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EU-Behörde stuft Glyphosat als nicht krebserregend ein

Ein Landwirt verteilt das umstrittene Pestizid Glyphosat auf seinem Feld. (Foto: 1737576 / pixabay.com, CC0 Public Domain)
Ein Landwirt verteilt das umstrittene Pestizid Glyphosat auf seinem Feld. (Foto: 1737576 / pixabay.com, CC0 Public Domain)

Das Pflanzenschutzmittel Glyphosat ist laut einem neuen Gutachten der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) nicht krebserregend. Allerdings wird der Erfinder des umstrittenen Pestizids Monsanto verdächtigt, Studien gezielt manipuliert zu haben.

18.03.2017 – Glyphosat könne zwar ernsthafte Augenschäden verursachen und langfristig Gewässer vergiften, sei allerdings trotzdem nicht krebserregend, so eine Studie der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA). Damit folgt sie dem Urteil der europäischen Lebensmittelagentur (EFSA). Bereits in den letzten Jahren gab es immer wieder Proteste gegen die Zulassung des hoch umstrittenen Pflanzenschutzmittels. So liefen Bürger, Verbände und Politiker auch im vergangenen Jahr Sturm gegen die Wiederzulassung von Glyphosat – jedoch ohne Erfolg.

Nun gab das Komitee für Risikobewertung (RAC) der ECHA am Mittwoch bekannt, dass die verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht dafür ausreichen würden, Glyphosat als krebserregend, mutagen oder fortpflanzungsschädigend einzustufen. Aktuelle Enthüllungen zu unterschiedlichen Glyphosat-Studien geben jedoch Grund zur Sorge, dass auch das Guthaben der ECHA auf manipulierten Ergebnissen beruhen könnte.

Monsanto soll Studien beeinflusst haben

Zufälligerweise tauchten nämlich fast zeitgleich Hinweise dazu auf, dass das amerikanische Pflanzenschutzmittel- und Saatgutunternehmen Monsanto Studien manipuliert haben könnte, die zur Zulassung von Glyphosat beitrugen. So berichtete die New York Times, dass der Konzern in den letzten Jahren gezielt einzelne Wissenschaftler sowie auch die US-amerikanische Umweltschutzbehörde EPA beeinflusst haben soll.

Glyphosat-Studien wurden demnach als unabhängige Ergebnisse einzelner Wissenschaftler eingestuft, obwohl Monsanto diese mitbearbeitet haben könnte. Die New York Times bezieht sich dabei auf Informationen aus einem Gerichtsverfahren, durch das interne E-Mails zwischen dem Unternehmen und Behörden ans Licht gekommen sind.

Die Grünen prüfen rechtliche Schritte

„Mit ihrem Votum, wonach Glyphosat nicht krebserregend sein soll, hat die Europäische Chemikalienagentur ECHA den weiteren Einsatz von Glyphosat ermöglicht“, bemängelt Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen/EFA-Fraktion im Europaparlament. „Bereits 2015 hatte die Internationale Agentur für Krebsforschung feststellte, dass Glyphosat wahrscheinlich krebserregend für Menschen ist.“

Unabhängige Wissenschaftler könnten allerdings nur dann die betroffenen Studien überprüfen, wenn auch die Grundlage der Entscheidung für Glyphosat durch die EFSA veröffentlicht werde. „Es ist ein Skandal, dass die EFSA die Veröffentlichung entscheidender Dokumente verweigert“, sagt Maria Heubuch, ebenfalls Mitglied der Grünen/EFA im Europäischen Parlament. „Wir werden prüfen, in wieweit wir dagegen beim Europäischen Gerichtshof vorgehen können.“ jk

   

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  1. Roberta
    Roberta 21.03.2017, 01:57 Uhr
    Auch die Süddeutsche berichtet über die Monsanto Ermittlungen:


    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/glyphosat-monsanto-soll-glyphosat-studien-beeinflusst-haben-1.3420577

    Die Beeinflussung war wohl nötig, denn Studien beweisen, dass Glyphosat Leber, Hormone, Nieren und Zellen schädigt:

    http://www.umweltinstitut.org/images/gen/aktionen/Roundup/Studien-Glyphosat.pdf

    Und Belege, dass Monsanto Studien beeinflusst. Prof Helmut Greim hat z.B. in Studien Monsantos Giftstoffe PCB, Dioxin und Glyphosat verharmlost:

    http://www1.wdr.de/daserste/monitor/sendungen/gekaufte-expertise-100.html

    
In der BfR Pestizid Kommission arbeiten 3 der 13 Experten für die Glyphosathersteller Bayer und BASF.
    http://www.bfr.bund.de/de/mitglieder_der_bfr_kommission_fuer_pflanzenschutzmittel_und_ihre_rueckstaende-189320.html


    Auch JMPR und FAO haben Glyphosat verharmlost und erhalten Geld von Monsanto. 

    https://www.testbiotech.org/node/1649

    Ex-Monsanto Präsident Michael R. Taylor ist nun Kommissar bei der US Behörde FDA, die für die Pestizid Zulassung zuständig ist.


    https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_R._Taylor

    Die Bürgerinitiative für ein Verbot von Glyphosat kann diesen Industrielobbyismus noch stoppen:


    https://www.umweltinstitut.org/mitmach-aktionen/europaeische-buergerinitiative-stop-glyphosat.html

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