Hoch hinaus in Holz

Mit Holz gestaltete Räume sind nicht nur ökologisch - sie strahlen auch Gemütlichkeit aus. (Stadthaus, 24 Murray Grove. © Waugh Thistleton Architects Ltd., Will Price)

Bei einer verdichteten und nachhaltigen Bauweise von Gebäuden in der Stadt stellt sich immer auch die Frage der Ver- und Entsorgung. Der Einsatz Erneuerbarer Energien, Solarthermie, Photovoltaik und Geothermie reduzieren den Primärenergiebedarf.

04.05.2012 – Genauso entscheidend für ein ganzheitliches Konzept sind die Gebäudekonstruktion und der Einsatz ressourcenschonender Materialien. Massivholzbauten erzielen dabei meist beste Ökobilanzen. Durch eine zunehmende Ressourcenknappheit, die CO2-Thematik und die steigenden Preise für Stahl, Dämmstoffe und Beton wird die Bedeutung des Holzes künftig als Baustoff immer interessanter werden. Der nachwachsende und recycelbare Baustoff weist bei der Betrachtung des gesamten Lebenszyklus eine Plusenergiebilanz auf. Zudem ist Holz ein multifunktionales Baumaterial, das sowohl in tragender als auch in dämmender Funktion eingesetzt werden kann.

In vielen europäischen Ländern wird seit einigen Jahren Holz für den Geschosswohnungsbau neu entdeckt. Deutschland, Österreich und die Schweiz gehören dabei zu den Pionierländern. Gerade im städtischen Kontext ist inzwischen ein weltweiter Wettbewerb um die Geschosszahlen ausgebrochen. Dabei sind manche Bauten äußerlich klar als Holzkonstruktionen erkennbar, bei anderen ist es kaum sichtbar. Denn auch gerade im Verbund mit anderen Materialien liegen in dieser Konstruktionsweise große Vorteile. Eine besondere Herausforderung bei dieser Bauweise ist noch der Brandschutz – hier wurde bereits viel Forschung betrieben und gute Ergebnisse erzielt: Inzwischen sind in der Schweiz auch sechsgeschossige Holzkonstruktionen grundsätzlich erlaubt.

Das bislang höchste Wohnhaus in Deutschland mit sieben Geschossen steht in Berlin im Stadtteil Prenzlauer Berg. Der innovative, 22 Meter hohe Holzfachwerkbau des Berliner Büros Kaden und Klingbeil Architekten im Holzbetonverbund ist außen verputzt und nur bei zweitem Hinsehen als Holzkonstruktion erkennbar. Vor allem durch neue Lösungsansätze beim Thema Brandschutz hat das Projekt europaweiten Modellcharakter erlangt und wurde mehrfach prämiert.Geradezu sprunghaft verläuft seitdem die Höhenentwicklung: In London wurde vor kurzem ein neungeschossiger Wohnturm in Massivholzbauweise fertiggestellt: Das Stadthaus 24 Murray Grove gilt momentan als das weltweit höchste Wohngebäude in Holzbauweise. Der neungeschossige Timber Tower des Londoner Büros Waugh Thistleton Architects ist ein Plattenbau aus großformatigen Kreuzlagenholzplatten. Lediglich das Erdgeschoss ist hier aus Beton – selbst Treppenhaus und Fahrstuhlschacht sind aus Holz, ebenso die Fassade mit rund 5000 horizontal angebrachten Paneelen mit einer Abmessung von 120 x 23 Zentimetern aus Holzverbundwerkstoffen, die zu 70 Prozent aus Holzabfällen hergestellt wurden. Dabei genügt das Bauwerk den höchsten thermischen und schalltechnischen Anforderungen und erhielt im britischen Eco-Homes-Rating bereits den Excellent-Standard.

   

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