CO2-neutrale Stadt Masdar wächst

Eine Zukunftsvision, die Realität geworden ist: Masdar Stadt in Abu Dhabi. (Quelle: Foster+Partners, London)

Masdar will die welterste klimafreundliche Stadt werden. Der erste Bauabschnitt in Abu Dhabi wurde mit vier Wohnhäusern, einer Bibliothek und dem Masdar-Institut, einem Forschungscampus zur Energiegewinnung und -einsparung unter Federführung von Foster+Partners fertiggestellt.

05.04.2012 – Das Londoner Architekturbüro hatte schon den Masterplan der emissionsfreien Planstadt entwickelt. Die Gebäude  und der 45 Meter hohe Windturm halten sich in Konstruktion, Funktionsweise und Ästhetik an historische Vorbilder der arabischen Bauweise. Der Windturm ist eine Adaption des traditionellen arabischen Windturms und soll wie ein Schornstein die warme Luft aus den Gassen saugen und für eine Selbstkühlung der Stadt sorgen. Er dient auch als Wetterstation. Die ersten in Masdar fertiggestellten Gebäude benötigen durch die effiziente Bauweise rund 50 Prozent weniger Energie als vergleichbare Bauwerke in Abu Dhabi. 80 Prozent des verbleibenden Bedarfs werden durch Solarenergie gedeckt. Solarthermische Anlagen sorgen für 75 Prozent des heißen Wassers.

Das Masdar-Institutsgebäude ist das erste komplett mit Solarenergie versorgte Gebäude im Nahen Osten. Statt großzügiger Verglasung, wie es in vielen modernen Bürogebäuden in den Städten des Nahen Ostens üblich ist, wurde die Institutsfassade hochgedämmt und durch aufblasbare Kissen isoliert sowie luftdicht ausgeführt; sie besteht aus Licht reflektierenden ETFE-Kissen. Horizontale und vertikale Lamellen verschatten die Fassade zusätzlich und schützen so die Seminar- und Laborräume. Die Forschungslabore bilden den Kern des Gebäudes und sind so flexibel wie möglich gestaltet, mit fast stützenfreien Räumen. In das Gebäude integriert sind auch ein Gymnasium, Kantine, Café und Informationszentrum. Begrünte Innenhöfe dienen als Treffpunkt oder für den privaten Rückzug; diese thermischen Zwischenräume sorgen für eine natürliche Ventilation.

Das Gebäude ist insgesamt so ausgerichtet, dass es optimal verschattet wird und ohne große Kühlverluste auskommt. Auf rund 5.000 Quadratmetern sind Solarmodule auf der Dachfläche installiert. Die Solaranlage produziert mehr Energie, als das Gebäude mit seinen Funktionen benötigt. Die Solarpaneele sind zudem so angebracht, dass sie für zusätzliche Verschattung sorgen. Die Passivhausweise macht es möglich, dass Foyers, Flure und Treppenhäuser und Atrien auf konstanten 30 Grad Celsius gehalten werden können – für solche Wüstengebiete eine angenehme Aufenthaltstemperatur.  Die Lüftungsgitter sind tagsüber geschlossen und werden nachts geöffnet, alle Oberlichter sind nach Norden ausgerichtet.

Der Betrieb für das Institutsgebäude benötigt 54 Prozent weniger Trinkwasser und 51 Prozent weniger Strom als für vergleichbare Gebäude. Das Gebäude vereint passive und aktive Elemente einer nachhaltigen Bauweise und erforscht damit praxisnah die Technologien, die in weiteren Gebäuden implementiert werden sollen. Nicole Allé

   

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel

  1. Andi 03.09.2014, 18:51 Uhr
    kleine Korrektur. Der erwähnte Fallwindturm saugt nicht die warme Luft aus den Gassen, sondern fängt an seiner Spitze auftreffenden (relativ frischen) Wind auf, versetzt ihn über eine Art Verdampfer mit Feuchtigkeit und sorgt so dafür, dass diese kühlere Luft zu "fallen" beginnt und dadurch Innenhöfe, Gassen etc. abgekühlt werden. Eine natürlich Klimaanlage sozusagen. Tolle Idee!

Ihr Kommentar zum Thema

(wird nicht veröffentlicht)

max 2.000 Zeichen

Meinung der Woche

Wer braucht eigentlich globale Agrarmärkte?

Die Industriali­sierung der Land­wirtschaft und die Globali­sie­rung der Agrarmärkte sind zwei Seiten einer Medaille. Nachhaltige bäuerliche Land­wirtschaft und der globale Konkurrenz­kampf aller gegen alle auf dem Weltmarkt schließen sich gegenseitig aus. Wir müssen uns also entscheiden, was wir wollen.  

Jürgen Maier
Geschäftsführer Forum Umwelt & Entwicklung

Umfrage

Heute beginnt die Weltklimakonferenz in Bonn. Was erwarten Sie?
Diese Kategorie enthält zurzeit keine Beiträge.