Passivhaus im Kleinformat

In der nordrheinwestfälischen Stadt Wassenberg steht das weltweit kleinste Passivhaus.
In der nordrheinwestfälischen Stadt Wassenberg steht das weltweit kleinste Passivhaus. (Quelle: Prof. Dipl.-Ing. Ludwig Rongen, Wassenberg, architect + town planner BDA, certified passive house designer)

Ein kleines, freistehendes Haus zum Passivhaus umzurüsten ist eine Herausforderung für jeden Architekten. Das liegt vor allem an dem ungünstigen A/V-Verhältnis, denn das Verhältnis der Oberfläche zum Volumen beeinflusst ganz entscheidend den Heizenergiebedarf eines Gebäudes.

24.04.2012 – Eine Lösung bieten moderne Hochleistungsdämmsysteme. Für ein solches System entschied sich das Architekturbüro Rongen Architekten, als es in Eigenregie einen Altbau mit nur 74 Quadratmetern Wohnfläche in der nordrheinwestfälischen Stadt Wassenberg zu einem Passivhaus umbauen ließ. Hier ist das vermutlich kleinste freistehende Passivhaus weltweit entstanden.

Ursprünglich sollte der Altbau saniert und energetisch aufgerüstet werden. Die Bausubstanz stellte sich dann aber als so schlecht heraus, dass die Planer die Entscheidung trafen, das Haus fast komplett abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. Aus planungsrechtlichen Gründen musste der Neubau aber wieder ein Haus sein, das sich in seiner äußeren Form exakt an dem Ursprungsbau orientiert – der Baukörper und damit auch das schlechte A/V-Verhältnis von 0,86 waren damit also doch vorgegeben – sogar die Nutzung des Flachdachs über dem eingeschossigen Küchentrakt als Dachterrasse zählte zu den Bauvorgaben.

Das Projekt stellte nicht nur von seiner Größe, sondern auch von seiner Lage her besondere Anforderungen an die Planer: Das Haus ist zum Teil in die historische Stadtmauer der Stadt Wassenberg eingebunden. Der rückwärtige Gebäudegiebel und ein Teil der nördlichen Außenwand mussten deshalb erhalten bleiben, wodurch sich zwangsläufig erhebliche Wärmebrückenprobleme ergaben.

Um die vorgeschriebenen Passivhaus-Werte zu erreichen wurde neben den Maßnahmen für Fenster, Heizung und Lüftung ein Wärmedämm-Verbundsystem verwendet, das dank des neuartigen Dämmstoffs aus Resolhartschaum über eine fast doppelt so hohe Dämmleistung wie übliche Systeme verfügt. Das ermöglicht auch bei schlanken Systemaufbauten eine Dämmung auf Passivhaus-Niveau. Bereits mit einer Dämmschicht von 240 Millimetern konnte die gewünschte Dämmleistung erzielt werden. „Ein bestehendes Gebäude auf Passivhaus-Niveau zu bringen, ist heute problemlos möglich. Bei Altbauten mit einer Wohnfläche unter 100 Quadratmetern ist es bisher allerdings kaum möglich gewesen, ein gutes Passivhaus-Niveau zu erzielen“, berichtet der Architekt Prof. Ludwig Rongen. „Mit dem Wohnhaus in Wassenberg konnten wir jetzt zeigen, dass selbst kleinste Gebäude umgerüstet und sogar auf einen Verbrauch von unter 1,5 Litern gebracht werden können. Die Dämmung war dabei entscheidend“. Es gelang sogar, den Passivhaus-Grenzwert von 1,5 Liter pro Quadratmeter und Jahr zu unterbieten und das Einfamilienhäuschen auf einen Wert von 1,3 Liter zu bringen.

   

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