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Erster Wasserstoffzug in Niedersachsen getestet

Der Coradia iLint des französischen Herstellers Alstom wird bald das deutsche Schienennetz befahren. (Foto: Frank Paukstat / flickr.com, CC BY-SA 2.0)
Der Coradia iLint des französischen Herstellers Alstom wird bald das deutsche Schienennetz befahren. (Foto: Copyright: Alstom)

Der weltweit erste in Serie gefertigte Zug mit Wasserstoffantrieb hat im Niedersächsischen Salzgitter erfolgreich seine Jungfernfahrt absolviert. Die fortschrittliche Lok kann mit einigen Vorteilen gegenüber konventionellen Diesel-Zügen punkten.

17.03.2017 – Bereits ab Anfang kommenden Jahres wird der in einem charakteristischen Blau gestrichene Coradia iLint des französischen Herstellers Alstom auf Strecken in Norddeutschland und Tschechien pendeln. Der Prototyp soll in Zukunft mit Diesel betriebene Loks von den nicht elektrifizierten Abschnitten des Schienennetzes verbannen und damit auch zur Dekarbonisierung des Verkehrs beitragen, da der Zug durch die Brennstoffzellentechnik das Potenzial hat, emissionsfrei zu fahren. Auch Dänemark, Norwegen und die Niederlande haben nach Angaben des Herstellers bereits Anfragen gestellt. Bis zur endgültigen Zulassung Ende 2017 werden zwei Prototypen auf Strecken in Nord-Niedersachsen getestet.

Die bisherigen Versuche, die Brennstoffzellentechnologie auf die Schiene zu bringen hat zwar einige Prototypen auf der ganzen Welt hervorgebracht, jedoch litten diese Modelle stets an Kinderkrankheiten. Zu geringe Reichweite oder niedrige Höchstgeschwindigkeiten haben die Technologie auf der Schiene bislang zu einem Nischendasein verdammt. Auch die nicht vorhandene Infrastruktur zur Betankung der Züge hat die Etablierung vergleichbarer Modelle bislang verhindert. Dieses Problem hat die neue Technologie nicht. Alstom hat bereits erklärt, ebenfalls die Anlagen für die Betankung der Züge aufzubauen und zu betreiben. Die Brennstoffzellen befinden sich beim Coradia iLint auf dem Zugdach und erzeugen durch den Kontakt mit Sauerstoff aus der Umgebungsluft Elektrizität für den Zugantrieb. Überschüssige Energie aus diesem Prozess wird in Lithium-Ionen-Akkus im Zugboden gespeist und zur Versorgung von Bordsystemen sowie zur Beschleunigung genutzt. Der französische Konzern gibt für das neue Modell Reichweiten von bis zu 800 Kilometern an bei rund 140 Kilometern pro Stunde Spitzengeschwindigkeit – vergleichbar mit der Leistung moderner Dieselloks.

Einige Vorteile gegenüber Dieselloks

Hier hören die Gemeinsamkeiten mit seinen konventionellen Verwandten dann auch auf. Große Vorteile sehen die Entwickler in dem neuen Zug in der Emissionsarmut. Der nahezu lautlose Elektromotor verringert den Umgebungslärm, zu hören sind lediglich noch das Abrollgeräusch der Räder und der Luftwiderstand während der Fahrt. Damit der neue Hoffnungsträger des schadstofffreien Schienenverkehrs sein volles Potenzial ausschöpfen und CO2-neutral fahren kann, ist es nötig, dass der eingesetzte Wasserstoff durch Erneuerbare Energien hergestellt wird.

Dem NDR gegenüber betonte der BUND, wie wichtig die Wasserstofferzeugung durch Erneuerbare sei. Die Energiebilanz der neuen Zugtechnik sei davon abhängig, wie klimafreundlich der Brennstoff produziert werde, so Friedhart Knolle, der Sprecher des BUND Niedersachsen. Die Erzeugung von Wasserstoff aus Erdgas oder Ethanol komme dafür nicht in Frage.

Flüssiger Wasserstoff ist in der Natur nur selten zu finden und wird daher in einer großen Bandbreite chemischer Verfahren künstlich hergestellt. Die Herstellung von Wasserstoff durch Power-to-Gas-Anlagen wird zurzeit erprobt, weitere Anlagen werden in Deutschland gebaut. Überschüssiger Strom kann auf diese Weise sinnvoll genutzt und in speicherbaren Wasserstoff umgewandelt werden. Dabei handelt es sich im Idealfall um Strom aus Windkraft- oder Solaranlagen wenn der Wind viel weht oder die Sonne kräftig scheint, allerdings muss zukünftig der Wirkungsgrad besser werden. In jedem Fall ist das Verfahren ein wichtiges Instrument zur Sektorenkopplung von Strom- und Verkehrsbereich. bm

   

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Journalist und Buchautor
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