Die 2000-Watt-Gesellschaft

Das nachhaltige Bibliotheksgebäude an der ETH Lausanne.
Das nachhaltige Bibliotheksgebäude an der ETH Lausanne. (Quelle: Hisao Suzuki)

Die 2000-Watt-Gesellschaft ist ein energiepolitisches Modell, gemäß dessen der Energiebedarf jedes Erdenbewohners einer durchschnittlichen Leistung von 2.000 Watt entsprechen sollte. Der Energie- und Ressourcenverbrauch soll kulturell verankert werden. Eine Utopie?

01.11.2011 – Das nachhaltige Energieverbrauchsmodell soll nicht nur den jährlichen Ausstoß von Treibhausgasen senken.– das Modell strebt einen Ausgleich zwischen Industrie- und Entwicklungsländern an. Entwickelt wurde die Vision für eine klimafreundliche Energiezukunft im Rahmen des Programms Novatlantis an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich ETHZ. Etwa 17.500 Kilowattstunden pro Jahr braucht der Mensch im globalen Mittel. Das entspricht einer kontinuierlichen Leistung von 2.000 Watt. 2006 lag der durchschnittliche Energiebedarf weltweit auf dem Niveau von 2.000 Watt, dabei sind die Unterschiede zwischen den Ländern enorm: Während in Westeuropa im Durchschnitt etwa 6.000 Watt verbraucht werden, liegt der Wert in den USA bei bis zu 12.000 Watt, in den Entwicklungsländern sind es gerade mal ein paar hundert Watt.

Die Schweiz ist heute eine 6.500-Watt-Gesellschaft, die rund neun Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr ausstößt. Von den 6.500 Watt entfallen rund 60 Prozent auf fossile Energien, v.a. Erdöl- und Erdgasprodukte, je 20 Prozent stammen aus nuklearen und erneuerbaren Energiequellen, in der Schweiz fast ausschließlich Wasserkraft. Nicht enthalten in den Zahlen ist die in den Importgütern enthaltene Energie.

Nach dem 2000-Watt-Modell sollen 500 Watt pro Kopf aus fossilen Energien und zusätzliche 1.500 Watt pro Kopf aus Erneuerbaren Energien stammen. Mit den heute zur Verfügung stehenden Mitteln ist es laut Experten der ETHZ möglich, den individuellen Energiebedarf ohne große Komforteinbußen auf rund 3.500 Watt zu senken. Neben einem angemessenen Konsumverhalten (z. B. „nutzen statt besitzen“) braucht es jedoch eine Auswahl an Produkten, die energieeffizient her- und bereitgestellt werden.

Unter dem Label Energiestadt haben sich über 200 Städte und 430 Mitgliedsgemeinden in der Schweiz zum Energiesparen verpflichtet – sie reduzieren seit 1999 den CO2-Ausstoß jährlich um rund 87.000 Tonnen und den Verbrauch von Brenn- und Treibstoffen um 34 Millionen Liter. Die Einsparungen von 80 Mio. Kilowattstunden Strom pro Jahr entsprechen dem Bedarf einer mittelgroßen Stadt. Der Gebäudestandard  ist ein Beispiel für die engagierte Eigenverpflichtung der Städte: das Programm fordert für öffentliche Bauten bei Neubauten den Minergie-Eco-Standard; mind. 40 Prozent des Heizwärmebedarfs müssen aus Erneuerbaren Energien gedeckt werden; Haushalts- und Bürogeräte sollen hocheffizient, Baumaterialien ökologisch und gesundheitlich unbedenklich sein.

Wie hoch das Effizienz- und Substitutionspotenzial tatsächlich ist, haben Forscher aus dem ETH-Bereich im „Weißbuch der 2000-Watt-Gesellschaft“ nachgewiesen. Wenn die jeweils besten verfügbaren Technologien eingesetzt und die politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen optimiert werden, ist eine Steigerung der Energieeffizienz machbar: Unter Verwendung heute bekannter Techniken könnten zwei Drittel mehr Energiedienstleistungen mit einem Drittel der konsumierten Energie produziert und betrieben werden. Nicole Allé

Interview mit Novatlantis

   

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