EEG: Gut für Umwelt und Wirtschaft

381.600 Menschen arbeiteten im Jahr 2011 im Bereich Erneuerbaren Energien.
381.600 Menschen arbeiteten im Jahr 2011 im Bereich Erneuerbaren Energien. (Quelle: Agentur für Erneuerbare Energien)

Immer wieder wird betont, die EEG-Umlage komme dem Verbraucher teuer zu stehen. Völlig außer Acht gelassen werden dabei die zahlreichen positiven Aspekte. Denn unter anderem wirkt das EEG wie ein Kunjunkturprogramm - und senkt ganz nebenbei die Börsenstrompreise.

06.09.2010 – Die Erneuerbaren Energien im Kreuzfeuer der Kritik: Sind sie zu teuer? Nicht effizient genug? Mitte Oktober gaben die Übertragungsnetzbetreiber die Erhöhung der EEG-Umlage bekannt. Nicht wenige Stromhändler geben sie an den Verbraucher weiter und haben deswegen im Jahr 2011 rund 3,5 Cent pro kWh für die gesetzlich geregelte Vergütung regenerativ erzeugten Stroms in Rechnung gestellt. Ein willkommener Anlass für viele Skeptiker, ihr altbekanntes Lamento anzustimmen.

Aktuell decken Erneuerbare Energien mehr als 16 Prozent des Strombedarfs. Die Förderung dafür beläuft sich nach Angaben der Netzbetreiber im Jahr 2010 auf etwa 8,2 Mrd. Euro. Eine ausschließliche Betrachtung der Kosten lässt jedoch keine seriöse Bewertung des EEG zu. Björn Klusmann, Geschäftsführer des Bundesverbands Erneuerbare Energie e.V. weist darauf hin, dass jeder in den Ausbau regenerativer Energien investierte Euro schon heute einen hohen volkswirtschaftlichen Nutzen bringt: „Die Erneuerbaren haben allein im Jahr 2009 im Stromsektor versteckte Kosten in Höhe von 5,7 Mrd. Euro vermieden. Auch haben sie in diesem Bereich Brennstoffimporte im Wert von 2,2 Mrd. Euro überflüssig gemacht. Dieses Geld wurde also nicht für Import-Öl aus dem Golf von Mexiko oder für Gas aus Russland ausgegeben, sondern steht für Wertschöpfung der heimischen Industrie und des lokalen Handwerks zur Verfügung.“ Für 2009, als die Differenzkosten zwischen EEG-Förderung und Börsenstrompreis bei 5,3 Mrd. Euro lagen, übertrifft der wirtschaftliche Nutzen die Kosten also um ganze 2,6 Mrd. Euro.

Die dezentrale Ausrichtung der Erneuerbaren Energien wirkt wie ein Konjunkturprogramm. Denn in erster Linie sind es kleine Handwerksbetriebe und mittelständische Unternehmen, die für Errichtung, Betrieb und Wartung der Anlagen sorgen. Die kommunale Wertschöpfung betrug im Jahr 2009 weit über 6 Mrd. Euro. Damit sind die Erneuerbaren Energien auch eine Chance für strukturschwache Räume. Prof. Dr. Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, geht auch in Zukunft von deutlichen Wachstumsimpulsen durch die Förderung Erneuerbarer Energien aus: „Mit einem Umsatzplus von 40 Prozent in den vergangenen drei Jahren ist die Branche eine der wenigen, die trotz Wirtschaftskrise weiter gewachsen ist.“ Mit ihren rund 340.000 Beschäftigen können sich die Erneuerbaren Energien bereits jetzt mit etablierten Industriezweigen wie der Chemie- oder der Metall und Elektroindustrie messen.

Ein weiterer handfester Vorteil: Die Erneuerbaren Energien senken den Börsenstrompreis in einer Größenordnung von 3,6 bis 4 Mrd. Euro – der sogenannte „Merit-Order-Effekt“. Immer wenn viel Wind weht oder die Sonne scheint, wird weniger Strom aus teuren fossilen Kraftwerken abgerufen. Der Preis an der Börse geht zurück, wovon große Stromverbraucher schon heute deutlich profitieren.

„Das EEG ist ein gut funktionierendes und kostengünstiges Förderinstrument, das im internationalen Vergleich sehr gut abschneidet“, bilanziert Dr. Stefan Lechtenböhmer vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie. Verglichen mit den versteckten Kosten der konventionellen Energien nimmt sich die EEG-Umlage zudem äußerst bescheiden aus. Bei 4 Cent pro kWh lag die verdeckte Förderung von Atom- und Kohlestrom 2008, wie das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag von Greenpeace errechnete. Anders als bei den Erneuerbaren Energien ist diese verdeckte Förderung bereits seit vielen Jahrzehnten fällig. Hinzu kommt: Die Kosten für Umweltschäden sowie direkte und indirekte finanzielle Begünstigungen der Energieindustrie sind in der Stromrechnung nicht eingepreist, werden jedoch von Staat und Steuerzahler getragen. Transparenz? Fehlanzeige. Nicht nur in dieser Hinsicht ist das EEG ein voller Gewinn. Tim Loppe

   

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