Energiewende kann Braunkohle-Jobs vollständig ersetzen

Arbeiter in der Kohleindustrie. Der Ausbau Erneuerbarer Energien bietet ausreichend Potential, um die Arbeitsplätze in Braunkohlegebieten in unterschiedlichen Bundesländern vollständig zu ersetzen. (Foto: hangela / pixabay.com, CC0 Public Domain)
Arbeiter in der Kohleindustrie. Der Ausbau Erneuerbarer Energien bietet ausreichend Potential, um die Arbeitsplätze in Braunkohlegebieten in unterschiedlichen Bundesländern vollständig zu ersetzen. (Foto: hangela / pixabay.com, CC0 Public Domain)

Die Zeichen für einen Strukturwandel stehen gut: Der Ausbau Erneuerbarer Energien bietet ausreichend Potential, um die Arbeitsplätze in Braunkohlegebieten in unterschiedlichen Bundesländern vollständig zu ersetzen, zeigt eine aktuelle Studie des IÖW.

29.05.2017 – Im Zusammenhang mit einem Ausstieg aus der Kohleenergie wird oft die Sorge geäußert, dass dies zahlreiche Arbeitsplätze in Gefahr bringen kann. Bundesländer wie Brandenburg, Sachsen und Nordrhein-Westfalen seien nach wie vor strukturell stark von der Kohleindustrie abhängig. Oftmals wird dabei jedoch vergessen, dass auch eine Energiewende neue Jobs mit sich bringt und gerade im Bereich der Wind- und Solarenergie viele Arbeitsplätze schafft. Im Auftrag von Greenpeace Energy hat das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) daher nun untersucht, wie und wo die Kohle-Arbeitsplätze ersetzt werden können.

Das Ergebnis: Das Potential der Energiewende ist groß genug, um die Braunkohle-Jobs in Brandenburg, Sachsen und Nordrhein-Westfalen vollständig ersetzen zu können. Im Lausitzer Revier müssten laut dem IÖW rund 3.900 Jobs ersetzt werden, im Rheinischen Revier seien es sogar 4.500 Arbeitsplätze. Alleine durch den Ausbau der Erneuerbaren sei dies jedoch laut den Wissenschaftlern möglich.

Regionale Effekte in Tagebaurevieren

Untersucht wurde auch, wie hoch die Wertschöpfungs- und Arbeitsplatzeffekte durch den Ausbau von Wind- und Solarenergie direkt in den Tagebaurevieren ausfallen. „Es macht einen großen Unterschied, wie man diesen Ausbau angeht“, sagt Bernd Hirschl vom IÖW. „Wenn er durch regional verwurzelte Akteure und im Bürgerenergie-Rahmen vorangetrieben wird, entstehen durch den Ausbau von Windenergie und Photovoltaik besonders viele Arbeitsplätze vor Ort.“

Dabei wäre es auch interessant gewesen, einen tieferen Einblick in eine damit eng verbundene Thematik zu erhalten. Fallen in der Braunkohleindustrie erst einmal die entsprechenden Arbeitsplätze weg, sollte den betroffenen Arbeitnehmern auch eine Perspektive in der Erneuerbaren-Branche ermöglicht werden. Dafür braucht es eine Strategie, die auch von der Wind- und Solarindustrie mitgetragen und -entwickelt werden muss.

So sorgte der chinesische Windturbinenhersteller Goldwind in den letzten Tagen für Schlagzeilen, weil er US-amerikanischen Kohleminenarbeitern ein kostenloses Umschulungsprogramm anbietet, durch das sie in die Windindustrie wechseln können. Gegenüber der New York Times bezeichnete David Halligan, Geschäftsführer von Goldwind Americas, diesen Plan als eine Win-win-Situation, bei der sowohl das Unternehmen als auch die Bevölkerung vor Ort profitieren. jk

   

Forum

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  1. Joschua Katz
    Joschua Katz 30.05.2017, 13:54 Uhr
    Hallo Herr Michel,

    vielen Dank für Ihre Anmerkung, der ich aber nur teilweise zustimmen kann.

    Zu Ihrem ersten Punkt, zitiere ich vielleicht kurz die PM vom IÖW: "Der Ausbau erneuerbarer Energien bietet ausreichendes Potenzial, um die Braunkohlearbeitsplätze in den Bundesländern Brandenburg, Sachsen und Nordrhein-Westfalen vollständig zu ersetzen. Dies belegt eine neue Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) im Auftrag von Greenpeace Energy."

    Meines Erachtens hat die Vollständigkeit der Datengrundlage auch nicht zwingend etwas mit der statistischen Exaktheit einer Prognose zu tun. Vor allem bezieht sich die "nicht ausreichende Datengrundlage" nur auf die Lausitz. In den anderen Region waren die Daten in der Tat ausreichend.

    Ich stimme Ihnen aber zu, dass nur die direkten Arbeitsplätze betroffen sind. Vermutlich hätte es den Rahmen der Studie gesprengt, auch diese noch mit einzubeziehen. Hierbei wäre es ja sehr schwierig, die genaue Anzahl einzuschätzen. Wie Sie vielleicht wissen, schwanken deshalb auch in der Wissenschaft die Schätzungen darüber.

    Mit besten Grüßen
    Joschua Katz / Redaktion
  2. Jeffrey Michel
    Jeffrey Michel 30.05.2017, 13:14 Uhr
    Während in der Überschrift unterstellt wird, dass die Energiewende die genannten Braunkohle-Jobs vollständig ersetzen kann, wird in der Studie die fehlende Vollständigkeit der verwendeten Datengrundlage eingestanden.

    Indirekte Arbeitsplätze werden offenbar nicht berücksichtigt, die jedoch in der gängigen Argumentation der Landesregierungen die Direktbeschäftigten um den Faktor 1,5 - 2 übertreffen. Sollte nun auch die Zahl der Direktbeschäftigten bis 2030 halbiert werden, dürften viele der zuvor freigestellten Mitarbeiter entweder (1) sich die besten Jobs beim regionalen Ausbau der erneuerbaren Energien aussuchen oder aber (2) wegen mangelnder Erwerbsperspektiven bereits abgewandert sein, bis die Braunkohleverstromung gänzlich eingestellt wird. Die entsprechenden Abläufe sollten daher noch eingehend erläutert werden.

    Die auf S. 9 ausgewiesene direkte regionale Wertschöpfung scheint zudem, auf einem bedeutend niedrigeren Niveau im Vergleich zur bisherigen Braunkohleverstromung zu liegen. Der auf S. 23 unterstellte fünffache Ausbau der Windkraftkapazitäten im Rheinland bis 2030 ist angesichts der bisherigen Zurückhaltung in diesen Bereich eine gewagte Prognose.

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