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Deutschlands Klimaschutzziel 2020 rückt in weite Ferne

Die Braunkohle-Emissionen sind gegenüber dem Vorjahr im ersten Halbjahr 2017 um 2,3 Millionen Tonnen gestiegen. (Foto: Benita5 / pixabay.com, CC0 Public Domain)
Die Braunkohle-Emissionen sind gegenüber dem Vorjahr im ersten Halbjahr 2017 um 2,3 Millionen Tonnen gestiegen. (Foto: Benita5 / pixabay.com, CC0 Public Domain)

Im ersten Halbjahr 2017 haben die CO2-Emissionen in Deutschland wieder zugenommen, zeigen Zahlen von Agora Energiewende. Ohne ein entsprechendes Sofort­programm droht die Bundes­regierung ihr Klimaschutzziel 2020 deutlich zu verfehlen.

08.08.2017 – Es sieht schlecht aus für das angepeilte Klimaschutzziel der deutschen Bundesregierung für das Jahr 2020. Eigentlich sollen die CO2-Emissionen gegenüber 1990 bis dahin um 40 Prozent verringert werden. Davon ist Deutschland jedoch weit entfernt – aktuell sogar noch weiter, als noch vor einem halben Jahr. Gegenüber dem Vorjahr sind die energiebedingten CO2-Emissionen im ersten Halbjahr 2017 nämlich um knapp fünf Millionen Tonnen auf insgesamt 428 Millionen Tonnen angestiegen. Das ist ein Plus von 1,2 Prozent, zeigen Zahlen von Agora Energiewende und Agora Verkehrswende.

Für das gesamte Jahr 2017 erwarten die beiden Denkfabriken ebenfalls einen Anstieg der CO2-Emissionen. Dies sei vor allem dem Verkehrssektor geschuldet, der in diesem ersten Halbjahr am stärksten zum Emissionsanstieg beigetragen habe. Dieselkraftstoffe hätten ein Absatzplus von 6,5 Prozent verzeichnet, Benzin von 2,5 Prozent und Flugbenzin von knapp 8 Prozent.

„Das zeigt, wie wichtig es ist, endlich auch Klimaschutzpolitik im Verkehr entschlossen zu betreiben“, sagt Christian Hochfeld, Direktor von Agora Verkehrswende. „Wenn eine umfassende Verkehrswende kein Schwerpunkt in der nächsten Legislaturperiode wird, lassen sich Deutschlands ambitionierte Klimaschutzziele nicht erreichen.“

Lücke zum Klimaschutzziel wird nicht kleiner

Bis 2020 sollen die Treibhausgasemissionen eigentlich um 40 Prozent reduziert werden. Im vergangen Jahr betrug die Minderung aber erst 27,6 Prozent und blieb damit deutlich hinter den Erwartungen zurück. „Die Lücke zum Klimaschutzziel von minus 40 Prozent wird nicht kleiner, sondern bleibt bei rund 150 Millionen Tonnen“, sagt Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende. Zur Erreichung des Klimaschutzziels „muss unmittelbar nach der Bundestagswahl ein ‚Sofortprogramm Klimaschutz 2020‘ aufgelegt werden, das für Strom, Wärme und Verkehr schnell wirkende Maßnahmen enthält“, so Graichen.

Während bei den meisten Energieträgern die CO2-Emissionen unterschiedlich stark angestiegen sind, gingen die der Steinkohlenutzung in den letzten Monaten immerhin deutlich zurück. Dies liege vor allem am Ausbau der Erneuerbaren Energien, wodurch einige Steinkohlekraftwerke im ersten Halbjahr 2017 stillgelegt wurden. Allerdings sind gleichzeitig die Emissionen aus Mineralöl um 4,6 Millionen Tonnen CO2 gestiegen, aus Erdgas um 2,9 Millionen Tonnen und aus Braunkohle um 2,3 Millionen Tonnen. jk

   

Forum

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  1. Eitel Heck
    Eitel Heck 08.08.2017, 10:45 Uhr
    Das Klimaschutzziel wird in Deutschland offensichtlich deutlich verfehlt.
    Das geforderte Sofortprogramm zur deutlichen Verringerung der CO2-Emission ist nur sinnvoll, wenn alle Entscheidungsträger und oppositionelle Parteien gewillt sind, alle klimafreundlichen Technologien sowohl zur Stromerzeugung als auch im Verkehr unvoreingenommen zu beurteilen.
    1.Stromerzeugung
    Die Erfüllung der Klimaziele gerät deshalb ins Stocken, da bezahlbare Groß- und Langzeitspeicher als Voraussetzung des weiteren Ausbaus der fluktuierenden Stromproduktion weder zur Vergung stehen, noch in Sicht sind.
    Dieser Realität mit dem praktischen Beispiel der Stromkrise in Südaustralien sollte man sich endlich stellen.
    Ich habe in diesem Portal mehrfach die sichere Technologie ders Dual Fluid Kernreaktors mit enormer ökonomischer Bedeutung zur Erfüllung der Klimaziele und als Alternative zur fluktuierenden Stromerzeugung vorgestellt.
    In Gegenkommentaren wurde mein Beitrag als Hirngespinst bezeichnet.
    Aus einer bekannten Zeitschrift entnehme ich, dass Polen offensichtlich diesen Kernreaktor bauen will.
    Mit Technologiefeindlichkeit werden keine KLimaziele gelöst.
    2.Verkehr
    Die E-Autos mit Lithium-Ionen-Batterien führen in Deutschland noch ein Nischendasein.
    Toyota hat weitweit als erster Autohersteller die Serienproduktion eines Autos mit Wasserstoff-Brennstoffzellen aufgenommen.
    Ich habe in diesem Portal die Hydrazin-Brennstoffzelle als eine klimafreundliche Alternative zu Autos mit fossilen Kraftstoffen und Lithium-Ionen-Batterien vorgestellt.
    Auch zu diesem Vorschlag sollte von der Technologieferindlichkeit zur inhaltlichen Prüfung übergegangen werden.

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