• Umwelt 
  • Technik 
  • Bundesanstalt verharmlost Fracking in Deutschland

Bundesanstalt verharmlost Fracking in Deutschland

Fracking in Deutschland ist ungefährlich, findet die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe: Das Trinkwasser sei nicht gefährdet, Erdbebengefahr gebe es nicht. (Foto: Emiliano Ortiz, CC BY-NC 2.0, https://www.flickr.com/photos/pelotaamarilla/16215314653/
Fracking in Deutschland ist ungefährlich, findet die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe: Das Trinkwasser sei nicht gefährdet, Erdbebengefahr gebe es nicht. (Foto: Emiliano Ortiz, CC BY-NC 2.0, https://www.flickr.com/photos/pelotaamarilla/16215314653/

Die Bundesanstalt BGR hält in einer neuen Studie Fracking in Deutschland für sicher: Trinkwasser sei nicht gefährdet, Erdbebengefahr gebe es nicht. Die Behörde ignoriert aktuelle Ereignisse und stellt sich gegen Umweltbundesamt und Umweltschützer.

21.01.2016 – Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) gilt als industriefreundlich, in ihrem Kuratorium sitzen neben Wissenschaftlern auch Vertreter von RWE, der größten deutschen Fracking-Firma Wintershall und der Bergbaugewerkschaft IG BCE. Immer wieder gerät die BGR mit dem Umweltbundesamt in Streit, wenn es um die Gefahren und Potenziale von Fracking in Deutschland geht. Deutschlands oberste Umweltschutzbehörde fordert wie Umweltschützer, Wasserversorger, Anwohner und ein Großteil der Bevölkerung den Schutz unseres Grund- und Trinkwassers, sorgt sich um die Verseuchung unserer Böden und vor den Erdbebenfolgen der unkonventionellen Schiefergasförderung.

Die Studie „Schieferöl und Schiefergas in Deutschland – Potenziale und Umweltaspekt“ basiert auf hydrogeologischen Modellierungen der BGR für geologische Formationen in Deutschland, die für eine Schieferöl- oder Schiefergasförderung grundsätzlich in Betracht kommen. Das Ergebnis der Bundesanstalt: „Gefahren für das Grundwasser bestehen bei der Auswahl geeigneter Standorte im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben sowie der Einhaltung des Standes der Technik nicht.“ Der hochgiftige Fracking-Cocktail aus Wasser, Sand und Chemikalien und das zurückfließende Gemisch, das u.a. Gifte wie Quecksilber und Arsen enthält, würden nicht in das Grundwasser aufsteigen, aus dem unser Trinkwasser gewonnen werde. Leerreiche Beispiele aus anderen Ländern wie den USA, wo ganze Fracking-Gemeinden aufgrund des verseuchten Grundwassers nur noch frisches Wasser aus Tankwagen beziehen können, ignoriert die Bundesanstalt.

BGR ignoriert Erdbeben in Niedersachsen, den Niederlanden und USA

Auch beim Thema Erdbeben winken die Geologen aus Hannover ab, obwohl in den USA die massiven Auswirkungen des Frackings sichtbar werden und in Oklahoma täglich die Erde bebt. Die Niederlande haben aufgrund von Erdbeben ihre Gasförderung gedrosselt, NRW hat Fracking gleich ganz verboten. Beispiele aus Niedersachsen, wo Erdbeben direkt während oder nach Erdgas-Förderungen auftraten, werden zwar in der Studie zunächst bestätigt: „Für Erdbeben, die in jüngerer Zeit im Bereich der niedersächsischen Erdgasfelder auftraten, ist laut Untersuchungen von BGR und LBEG (...) ein Zusammenhang zwischen Erdgas-Förderung und Seismizität als ‚wahrscheinlich‘ oder sogar ‚sehr wahrscheinlich‘ einzustufen.“ Für Fracking-Aktivitäten will die BGR aber keine Zusammenhänge festgestellt haben (ab einer Stärke von 2 auf der Richterskala).

Die derzeit förderbare Menge an Erdgas aus Schiefergesteinen beziffert die Bundesanstalt mit 320 bis 2.030 Milliarden Kubikmeter und muss die eigene Prognose aus dem Jahr 2012 weiter nach unten korrigieren. Das Schieferöl-Potenzial beläuft sich auf 13 bis 164 Millionen Tonnen.

Heftige Kritik an der Studie und der Bundesanstalt kommt von Umweltschützern und Politikern: „Ein Blick in die USA zeigt, dass es beim Fracking immer wieder zu unkontrollierten Grundwasserkontaminationen kommt. Auch in Niedersachsen führen uns Zwischenfälle bei der Erdgasförderung reale Umwelt- und Gesundheitsgefahren vor Augen. All diese Risiken blendet die BGR in ihrer Studie einfach aus“, so die grüne Sprecherin für Energiepolitik im Bundestag, Julia Verlinden. „Die vermeintliche Entwarnung bezüglich der Umweltgefahren durch Fracking ist äußerst fahrlässig.“ cw

   

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel

  1. GasGerd
    GasGerd 24.01.2016, 22:35 Uhr
    Nun, Herr Rüter, als Vize des Geothermiesverbands wrden Sie sich aus eigenem Interesse kaum Fracking-kritisch äußern können. Man denke da nur an den Geothermie-Gau von Basel...
    Es ist allerdings sehr bezeichnend, dass in den Stellungnahmen zu Ihrem - sicher völlig ohne jedes Eigeninteresse - verfassten Erdbebenkapitel im UBA2-Gutachten sogar das mehr als fracking-freundliche GFZ auf Distanz geht....
  2. Werner Fehlberg
    Werner Fehlberg 22.01.2016, 20:38 Uhr
    Hier ein paar Fakten zum Fracking:
    Diese Methode ist in den USA entwickelt worden und wird dort intensiv eingesetzt, wird teilweise auch schon in Deutschland eingesetzt, soll aber von der derzeitigen Regierung deutlich forciert werden.
    Aber es hat sich in den USA als auch schon hier in Deutschland gezeigt, dass diese Fördermethode
    • sehr hohe Risiken für die Gesundheit der dort lebenden Menschen,
    • unser Trinkwasser
    • als auch für die Umwelt mit sich bringt.

    In den USA noch viel mehr als hier in Deutschland. Hier einige Beispiele:
    1. in der Botheler Krebsstudie gezeigt, dass eine um 100 % erhöhte Leukämie- bzw. Lymphomrate bei Männern auf dem Gebiet der Samtgemeinde Bothel festgestellt wurde.
    2. Je mehr Erdgasbohrungen im Umfeld, desto höher ist das Risiko für so schwere Erkrankungen unter den Anwohnern, dass diese ins Krankenhaus gehen müssen. Das ist das Ergebnis einer weiteren epidemiologischen Untersuchung, die Forscher in Pennsylvania herausgefunden haben.
    3. "Wir haben Bodenproben untersucht, bei denen die Quecksilber-Werte etwa siebzig Mal so hoch sind wie die Werte in unbelasteten Böden. Diese Werte zeigen eindeutig, dass hier irgendwas beim Betrieb und bei der Kontrolle dieser Anlage nicht in Ordnung ist. Denn ansonsten dürfte es diese Bodenbelastungen nicht geben",
    sagt Umwelttechniker Dr. Heribert Wefers.
    4. Den vor allem bei der Erdgasgewinnung durch Fracking mehren sich Berichte über die Kontamination von Wasser und Böden durch austretende Frackflüssigkeit und aus undichten Bohrlöchern entweichendes Methangas.
    5. Beim Benzol lagen die gemessenen Konzentrationen zwischen 35 und 770.000-fach über den normalen Hintergrundwerten. "Die Belastung, die man in fünf Minuten an einer der Orte in Wyoming bekommt, entspricht der von zwei Jahren Aufenthalt in Los Angeles oder acht Monaten in Peking", erklären die Forscher. Benzol gilt als krebserregend.
  3. Horst Rüter
    Horst Rüter 21.01.2016, 16:38 Uhr
    Die Studie der BGR ist eine wissenschaftlich sorgfältig durchgeführte Studie zu den beiden angesprochenen Themen (Ressourcen und Umwelteinwirkungen). Sie steht in keinerlei Widersprich zu den Studien des Umweltbundesamtes soweit es überlappende Inhalte gibt. Auch das UBA hat Fracking nicht als Risikotechnologie eingestuft. Nur zum Beispiel Erdbeben: In Oklahoma bebt es jeden Tag. Das stimmt, aber eben nicht als Folge von Fracking, das gilt auch für die Niederlande und generell für die Gasförderung in Norddeutschland. Weltweit wurden bei 2-3 Millionen Fracking-Operationen in weniger als 10 Fällen einen Beben so gerade verspürt. Schäden (auch kosmetische) traten keine auf.
    Das UBA hat bisher in keiner Studie den Aufstieg schwerer Wässer aus großen Tiefen untersucht. Alle publizierten geowissenschaftlichen Berechnungen besagen, dass diese Wässer nur einige Zehnermeter aufsteigen können (entgegen der Schwerkraft). Auch Bürgerinitiativen und Spendensammelvereine wie BUND und Nabu können physikalische Gesetze nichteinfach ignorieren. Alle von Ihnen Angeführten emotionalen Bedenken stehen den Ergenissen der BGR Studie nicht entgegen.

Ihr Kommentar zum Thema

(wird nicht veröffentlicht)

max 2.000 Zeichen

Meinung der Woche

Nur gemeinsam stark und sicher: Sonne, Wind und Bioenergie

Es sind oft die zu­ver­lässigen Arbeiter im Hinter­grund, die über­sehen werden. Auch bei der Energie­wende: Kaum jemand spricht von Bio­energie – und wenn, dann will man sie ab­schaffen. Das ist weder realistisch noch zukunfts­weisend, denn die Bio­energie stellt ein Drittel des erneuer­baren Stroms bereit und ist ver­lässlich und speicher­bar.  

Claudius da Costa Gomez
Geschäftsführer
Fachverband Biogas e.V.

Umfrage

Sollte der Ausbau der Windenergie an Land wie von der Bundesregierung geplant gebremst werden bis der Netzausbau hinterherkommt?