Tradition mit nachhaltiger Modernität

Nachhaltigkeit und landestypische Architektur schließen sich nicht aus. Das geplante Bildungszentrum wird sich fließend in Marrakeshs Stadtbild fügen. (Quelle: © Anna Heringer)

Bereits im Juli 2010 erhielt das Team um Architektin Anna Heringer den ersten Preis für ihren Entwurf im internationalen Wettbewerb um den Neubau eines Schulungscenters für Nachhaltigkeit in Marokko. Das ökologische und zugleich soziale Projekt soll nun realisiert werden.

01.05.2012 – Ziel ist es, unter Verwendung natürlicher, lokaler Ressourcen eine ansprechende Architektur mit starkem lokalen Bezug herzstellen. Das Gebäude im Stadtteil Chwiter in Marrakesh ist als Bildungszentrum geplant, in dem junge Einheimische in nachhaltigem Bauen geschult werden sollen. Der Bausektor in Marokko floriert, daher soll jungen Menschen mit einer beruflichen Ausbildung im Bausektor die Chance auf eine berufliche Zukunft gegeben sowie das traditionelle und nachhaltige Bauen unterstützt und verbreitet werden.

Integriert in den lokalen Kontext gelingt eine moderne Interpretation der archetypischen Architektursprache mit den ländlichen Ksars, traditionelle Orte des Gemeinschaftslebens, und den städtischen Madrasa, Orte der Erziehung der Studenten. Die architektonische Form spielt mit überlappenden Strukturen und Zonierungen; daraus resultiert eine reiche Architektursprache mit Patios und innenliegenden Gärten. Das Areal wird durch ein Tor in einer massiven Wand aus Stampflehm betreten, die einen weitläufigen Garten einschließt. Hier finden sich Areale für praktisches Arbeiten und ein Bio-Garten, in dem die Studenten Gemüse zum eigenen Verzehr kultivieren können. Das Gebäude bietet eine Vielfalt von Plätzen zur Kommunikation: Garten, Ausstellungshalle, Café, Bibliothek und ein Auditorium, das von Besuchern genutzt werden kann. In Form und Funktion zelebriert das Gebäude indigene Baumethoden. Hauptsächlich aus Stampflehm gebaut, wird hier ein in der lokalen traditionellen Bauweise verankertes Baumaterial herangezogen. Hier soll bewiesen werden, dass Lehm als Baumaterial auch für moderne Gebäude geeignet ist, und dass ein hohes Niveau an Nachhaltigkeit genauso mit einer einfachen Bauweise mit passiven Technologien und natürlichen Rohstoffen erreicht werden kann.

Alle Materialien sind vor Ort erhältlich, so dass Energie- und Transportkosten sowie CO2-Emissionen entfallen. Reparaturarbeiten können später einfach von den lokalen Handwerkern ausgeführt werden, die Wände können auf einfachste Weise recycelt werden. In der Simulation wurde deutlich, dass der Energieverbrauch des Gebäudes bei 15,5 kWh/m² und Jahr liegen wird. 100 Prozent dieser Energie wird durch 333 m² Solarpaneele auf dem Gebäude generiert. Die Luftzufuhr wird mittels Wärmetauscher über Grundwasser vorgekühlte Luft durch das in den Wänden eingearbeitete Rohrsystem ins Gebäude transportiert und verteilt. Regenwasser wird auf allen Dächern und in den Höfen gesammelt – das reicht aus, um den gesamten Wasserverbrauch inklusive Kühlsystem, Garten und Brauchwasser für die Schulungshalle bereitzustellen. Nicole Allé

   

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Keine Kommentare gefunden!

Ihr Kommentar zum Thema

(wird nicht veröffentlicht)

max 2.000 Zeichen

Meinung der Woche

Kafkaeske Solarpolitik: Einmal Audi vernichtet

In der Solarindustrie haben in den letzten sechs Jahren rund 81.000 Beschäftige ihre Arbeitsplätze verloren. Bitter ist das nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für die deutschen Stromverbraucher.  

Thomas Seltmann
Experte und Autor für Photovoltaik

Umfrage

Beim Dieselgipfel wurden weitere 500 Millionen für Kommunen vereinbart, um die Stickoxid-Emissionen aus dem Autoverkehr zu senken. Reicht das?