Die Einfachheit des Modells ist jedoch Segen und Fluch zugleich. Denn sie erleichterte es einem großen Teil der Marktteilnehmer, die Regelung 2011 äußerst frei zu interpretieren: Die im Großhandel angewandte Praxis, die tatsächliche Erzeugung einer EEG-Anlage in ihrem zeitlichen Verlauf von der EEG-Eigenschaft des produzierten Stroms zu trennen, hebelte das eigentliche Ziel der Anpassung des Angebots an den Kundenbedarf – eben die Marktintegration – aus. Stark fluktuierende Windstromerzeugung wurde im Großhandel kurzerhand zu einem ebenso gleichmäßigen wie realitätsfernen Stromband geglättet.

naturstrom-Vorstand Oliver Hummel kann rückblickend nur den Kopf schütteln. „Die Notwendigkeit einer Anpassung der bisherigen Regelung war unter allen Beteiligten unstrittig. Warum die Bedingungen allerdings ohne ersichtlichen Grund so formuliert wurden, dass diese sinnvolle und gut erprobte Option der Marktintegration zu einem absoluten Nischenmarkt schrumpft, ist unverständlich.“ Ab 2012 stehen die Stromhändler vor hohen Hürden.  So wird die Befreiung von der EEG-Umlage auf 2,0 Cent pro kWh gedeckelt. Die Differenz zur EEG-Umlage – im Jahr 2011 wären dies 1,53 Cent – müssen Händler wie naturstrom künftig selbst tragen, wodurch ihre Kosten spürbar steigen. Da der sinkenden Umlagenbefreiung nach wie vor konstante Einkaufspreise für Ökostrom aus kleinen, dezentralen EEG-Anlagen gegenüberstehen, führt die Gesetzesnovelle für all jene Stromhändler, die EEG-Strom an Endkunden vermarkten, zu einer massiven Verschlechterung der Rahmenbedingungen. Zusätzlich zu den bisherigen qualitativen Anforderungen müssen außerdem 20 Prozent des gesamten Stromabsatzes aus fluktuierenden Quellen wie Photovoltaik oder Wind stammen – eine inhaltlich sinnvolle Vorgabe, die naturstrom unterstützt und bereits seit 2009 problemlos erfüllt hätte. Massiv kritisiert wird allerdings, dass die Stromhändler beide Quoten – 50 Prozent aus EEG-Anlagen und 20 Prozent aus fluk-tuierenden Quellen – nicht nur auf das Jahr gerechnet, sondern auch in mindestens acht Mona-ten erfüllen müssen. „Das erschwert den Händlern die Arbeit, ohne einen Mehrwert zu lie-fern“, so Oliver Hummel, „zumal der bisherige Missbrauch im Großhandel schon an anderer Stelle wirksam unterbunden wird.“ Während der Gesetzgeber die Regelung einerseits unnötig verschärft, lässt er andererseits den von naturstrom gemeinsam mit anderen unabhängigen Ökostromanbietern vorgetragenen Vorschlag unberücksichtigt, demzufolge auch die nicht aus EEG-Anlagen bezogenen Strommengen Ökostrom sein sollten, um den Abgabenvorteil nutzen zu können.

   

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  1. Türker Güneysu
    Türker Güneysu 31.05.2015, 12:04 Uhr
    Alles ist falsche Richtung der Energie Minister mus zu mir kommmen dann zeige ich ihm wie Mann Energie produzieren kann ohne Subventionen.

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