Ökostrom dämpft Börsenstrompreis

Photovoltaik-Anlage
Photovoltaik-Anlagen produzieren insbesondere mittags viel Strom - genau dann, wenn die Nachfrage nach Strom am größten ist. (Bild: NATURSTROM AG)

Am 1. April 2012 gab es nachmittags trotz hoher Nachfrage an der Börse EEX Strom gratis. Ein Aprilscherz? Mitnichten. Bläst der Wind stark und scheint viel Sonne, dämpft das den Börsenpreis – bisweilen so stark, dass es Strom umsonst gibt. Am 1. April lag der Strompreis um 16 Uhr deswegen bei -0,008 Cent pro Kilowattstunde.

02.05.2012 – Experten kennen das mit steigendem Anteil von Ökostrom im Strom-Mix in Deutschland immer häufiger auftretende Phänomen. Grund ist die sogenannte Merit Order. Diese besagt, dass der Preis für Strom auf dem Spotmarkt durch das jeweils teuerste Kraftwerk bestimmt wird, das noch gebraucht wird, um die Stromnachfrage zu befriedigen. Die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegte vorrangige Einspeisung von Ökostrom sorgt dafür, dass grüne Energie priorisiert zur Deckung der Stromnachfrage eingesetzt werden muss. Gleichzeitig reduziert sich die Nachfrage nach konventionellem Strom entsprechend der eingespeisten Strommenge aus EEG-Anlagen. Entsprechend der Merit-Order werden daher die teuersten fossilen Kraftwerke zur Nachfragedeckung nicht mehr benötigt. Der Preis auf dem Spotmarkt, an dem Kraftwerksbetreiber kurzfristig ihren Strom für den kommenden Tag zum Verkauf anbieten können, sinkt.

Besonders hoch ist die Nachfrage der Verbraucher nach elektrischer Energie in Deutschland gegen Mittag. Dementsprechend war Strom bisher zu dieser Zeit stets am teuersten. Doch insbesondere mittags produzieren Photovoltaikanlagen besonders viel Strom und dämpfen dadurch inzwischen an etlichen Tagen die ehemals typischen Preisspitzen. Wenn aufgrund hoher Sonneneinstrahlung an der Strombörse die Preise mittags stark unter die üblichen Werte zu Peak-Zeit rutschen, ändert sich auch das Einspeiseverhalten von Pumpspeicherkraftwerken.

Normalerweise speichern diese Kraftwerke über Nacht günstigen Kohle- oder Atomstrom, um ihn mittags zu Verbrauchshochzeiten zu hohen Preisen zu verkaufen. Inzwischen speisen Pumpspeicherkraftwerke an manchen Tagen nicht mehr mittags ein, sondern in zwei Phasen morgens und abends. Bisher hatten Betreiber solcher Anlagen den Aufladezyklus auf nachts gelegt, da dann der Strom am günstigsten und die Nachfrage niedrig war. Künftig könnten sie an sonnenstarken Tagen auch mittags billigen Strom speichern, anstatt  zu entladen. Das Verhalten des gesamten Strommarktes verändert sich also mit Zunahme des Ökostromanteils.Während die Strompreise tageweise stark sinken und vereinzelt sogar bis in den Negativbereich fallen, geht die Debatte über die  steigende EEG-Umlage und erhöhte Energiekosten weiter. Bliebe die Frage, wie viel Geld dank des Merit-Order-Effekts eingespart wird – und wer gegebenenfalls profitiert. Einer vom Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (ISI Karlsruhe) für das Bundesumweltministerium erstellten Studie zufolge sorgte er im Jahr 2011 zu einer Absenkung des Börsenstrompreises um gut 0,5 Cent pro Kilowattstunde. Bezogen auf den gesamten deutschen Stromverbrauch ergibt sich hieraus  eine entlastende Wirkung von rund 2,8 Milliarden Euro. Bereits für das Jahr 2009 hatte der Autor der Studie, Dr. Frank Sensfuß, ähnliche Werte ermittelt. Die Ergebnisse ähneln in ihrer Größenordnung jenen einer Reihe anderer Studien, die den Merit-Order-Effekt untersucht haben.

   

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Jürgen Pöschk
Initiator Berliner ENERGIETAGE
Herausgeber des Jahrbuchs „Energieeffizienz in Gebäuden“

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