Vattenfall wird Braunkohle-Geschäft nicht los

Der schwedische Staatskonzern Vattenfall will seine Braunkohletagebaue und Kraftwerke loswerden, findet aber offenbar nur schwer einen Käufer. (Foto: gbohne, CC BY-SA 2.0; https://www.flickr.com/photos/gbohne/7789873048/)
Der schwedische Staatskonzern Vattenfall will seine Braunkohletagebaue und Kraftwerke loswerden, findet aber offenbar nur schwer einen Käufer. (Foto: gbohne, CC BY-SA 2.0; https://www.flickr.com/photos/gbohne/7789873048/)

Vattenfall hat offenbar Schwierigkeiten, seine Braunkohlesparte in der Lausitz zu verkaufen. Nach Ablauf der Frist haben nur zwei Interessenten ein Angebote abgegeben. Auf dem Tisch ist dagegen erneut der Vorschlag einer Braunkohle-Stiftung.

18.03.2016 – Zu unrentabel, zu hohe Risiken, zu geringe Stromgroßhandelspreise – das sind die Argumente der Konzerne, die Vattenfalls Braunkohlesparte nicht erwerben wollen. Zumindest wollen sie nichts dafür bezahlen, sondern allenfalls vom schwedischen Konzern Geld für die Abnahme des schmutzigen Geschäfts erhalten. Nur zwei tschechische Unternehmen reichten bis Mittwoch verbindliche Angebote zum Kauf der Braunkohle-Tagebaue und -kraftwerke bei der mit der Abwicklung beauftragten Investmentbank Citigroup ein.

Die EPH-Gruppe, zu der auch die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft (Mibrag) gehört, legte zusammen mit der Finanzgruppe PPF eine Offerte auf den Tisch. Auch die Czech-Coal-Gruppe des Milliardärs Pavel Tykac, zweitgrößter tschechischer Braunkohleförderer, reichte ein Angebot ein. Das ebenfalls tschechische Unternehmen CEZ zog sein Interesse zurück. Besonders die niedrigen Großhandelsstrompreise und die anhaltende Unsicherheit im Hinblick auf einen möglichen Kohleausstieg in Deutschland machten das Geschäft zu riskant. Man sei aber weiterhin bereit, über andere Bedingungen und Varianten einer Übernahme zu verhandeln, verkündete eine Unternehmenssprecherin.

Steag will eine Braunkohle-Stiftung und zwei Milliarden Euro

Offenbar sehen die Tschechen wie auch der deutsche Energiekonzern Steag kaum noch einen Wert im Braunkohlegeschäft. Der fünftgrößte deutsche Stromversorger hatte zunächst Interesse am Kauf bekundet, schlägt nun aber ein anderes Modell vor. Eine privatrechtliche Stiftung könnte demnach das Braunkohlegeschäft übernehmen und aus den Erlösen der Kraftwerke Investitionen in Erneuerbare Energien tätigen, berichtet der rbb. Mit den Gewinnen aus diesen Investitionen würden wiederum Sanierung und Rückbau der Braunkohletagebaue und -kraftwerke bewältigt werden.

Steag sieht sich selbst bei dieser Lösung als Betriebsführer der Anlagen, in der Verantwortung stände die Stiftung. Der Vorschlag deutet darauf hin, dass Steag der direkt Kauf zu heikel und unsicher ist. Zudem sieht das Modell der Nachrichtenagentur Reuters zufolge eine Finanzspritze von Vattenfall in Höhe von zwei Milliarden Euro für die neue Stiftung vor. Vattenfall würde für sein Braunkohlegeschäft also kein Geld erhalten, sondern selbst zahlen. Einen ähnlichen Vorschlag mit einer Stiftung zur Übernahme und Abwicklung der Braunkohle in der Lausitz hatte im Herbst 2015 bereits die Umweltorganisation Greenpeace gemacht und war damals dafür belächelt worden. Offenbar haben die Klimaschützer recht damit behalten, dass die Braunkohle kaum noch etwas wert ist. cw

   

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  1. Cornelia Müller
    Cornelia Müller 21.03.2016, 16:16 Uhr
    Das Jahr 2015 war ein Rekordjahr für die erneuerbaren Energien, doch der hohe Kohleanteil an der Stromproduktion hat Folgen für die CO2-Bilanz. Wie lässt sich das mit unseren Klimazielen vereinbaren? Damit haben auch wir uns beschäftigt:
    http://wind-turbine.com/magazin/innovationen-aktuelles/umwelt/43317/kryptonit-fuer-die-klimaziele-das-problem-mit-der-braunkohle.html
  2. Waldmensch
    Waldmensch 18.03.2016, 19:55 Uhr
    Ratten sind schlau, sie verlassen das sinkende Schiff vor dem Absaufen. Da werden noch einige Leute do*f aus der Wäsche gucken. Leider betreibt unsere Regierung Insolvenzverschleppung auf höchstem Niveau: RWE liegt am Boden und schlägt wie wild um sich, wenn jemensch an die Braunkohle oder gar ein FFH-Schutzgebiet ran will. Ich wünsche noch tausenden Deutschen einen Waldspaziergang mit Folgen, wie nebenan zu lesen. Kohleausstieg ist Handarbeit. Hambi bleibt!

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