Stuttgart löst Feinstaubalarm aus

Aufgrund der ungünstigen Lage im Talkessel und des vielen Autoverkehrs werden in Stuttgart sehr regelmäßig die Feinstaub-Grenzwerte überschritten. Mit dem Feinstaubalarm setzt die Stadt nun auf den freiwilligen Verzicht. (Foto: Wiki-observer, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Stuttgart-Untertuerkheim-Wangen-Gaisburg-Neckarhafen-Daimler-Gaskessel-2011.JPG
Aufgrund der ungünstigen Lage im Talkessel und des vielen Autoverkehrs werden in Stuttgart sehr regelmäßig die Feinstaub-Grenzwerte überschritten. Mit dem Feinstaubalarm setzt die Stadt nun auf den freiwilligen Verzicht. (Foto: Wiki-observer, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Stuttgart-Untertuerkheim-Wangen-Gaisburg-Neckarhafen-Daimler-Gaskessel-2011.JPG

Stuttgart hat am Montag erstmals Feinstaubalarm ausgelöst und alle Autofahrer dazu aufgerufen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Fahrgemeinschaften, Fahrrad oder zu Fuß zur Arbeit zu kommen. Die Feinstaubwerte werden seit Jahren massiv überschritten.

19.01.2016 – Feinstaubalarm wird ausgelöst, wenn der Deutsche Wetterdienst (DWD) an mindestens zwei aufeinanderfolgenden Tagen ein stark eingeschränktes Austauschvermögen der Atmosphäre prognostiziert. Dadurch wird in Städten und Tälern der Austausch der durch Verbrennungsprozesse (größtenteils Autoabgase, Kamine, Kohle- und Ölheizungen) stark belasteten Luft erschwert. Wegen seiner Kessellage gehört Stuttgart zu den besonders gefährdeten Städten, die Luftschadstoffe Feinstaub und Stickstoffdioxid stauen sich in Bodennähe und sind eine erhebliche Gesundheitsgefahr.

Zum ersten Mal setzt eine deutsche Stadt damit auf das Werkzeug des Feinstaubalarms, bei dem die Bürger aufgerufen sind, freiwillig etwas gegen die schlechte Luftsituation zu unternehmen. Bis Donnerstag soll der Alarm mindestens dauern, teilte die Stadtverwaltung mit. Fahrverbote gibt es nicht. „Lassen Sie bei Feinstaub-Alarm Ihr Auto stehen. Suchen Sie nach umweltfreundlichen Mobilitätsalternativen. Zum Schutz der Stuttgarter Luft und zum Schutz der eigenen Gesundheit“, rief Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) seine Mitbürger auf.

Massive Überschreitung der Feinstaub-Grenzwerte

445.000 Fahrzeuge sind täglich auf Stuttgarts Straßen unterwegs. Die baden-württembergische Landeshauptstadt gilt als auch als deutsche Feinstaub-Hauptstadt. Regelmäßig werden die Grenzwerte von 50 Mikrogramm Feinstaub (PM10) pro Kubikmeter Luft (µg/m3) überschritten. Die schwachen gesetzlichen Vorgaben lassen eine zwischenzeitliche Überschreitung an 35 Tagen pro Jahr zu. Laut Daten des Umweltbundesamts lagen die Werte am Stuttgarter Neckartor 2014 an 64 Tagen über diesem Wert, 2013 waren es sogar 91 Tage. Der Jahresmittelwert lag 2014 bei 38 µg/m3.

Heftige Kritik am Feinstaubalarm kommt von Umweltverbänden. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sprach von „Placebo-Maßnahmen“ ohne Wirkung und kritisierte die Freiwilligkeit des Feinstaubalarms. Das Problem sei seit vielen Jahren bekannt, die Stadt Stuttgart und die Landesregierung schreckten mit Blick auf die Autoindustrie vor obligatorischen Schritten gegen die gesundheitsschädlichen Emissionen zurück, sagte Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch der Deutschen Presse-Agentur. „Das ist ein Kniefall vor Daimler.“ cw

   

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