Kohle- und Atomkraftwerke verstopfen Stromnetze

Viele konventionelle Kraftwerke reagieren nur eingeschränkt auf Börsenstrompreise. Weil sie weiterlaufen, müssen Ökostromanlagen abgeschaltet werden – trotz Einspeisevorrangs. (Foto: pixabay, CC0 1.0)
Viele konventionelle Kraftwerke reagieren nur eingeschränkt auf Börsenstrompreise. Weil sie weiterlaufen, müssen Ökostromanlagen abgeschaltet werden – trotz Einspeisevorrangs. (Foto: pixabay, CC0 1.0)

Immer häufiger verstopfen Kohle- und Atomkraftwerke die Stromnetze, während Windräder abgeschaltet werden. Das zeigt der neue Bundesnetzagentur-Bericht. Dabei ist die Behörde dafür zuständig, den Einspeisevorrang der Erneuerbaren durchzusetzen.

13.04.2017 – „Etwa ein Viertel der in Deutschland in der Spitze einspeisenden Kraftwerksleistung reagiert nicht oder nur eingeschränkt auf Preise am Strommarkt. Nur ein geringer Teil dieser Erzeugung ist netztechnisch erforderliche Mindesterzeugung“, erläuterte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, etwas kryptisch die Ergebnisse des neuen Berichts seiner Behörde. Dabei lassen sich die Ergebnisse auch einfacher zusammenfassen: Vor allem träge Atom- und Braunkohlekraftwerke werden bei großen Überkapazitäten und negativen Strompreisen nicht abgeschaltet, obwohl nur ein sehr geringer Teil von ihnen für die Netzstabilität wichtig ist. Stattdessen müssen Ökostromanlagen, vor allem Windräder, abgeregelt werden.

Das Brisante: Der Einspeisevorrang für Erneuerbare Energien sollte genau das verhindern und dafür sorgen, dass mehr Ökostrom ins Netz kommt und die Treibhausgasemissionen Deutschlands sinken. Das geht aber immer öfter gründlich schief, wie die seit Jahren kaum sinkenden Emissionen aus dem Energiesektor zeigen. Die Bundesnetzagentur wird als zuständige Behörde dennoch nicht aktiv, stattdessen gibt es Berichte.

Konventionelle Kraftwerke sind zu unflexibel

Auf den ersten Blick wirkt das Handeln der AKW- und Kohlekraftwerksbetreiber wenig logisch, bei großen Überkapazitäten verdienen sie mit dem Strom der Kraftwerke kaum Geld oder müssen oftmals sogar draufzahlen, damit sie diesen loswerden. Die Bundesnetzagentur setzt zunächst also auf den Markt, schreibt aber gleichzeitig, dass dieser offenbar nicht wirkt. Grund ist vor allem die technisch fehlende Flexibilität der konventionellen Kraftwerke, die nicht innerhalb weniger Stunden herunter und anschließend wieder heraufgefahren werden können. Zudem erzeugen einige Kraftwerke nicht nur Strom, sondern auch Wärme und müssen für diese Lieferung Verträge einhalten.

„Leider macht die Bundesnetzagentur keine Vorschläge, wie der gesetzliche Einspeisevorrang Erneuerbarer Energie gegenüber konventioneller Erzeugung in der Praxis durchgedrückt werden kann“, beklagt der Bundesverband Erneuerbare Energie die Vorgehensweise der Behörde. Stattdessen soll es 2019 erst einmal einen weiteren Monitoringbericht geben. cw

   

Forum

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  1. Eitel Heck
    Eitel Heck 18.04.2017, 15:44 Uhr
    @Paul Wimmer
    Ich hatte bereits informiert, dass die Kernreaktoren der 4.Generation in einer Zusammenarbeit von 12 Industriestaaten entwickelt werden.
    Deutschland gehört nicht zu diesem Kreis.
    Zum Dual Fluid Reaktor gibt es ein patentiertes Konzept.
    Es sind jedoch noch Entwicklungsarbeien und Investitionen erforderlich, für die Fördergelder benötigt werden.
    Das institut für Festkörper- und Kernphysik schätzt ein, dass bei Bereitstellung von Fördergeldern eine Produktionsreife dieses Reaktors in 10 Jahren realisierbar ist.
    Die Bundestagsfraktionen von Bündnis90/Die Grünen und die Linksfraktion lehnen jede Form der Kernenergie ab.
    Von den Bundestagsfraktionen der CDU/CSU und der SPD liegen mir noch keine endgültige Antworten zur Bereitstellung von Fördergeldern zum Dual Fluid Reaktor vor.
    Deutschland ist ein rohstoffarmes Land und hat seinen Wohlstand in erster Linie durch Innovation erreicht.
    In der Vergangenheit gab es bereits Ablehnungen von innovativen Technologien, die in anderen Ländern genutzt werden.
    Beispiele:
    -Magnetschwebebahn, eine deutsche Entwicklung, ist erfolgreich in China im Verkehrssystem integriert.
    -Gentechnik zur Ertragssteigerung in der Landwirtschaft wird seit ca.20 Jahren erfolgreich in den USA angewandt.
    Millionen Menschen verhungern jährlich weltweit.
    Zur Lösung dieses Problems ist die Gentechnik sehr wichtig.
    -Fracking-Technologie zur Erdgas- und Erdölförderung wird seit
    fast 20 Jahren in den USA angewandt.

    Ich hoffe, dass bei neuen, umweltfreundlichen und effizienten Kernreaktoren ein Umdenken in Deutschland stattfindet.
    Wenn die Kohlekraftwerke abgeschaltet werden, kann der Rohstoff Kohle in Deutschland nicht mehr genutzt werden.
    Für effiziente Gaskraftwerke wird Erdgas benötigt, das importiert werden muss.
    Die Erdgasförderung in Deutschland durch die Fracking-Technologie ist sicherlich möglich. Aber die konventionelle Anwendung dieser Technologie in Deutschland ist verboten. .
  2. Windmüller
    Windmüller 18.04.2017, 14:44 Uhr
    Eitel Heck - Sie können uns doch sicher aufschlauen, wo es bereits Dual Fluid Reaktoren gibt, welche Leistung sie haben, und welche Stromgestehungskosten ???
  3. Eitel Heck
    Eitel Heck 18.04.2017, 14:19 Uhr
    @Paul Wimmer
    Ich bin Diplom-Chemiker mit einem langen Arbeitsleben in der chemischen Industie und verfüge über eine gewisse Fachkompetenz auch für Verfahren der Energieerzeugung.
    Natürlich sind viele chemische Verfahren, aber auch die neuentwickelten Kernreaktoren mit einem Risiko behaftet.
    Wichtig ist, dass das Risiko beherrschbar ist und zu keiner Katastrophe führt.
    Bei den gegenwärtigen Kernkraftwerke mit Druckwasserreaktoren ist im ungünstigen Fall(Erdbeben in Japan, menschliches Versagen in Tschernobyl) eine nukleare Katastrohe durch atomare Kettenreaktionen, ausgelöst durch überschüssige Neutronen, die unkontrollierte weitere atomare Spaltprozesse mit ungeheurer Energiefreisetzung bewirken.
    Solche unkontrollierte Kettenreaktionen sind bei Kernreaktoren der 4. Generation, beispielsweise dem Dual Fluid Rreaktor mit deutschem Patent, nicht möglich, da sie flüssiges Blei als Kühlmittel verwenden.
    Das Blei verhindert die unkontrollierten atomaren Spaltprozesse durch Neutronen.
    Bei der Kernreaktoren der 4.Generation kann ein großer Teil des atomaren Mülls der gegenwärtigen Atommülls, darunter abgereichertes Uran 238 wieder zur Stromerzeugung eingesetzt werden.
    Dieser atomare Müll müsste ansonsten vollständig in geologischen Endlagern entsorgt werden.
    Beim Dual Fluid Reaktor, der auch einen Teil das gegenwärtigen atomaren Mülls zur Energiegewinnung einsetzen kann, entsteht eine relativ kleine Menge atomarer Müll, der im Kraftwerk gelagert bzw.entsorgt wird ohne dass ein geologisches Endlager notwendig ist.
    Der Dual Fluid Reaktor hat einen weiteren Vorteil, dass die Energiegewinnung mit der Herstellung chemischer Produkte gekoppelt werden kann, beispielsweise die Herstellung von Kraftstoffen, die ansonsten durch Verarbeitung von Erdöl hergestellt werden.
    Der Dual Fluid Reaktor ist auch wesentlich kleiner als herkömmliche Kernkraftwerke und kann deshalb unterirdisch betrieben werden, um Gefahren durch Flugzeugabstürze und Naturkatastrophen abzuwenden.
  4. Paul Wimmer
    Paul Wimmer 18.04.2017, 11:39 Uhr
    Wo ist da der Widerspruch? Gaskraftwerke können schnell reagieren...
    Und was war die Ursache im Januar? Ja Kälte richtig! Wurde auch Strom exportiert nach Frankreich, aufgrund der Kälte? Hätte man mit mehr Atomkraft bessere Chancen gehabt? (Frankreich hat da ja ein paar?)

    Achso die 4. Generation hat keine Gefahren mehr? Doch den Menschen, die schlechte Wartung, etc. weil man an der Sicherheit bei etwas "sicherem" gern spart. "Nutzung" bereits vorhandener Abfälle? Sie meinen wohl Wiederaufbereitung. Ja so kann man sich das auch schönreden, dass das eine Art Recycling ist. Ein Recycling, bei dem die Natur direkt verschmutzt wird und die Brennstäbe danach deutlich mehr strahlen und schwieriger zum Endlagern sind.

    Die nicht grünen Träumer glauben viel mit ihrer halben Fachkompetenz und wollen sich mit den Problemen und Auswirkungen nicht beschäftigen.

    Aber ja, es hieß ja schließlich mal, dass Strom kostenlos werde durch Atomstrom und er so billig sei. Splittung von Vattenfall, Deckelung der Endlagerbeträge, versteckte Subventionen sprechen von etwas anderem. Glauben kann man viel, wenn man will ;)
  5. Eitel Heck
    Eitel Heck 15.04.2017, 11:10 Uhr
    In Ihrem Bericht werden Kohlekraftwerke als unflexibel und Kernkraftwerke als zu teuer dargestellt.
    Dieser Bericht steht im Widerspruch zu Artikeln anderer Zeitungen , wonach im Januar dieses Jahres bei Windstille, Nebel und Kälte 12.000 Windkraftanlagen stillstanden und 1,2 Millionen Solaranlagen
    keinen Strom lieferten. Nur mit Mühe konnten Kohle-, Gas-und Kernkraftwerke einen Stromkollaps in Deutschland verhindern.
    Die Wetterabhängikeit der Stromproduktion, insbesondere der Windkraftanlagen und fehlende technisch-ökonomische Konzepte zur Speicherung des überschüssigen Stroms sind die wahren Ursachen für das Abschalten von Windkraftanlagen.
    Die Niederlande, Polen und Tschechien bauen bereits Stromsperren um sich vor Überlastung ihrer Stromnetze vor deutschen Windstrom zu schützen.
    Es wird Zeit, die nachfolgenden Stromspeichertechnologien technisch-ökonomisch und wissenschaftlich-technisch zu bewerten, um von Träumerein zum Sachverstand über zu gehen.
    -Pumpspeicherwerke,
    -Kugelspeicher für Offshore-Windparks,
    Druckluftspeicher in Salzstöcken und stillgelegten Bergwrerken,
    -Batterien, darunter die Redox Flow Batterien,
    -Power to Gas Technologie,
    Es wird Zeit, die in anderen Ländern entwickelten inhärent sicheren Kernreaktoren der 4.Generation und das deutsche Patent für den Dual Fluid Reaktor technisch- ökonomisch und wissenschaftlich-technisch zu bewerten um auch hier von Träumerein zum Sachverstand über zu gehen.
    Die grünen Träumer lehnen entgegen jeglicher Fachkompetenz jede Form der Kernenergie ab.
    Als Begründung für die Ablehnung wird eine mögliche nukleare Katastrophe genannt. Diese Gefahr besteht bei den Reaktoren der 4.Generation nicht.
    Inhärent sichere Kernreaktoren der 4. Generation haben eine große ökonomische Bedeutung, beispielsweise durch Nutzung bereits vorhandener atomarer Abfälle zur Energiegewinnung, die ansonsten in geologischen Endlagern entsorgt werden müssten,#

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