Die Angst vor der Dunkelflaute

Eingefrorene Photovoltaik-Module im dichten Nebel. (Foto: Roger Davies  / Geograph.org.uk , CC BY-SA 2.0)
Eingefrorene Photovoltaik-Module im dichten Nebel. (Foto: Roger Davies / Geograph.org.uk , CC BY-SA 2.0)

Im Januar produzierten die Erneuerbaren Energien deutlich weniger Strom als üblich. Für Vertreter der fossilen Energiebranche ist das Grund genug, vor zukünftigen Versorgungslücken zu warnen. Doch die hohen Stromexporte sprechen eine andere Sprache.

09.02.2017 – Während der dunklen Wintermonate gibt es immer wieder längere Zeitspannen, in denen die Sonneneinstrahlung nur sehr gering ausfällt. Bleibt dann auch noch der Wind aus, wird dieser Zustand in der Energiewirtschaft als Dunkelflaute bezeichnet. Im Januar gab es laut einem Bericht der „Welt“ gleich mehrere davon. Zwischen dem 16. und dem 26. Januar konnte in Deutschland durch eine anhaltende Windstille und zähen Nebel besonders wenig Strom aus Erneuerbaren produziert werden, zeigen Daten von Agora Energiewende:

Stromerzeugung und –verbrauch im Januar (Quelle: Agora Energiewende)

Am 24. Januar erreichte die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien dann ihr Monatsminimum: Nur 13,3 Prozent der gesamten Nettoerzeugung von Kraftwerken stammte aus regenerativen Quellen. Mit knapp 75 Gigawatt war der deutsche Stromverbrauch um 18 Uhr am höchsten und musste zu 90 Prozent aus konventionellen Kraftwerken gedeckt werden.

Stromerzeugung und –verbrauch am 24. Januar (Quelle: Agora Energiewende)

Für den Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) Stefan Kapferer ist dies Grund genug, gegenüber der „Welt“ Alarm zu schlagen. Konventionelle Kraftwerke seien auch weiterhin zwingend erforderlich, um den volatilen Erneuerbaren jederzeit Herr werden zu können.

Führt die Energiewende zu Versorgungslücken?

Laut Kapferer sei es der plötzliche Boom von Windenergie- und Photovoltaik-Anlagen, der herkömmliche Kraftwerke immer stärker verdränge. So seien laut dem Bericht der „Welt“ in den letzten fünf Jahren fossile Stromerzeuger mit einer Leistung von mehr als zwölf Gigawatt stillgelegt worden. Daher ist nun die Sorge umso größer, dass ungeachtet möglicher Netzengpässe weitere Kraftwerke aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen werden.

Doch die Angst, dass aus Dunkelflauten auch tatsächlich ernsthafte Versorgungsengpässe entstehen könnten, ist unbegründet. Schließlich genehmigt die Bundesnetzagentur Kraftwerksstilllegungen nur dann, wenn es dadurch nicht zu Engpässen kommen kann. Trotz einer zunehmend volatilen Stromerzeugung durch Erneuerbare ist die Versorgung auch an den wenigen Dunkelflaute-Tagen im Jahr gesichert, da der fehlende Ökostrom beispielsweise durch Gaskraftwerke kurzfristig ausgeglichen werden kann, berichtet „Spiegel Online“.

Stromexporte trotz Dunkelflaute

Strom-Export am 24. Januar (Quelle: Agora Energiewende)

So blieb in Deutschland selbst am 24. Januar das Strom-Export-Saldo den ganzen Tag über positiv – auch in den Abendstunden. Während Länder wie Frankreich, Österreich oder die Schweiz in diesen Tagen unterm Strich permanent große Strommengen importieren mussten, konnte sich die Bundesrepublik sehr gut selbst versorgen. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn auch derartige Wintertage durch entsprechende Speicher sowie höhere Erzeugungs-Anteile von Wasserkraft- und Biomasse-Anlagen ohne fossile Energieträger abgedeckt werden könnten.

In den kommenden Jahren wird die Problematik in Deutschland zunehmend für Gesprächsstoff sorgen, da dann die letzten Atomkraftwerke abgeschaltet werden müssen. Auch wenn der Ausbau der Erneuerbaren bereits ein akzeptables Niveau erreicht hat, müssen zukünftig Strategien entwickelt werden, wie solch starke Dunkelflauten überwunden werden können, ohne auf fossile Energieträger zurückgreifen zu müssen. jk

   

Forum

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  1. klaus müller
    klaus müller 01.03.2017, 10:24 Uhr
    Lustig, wie jeden Winter das Thema nochmal kommt. Habe das Thema schon letzten Frühling einmal besprochen http://www.beegy.com/2016/05/versorgungssicherheit-auch-bei-dunkelflaute/

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