Emissionshandel in Deutschland nahezu wirkungslos

Bezogen auf die relative Emissionsminderung liegt Deutschland gegenüber dem Jahr 2005 im zehnten Jahr in Folge deutlich unter dem EU Durchschnitt. (Foto: nikolabelopitov / pixabay.com, CC0 Public Domain)
Bezogen auf die relative Emissionsminderung liegt Deutschland gegenüber dem Jahr 2005 im zehnten Jahr in Folge deutlich unter dem EU Durchschnitt. (Foto: nikolabelopitov / pixabay.com, CC0 Public Domain)

Im Jahr 2016 sind nicht nur die Emissionen der deutschen Industrie praktisch unverändert geblieben, auch die Energiewirtschaft emittierte fast genauso viel wie im Vorjahr. Nach wie vor lahmt der EU-Emissionshandel an seinem Zertifikate Überschuss.

13.04.2017 – Aufgrund fast unveränderter Emissionswerte der Industrie und der Energiewirtschaft fiel der Rückgang von Emissionen in Deutschland erneut sehr gering aus, teilte das Umweltbundesamt (UBA) mit. Im Jahr 2016 emittierten die etwa 1.900 stationären Anlagen im Emissionshandel über 450 Millionen Tonnen Kohlendioxidäquivalente – also nur 0,6 Prozent weniger als 2015. Die EU-weite durchschnittliche Verringerung schätzen Experten dagegen auf immerhin 2,4 bis 2,8 Prozent. „Deutschland liegt damit auch bezogen auf die relative Minderung gegenüber dem Jahr 2005 im zehnten Jahr in Folge deutlich unter dem EU Durchschnitt“, sagt Maria Krautzberger, die Präsidentin des UBA.

Dabei ist diese Entwicklung nicht nur auf die gute wirtschaftliche Situation Deutschlands zurückzuführen, die aufgrund einer gesteigerten Industrieproduktion auch zu einem Anstieg der Emissionen geführt hat. Auch spielen die Emissionen der Europäischen Union eine Rolle, die im vergangenen Jahr jedoch vor allem durch einmalige Phänomene und Trends gesunken sind. Zum Beispiel war in Spanien der Wasserkraftanteil an der Energieerzeugung 2016 höher als in den Vorjahren. In Großbritannien wurde dagegen bei der Energieerzeugung viel Kohle durch Gas ersetzt.

Zertifikate Überschuss könnte weiter anwachsen

Aufgrund des EU-weiten Rückgangs der Emissionen befürchtet das UBA nun eine Vergrößerung des Zertifikate Überschusses im europäischen Emissionshandel. Seit 2013 habe das jährliche Budget die Emissionen überstiegen. „Dies verdeutlicht die Notwendigkeit einer ambitionierten Reform des EU-ETS“, sagt Krautzberger. Dabei komme der Stärkung der Marktstabilitätsreserve eine Schlüsselrolle zu. In den nächsten Monaten wird die Emissionshandelsrichtlinie für die im Jahr 2021 beginnende vierte Handelsperiode überarbeitet.

Damit konnten die nur geringfügig gesunkenen Emissionen im Emissionshandel auch nicht den hohen Anstieg der Luftverschmutzung im Verkehrsbereich ausgleichen. Dort wurden im vergangen Jahr 5,4 Tonnen mehr Treibhausgase freigesetzt als noch 2015, ein Plus von 3,4 Prozent. Den Anstieg begründet das UBA mit einer Zunahme des Diesel-Verbrauchs sowie einem Wachstum des Straßengüterverkehrs um 2,8 Prozent. jk

   

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Jürgen Pöschk
Initiator Berliner ENERGIETAGE
Herausgeber des Jahrbuchs „Energieeffizienz in Gebäuden“

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