaufszahlen gegenüber dem Vorjahr auf ungefähr 207.000 Fahrzeuge überholt China damit den bisherigen Spitzenreiter USA, wo mit 115.000 Einheiten sogar erstmals ein leichter Rückgang zu verzeichnen ist.

Weltweit Nummer drei und größter europäischer Absatzmarkt sind die Niederlande, wo im vergangenen Jahr ganze 43.282 Autos mit Elektroantrieb den Verkaufsraum verließen. Vor allem in Relation zum gesamten Fahrzeugabsatz ist der elektrische Anteil beachtlich, macht er doch 9,6 Prozent aller Neuzulassungen aus. In den absolut betrachtet größten Märkten China und USA liegt dieser mit 1,0 bzw. 0,7 Prozent – genau wie auch in Deutschland – nur im weltweiten Durchschnitt. Die positive Entwicklung in den Niederlanden wird allerdings von einem Land noch deutlich übertroffen: In Norwegen wurden im vergangenen Jahr 34.000 Elektro- und Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge neu zugelassen, was beachtliche 22,4 Prozent Marktanteil bedeutet.

Günstige Rahmenbedingungen schaffen

Doch was unterscheidet Länder wie Norwegen und die Niederlande, aber auch China mit seinen jüngst hohen Zuwächsen, von anderen? Warum liegt auch in Schweden, in Dänemark, in der Schweiz sowie in Frankreich und Großbritannien der Anteil elektrisch angetriebener Fahrzeuge deutlich über dem in Deutschland?

Um diese Frage zu beantworten bietet sich ein Blick auf die jeweiligen Rahmenbedingungen an. Hierbei ist zwischen der Angebots- und der Nachfrageseite zu unterscheiden. Auf der Angebotsseite sind natürlich günstige Bedingungen für Forschung und Entwicklung von Batterietechnik oder Antriebssystemen zu nennen, vor allem aber auch der Aufbau benötigter Ladeinfrastruktur. Forschung und Entwicklung werden dabei nicht nur durch finanzielle Förderung begünstigt. Auch spielen Standorte von Universitäten, Automobilbauern und Zulieferern eine bedeutende Rolle. Auf Nachfrageseite stehen sowohl monetäre als auch nicht monetäre Maßnahmen, die geeignet sind, ein bestimmtes Kaufverhalten zu fördern oder unattraktiv zu machen.

China lenkt politisch

Der massive Anstieg elektrischer Neuzulassungen in China ist in erster Line auf eine Kombination von finanziellen Anreizen und staatlichen Lenkungsprozessen zurückzuführen. In einigen Großstädten werden die Taxi-Flotten auf Elektrofahrzeuge umgestellt. Gleichzeitig soll der Anteil von reinen Elektroautos und Plug-in-Hybriden in behördlichen Flotten in diesem Jahr auf 30 Prozent steigen. Seit 2014 – und bis Ende 2017 – gelten Steuererlässe von 10 Prozent beim Kauf eines Elektroautos. Ergänzend wird eine Kaufprämie von umgerechnet bis zu 13.000 Euro gewährt.

Ein beschleunigendes Moment für die Elektromobilität in China ergibt sich auch aus den Maßnahmen gegen die zum Teil enorme Luftverschmutzung in den Großstädten. Während die Neuzulassung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor zum Teil kontingentiert ist und wie in Peking per Lotterie erfolgt oder wie in Shanghai umgerechnet tausende Euro kostet, gelten für die Zulassung von Elektroautos keine Beschränkungen. Doch das Zusammenspiel der verschiedenen Maßnahmen funktioniert nach Einschätzung der chinesischen Behörden offenbar schon zu gut. Hunderte Start-Ups versuchen, auf dem rasant wachsenden E-Mobilitätsmarkt Fuß zu fassen. Berichten zufolge erwägt die Regierung bereits, die Neugründung von Unternehmen in diesem Bereich zu limitieren.

Vorreiter Kalifornien

In den USA spielt vor allem Kalifornien eine wichtige Rolle in der Verbreitung und Weiterentwicklung der Elektromobilität. Das California Air Resources Board wirkt mit Restriktionen politisch auf die Verbreitung alternativer Antriebstechnologien hin. Schon heute müssen so genannte „Zero Emission Vehicles“ einen bestimmten, im Zeitverlauf wachsenden Mindestanteil an der in Kalifornien verkauften Flotte eines Fahrzeugherstellers haben. Bis zum Jahr 2025 soll dieser Anteil auf 22 Prozent steigen.

Die California Energy Comission fördert zudem seit einigen Jahren mit Millionenbeträgen den Aufbau öffentlicher Ladeinfrastruktur. In der Folge entstand im „Golden State“ eine der weltweit dichtesten Abdeckungen mit Ladestationen. Zusätzlich werden Kaufanreize dadurch geschaffen, dass Besitzer eines Elektro- oder Plug-in-Hybrid-Fahrzeugs in Kalifornien von Kaufprämien bis zu 5.000 US-Dollar profitieren. Weiterhin gelten auf nationaler Ebene Steuererleichterungen von bis zu 7.500 US-Dollar für elektrisch betriebene Autos.

Vom Start-Up bis Großkonzern

Mit Tesla hat auch ein Hersteller von Elektrofahrzeugen seinen Sitz in Kalifornien. Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten, die sich hier vor allem auf Batterietechnologie konzentrieren, sind aber im internationalen Vergleich weniger stark ausgeprägt. Eine lebendige und aktiv unterstützte Start-Up-Szene zeichnet aber für unterschiedlichste nachhaltige Mobilitätslösungen verantwortlich. Einen weiteren Schwerpunkt der Forschungs- und Entwicklungstätigkeit innerhalb der USA bildet Michigan, wo mit Ford und General Motors zwei Großkonzerne mitsamt etablierter Zuliefererindustrie und Forschungseinrichtungen an neuen Elektrofahrzeugen arbeiten. Die Alltagsanwendung der Elektromobilität hinkt hier aber hinterher. Weder sind Elektroautos in nennenswerter Zahl im Straßenbild vertreten, noch existiert eine flächendeckende Ladeinfrastruktur.

Frühe Serienproduktion in Frankreich

In Frankreich, insbesondere in der Region rund um Paris, sind mit dem PSA-Konzern (Citroën und Peugeot) sowie Renault zwei Automobilhersteller zu finden, die bereits in den 1990er Jahren die ersten Elektrofahrzeuge in Serienproduktion auf den Markt brachten. In örtlicher Nähe finden sich auch große Zulieferer wie Valeo, SAFT und Bolloré. Gemeinsam mit Pininfarina hat Bolloré ein elektrisches Leichtfahrzeug entwickelt und ist mit diesem bereits 2011 ins CarSharing-Geschäft eingestiegen.

Inzwischen betreibt das Unternehmen neben Autolib in Paris mit nahezu 4.000 Fahrzeugen auch Angebote in Lyon, Bordeaux und Indianapolis. Mit ungefähr 6.000 Ladestationen zeichnet Bolloré dabei für mehr als die Hälfte der in Frankreich zugänglichen PSLademöglichkeiten verantwortlich. Doch nicht nur das Teilen von Autos boomt. Auch der private Kauf elektrischer Fahrzeuge wird gefördert. Seit Beginn dieses Jahres gibt es beim Tausch eines alten Verbrenners gegen ein neues Elektroauto bis zu 10.000 Euro vom Staat dazu. Die Anschaffung von Plug-in-Hybriden wird mit bis zu 6.500 Euro gefördert.

E-mobile Experimente in Skandinavien

Mit umgerechnet etwas mehr als 4.000 Euro fällt die Kaufprämie in Schweden deutlich geringer aus. Ebenso wie in Deutschland sind neue Elektroautos hier zudem für fünf Jahre von der Kraftfahrzeugsteuer befreit. Aber auch jenseits von PKW-Zulassungen tut sich im Norden etwas in Sachen E-Mobilität: auf einem zwei Kilometer langen Teilabschnitt der E16 Nahe Stockholm entstand die weltweit erste Autobahn mit Oberleitung. Hier erproben Scania und Siemens, wie der elektrifizierte Schwerlastverkehr der Zukunft aussehen könnte.

Das e-mobile Musterland Norwegen befreit Elektrofahrzeuge von der Straßenmaut, vielerorts dürfen sie zudem kostenlos parken. Die bislang erlaubte Nutzung von Busspuren wurde allerdings bereits von einigen Städten wieder zurückgenommen. Eine entscheidende Triebfeder für den aktuell anhaltenden Zulassungsboom dürfte allerdings eher die seit 2012 gültige Befreiung von Mehrwert- und Registrierungssteuer sein.

Nationaler Transportplan mit CO2-Bremse

Ursprünglich waren die Steuerbefreiungen auf ein langfristiges Ziel von 50.000 Elektroautos ausgelegt. Ein Wert, den das Land bereits im April des vergangenen Jahres erreichte. Es folgte eine Debatte über die Fortsetzung der Förderung. Auf Grund der hohen Kosten – nach Schätzungen entgingen dem norwegischen Staatshaushalt allein 2014 umgerechnet knapp 400 Millionen Euro – aber auch vor den Hintergrund einer systematischen Bevorzugung der Käufer luxuriöser Fahrzeuge, bei denen die Registrierungssteuer im Normalfall besonders hoch ausfällt. Vorerst wird die Förderung nun fortgesetzt, die Steuervergünstigungen sollen aber ab 2018 zurückgefahren werden. Danach setzt die Politik auf ein anderes Mittel: der derzeit in Norwegen debattierte „Nationale Transportplan“ sieht vor, dass ab 2025 alle neuen privaten PKW, Busse und leichten Nutzfahrzeuge keine Schadstoffe mehr emittieren dürfen. Unklar ist bislang, ob dies über Strafsteuern oder ein striktes Zulassungsverbot umgesetzt werden soll. Ähnliche Überlegungen gibt es ebenfalls in den Niederlanden.

Förderung als wichtiger Baustein

Was passiert, wenn Förderungen zurückgefahren werden, zeigt das Beispiel Dänemark: im ersten Quartal diesen Jahres brach der Absatz von Elektroautos gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 65 Prozent ein. Ende 2015 war deren vollständige Befreiung von der Zulassungssteuer ausgelaufen. In den nächsten fünf Jahren soll sie kontinuierlich auf das Niveau konventionell angetriebener PKW angepasst werden. Auch in den Niederlanden wird eine in der Vergangenheit erfolgreiche Förderung nun zumindest für Plug-in-Hybride schrittweise zurückgenommen. Gewerblich genutzte Fahrzeuge mit Zulassung bis 2015 wurden mit 7 Prozent des Fahrzeugwertes besteuert – inzwischen hat sich dieser Wert mehr als verdoppelt. Da überrascht es nicht, dass im letzten Monat des vergangenen Jahres die Zulassungen insbesondere von Hybridfahrzeugen mit 23 Prozent Marktanteil kurzzeitig auf norwegische Verhältnisse anstiegen. Doch auch ohne die Steuervergünstigung fördern einige Regionen weiterhin die Anschaffung von Elektroautos und Plug-in-Hybriden mit Kaufprämien. Attraktiv ist, besonders in Ballungsräumen, auch das kostenfreie Parken an Ladestationen. Diese sind deutlich häufiger im Stadtbild zu finden als in Deutschland. Während hier schätzungsweise etwas mehr als 6.000 öffentliche Ladestationen existieren, sind es im kleineren Nachbarland bereits mehr als 12.000.

Eine Energiewende im PKW-Verkehr?

Den entscheidenden Durchbruch in der Verbreitung von Elektrofahrzeugen werden hierzulande wie anderswo wohl weder staatliche Kaufprämien noch Steuererleichterungen bringen. Um für breite Nutzerschichten interessant zu sein, müssen zukünftige Elektroautos vor allem größere Reichweiten als bislang zulassen. Zum Teil auch begünstigt durch Fortschritte in der Batterietechnik zeichnet sich für die kommenden Jahre ein grundlegender Strategiewechsel in der Automobilindustrie ab. Neben Teslas geplantem Volumenmodell Model 3 steht auch bei Volkswagen ein Kompaktfahrzeug mit 400 bis 600 Kilometern Reichweite auf der Agenda.

Weitere Modelle sollen auf derselben Plattform aufbauen. Audi, Mercedes und Porsche planen bei ihren zukünftigen E-Autos ebenfalls mit Energiereserven für 500 Kilometer. BMW hat bereits seit dem Sommer 2016 eine neue Variante des i3 mit 50 Prozent größerer Batteriekapazität und 300 Kilometern Normreichweite im Angebot. Nachdem Nissan die Modellpalette des Leaf im vergangenen Jahr um eine Version mit 250 Kilometern Reichweite nach NEFZ ergänzt hatte, wurden für den 2018 erwarteten Nachfolger 500 Kilometer verkündet.

Emission impossible

Damit aus der weiteren Verbreitung von Elektrofahrzeugen tatsächlich eine Energiewende im Verkehrssektor wird, ist aber in nahezu allen betrachteten Ländern noch ein deutlicher Ausbau der Erneuerbaren Energien notwendig. Allein in Norwegen mit seinem hohen Wasserkraft-Anteil an der Stromerzeugung verringert bereits heute jedes neue Elektroauto signifikant den Schadstoffausstoß. Philip Schwieger

   

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