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Gastbeitrag – der EnergiesparkommissarDer Heizkostenfresser im Keller, den seit 1978 keiner sieht

Eine Person umarmt lachend ein freiliegendes Heizungsrohr in einem Heizungsraum. Hinter ihr sind Heizungsleitungen, Thermometer, ein rotes Ausdehnungsgefäß und weitere Anlagenteile zu sehen. Das Bild verdeutlicht die Bedeutung einer nachträglichen Rohrdämmung für die Energieeinsparung.
Carsten Herbert ist der Energiesparkommissar

Heizungsrohre müssen seit 1978 gedämmt sein. Trotzdem hängen in zu vielen Kellern blanke Rohre und verheizen Geld an die Kellerluft. Je heißer das Rohr, desto größer der Verlust – und die entgangene Rendite: 300 %. Ich zeige dir, wie es anders geht.

17.07.2026 – Im Auftakt dieser Serie habe ich erklärt, warum die sogenannten “niedrig hängenden Früchte der Wärmewende” strategisch stark sind: Gemeint sind Maßnahmen, die wenig kosten, sofort machbar sind und stärker rentieren als die meisten Geldanlagen. Die erste haben wir bereits gepflückt — den Sparduschkopf mit 400 % Rendite im ersten Jahr. Heute kommt die nächste, und sie hängt noch tiefer: die nackten Heizungsrohre in deinem Keller.

Mit ungedämmten Heizungsrohren geht Wärme bereits verloren, bevor sie in den Wohnräumen ankommt. Beheizt wird damit stattdessen der meist unbewohnte Heizungsraum. Die Verluste sind dramatisch hoch, da direkt an der Heizung und dem Warmwasserspeicher das Wasser in den Rohren sehr heiß ist und die Rohre dort besonders dick sind. An jedem blanken Meter Rohr gehen 150 bis 250 Kilowattstunden im Jahr verloren. Umgekehrt ist das Einsparpotenzial durch eine Rohrdämmung rund um Heizkessel und Warmwasserspeicher riesig.

Warum die Dämmung am Speicher doppelt wirkt

Im Sommer läuft dein Heizkessel nur noch fürs Warmwasser. Fordert der Speicher dann neue Wärme an, ist der Kessel längst vollständig ausgekühlt. Bevor auch nur ein Grad im Speicher ankommt, müssen sich erst der Kessel selbst und die Rohrleitungen zwischen Kessel und Speicher aufheizen. Ist der Speicher voll, schaltet der Heizkessel ab und kühlt wieder aus — und das Spiel geht von vorne los.

Sind die Rohre am Speicher ungedämmt, kühlt er schneller aus und muss öfter nachladen. Genau deshalb wirkt die Dämmung hier doppelt: Sie stoppt den laufenden Verlust am blanken Rohr und senkt die Zahl der Nachladungen.

Es gibt einen Grund dafür, warum die Dämmung von Rohrleitungen gerne vernachlässigt wird. Denn die Bereiche direkt am Heizkessel sind oft kleinteilig und verwinkelt: Pumpen, Ventile und ständig wechselnde Rohrdurchmesser machen die Dämmung nicht einfach. Also bleibt sie liegen, ausgerechnet dort, wo sie am meisten bringt.

Natürlich ist die Dämmung der Heizungsrohre Bastelei, die sich allerdings wirklich lohnt. Handwerker werden dafür nicht benötigt. Nur ein Brotmesser, Rohrisolierung und etwas Klebeband. Wie das geht, zeige ich dir Schritt für Schritt.

So dämmst du deine Rohre selbst

Bevor man sich auf den Weg zum Baumarkt macht, sollte man mit einem Metermaß eine grobe Bestandsaufnahme der ungedämmten Rohrleitungen machen. Man notiert die Rohrlängen und den jeweiligen Außendurchmesser, der dann den Innendurchmesser der Dämmung ergibt. Überall, wo genug Platz um das Rohr herum ist, wählt man die Dämmdicke mindestens so dick wie der Rohrdurchmesser. Separat erfassen muss man Rohre, bei denen nicht ausreichend Platz für die Dämmung ist, beispielsweise weil der Abstand zur Kellerdecke zu gering ist. Gebogene Rohre, sprich biegsame Wellrohre, kommen ebenfalls getrennt auf die Liste.

In Baumärkten gibt es meist eine große Auswahl unterschiedlichster Dämmmaterialien. Für lange gerade Rohre eignet sich Mineralfaser mit Alufolie. Mineralfaserdämmschalen sind nicht brennbar, bleiben auch bei hohen Temperaturen langfristig stabil. Wer mit Mineralfaserdämmung arbeitet, sollte sich auf jeden Fall noch eine Rolle selbstklebende Alufolie in den Einkaufswagen legen. Mit dieser lassen sich Ecken, Verzweigungen und Übergänge wunderbar verbinden und verkleben. Eine Alternative für gerade Rohre sind Kunststoffdämmschalen: leicht zu verarbeiten, altern über 60 Grad Celsius aber deutlich schneller.

Für gebogene Rohrleitungen eignet sich eine biegsame Schaumstoffdämmung. Bei sehr stark gebogenen Rohren ist eine dünnere Dämmdicke sinnvoll, weil sich dicke Dämmung an engen Bögen schlecht knickfrei verlegen lässt. Für größere Verschraubungen und Ventile können Dämmschalen mit größerem Innendurchmesser verwendet werden. Hier gilt die Empfehlung, lieber eine Dämmschale zu viel als zu wenig zu besorgen, da man durchaus mit etwas Verschnitt rechnen muss.

An Stellen, an denen die Rohrleitung einen 90-Grad-Knick macht, schneidet man die Dämmung auf Gehrung. Gehrung meint dabei einen schrägen Zuschnitt um 45 Grad. Als grobe Orientierung reicht dafür schon ein um 45 Grad gefaltetes Papier. Wer es ganz genau machen will, besorgt sich im Baumarkt für überschaubares Geld eine Gehrungslade, eine kleine Schneidhilfe für exakte Winkel.

Mit etwas Übung schneidet man mit 45-Grad-Schnitten auch Abzweigungen zu, sogenannte T-Stücke. Solche T-Stücke gibt es in vielen Märkten auch als fertige Formteile zu kaufen. Diese sind zwar etwas teurer, aber eine gute Lösung, wenn man sich das Zuschneiden nicht zutraut oder etwas Arbeitszeit sparen möchte. Aber auch für Formteile gilt: Die Innendurchmesser müssen exakt zum Außendurchmesser der Rohre passen!

Spätestens bei größeren Unterbrechungen wie Absperrventilen und Pumpen stößt man mit den Standarddämmschalen an Grenzen. Für besonders unförmige Ventile und schwer zugängliche Verschraubungen sollte auf keinen Fall ein selbstklebendes Schaumstoffband fehlen. Mit diesem lassen sich selbst die kompliziertesten Stellen leicht umwickeln.

Ein Nachmittag im Keller, 2,50 bis 5 Euro pro Meter, und das Rohr spart ab sofort jedes Jahr 150 bis 250 Kilowattstunden. Das sind die versprochenen 300 % Rendite Jahr für Jahr.

Für die Stiftung Warentest habe ich 25 kosteneffiziente Maßnahmen im Buch „Einfach Sanieren – 25 kostengünstige Maßnahmen für Ihr Haus“ zusammengestellt – mit Kostenangaben, Renditeberechnungen und konkreten Umsetzungshinweisen.

Wer das Buch bis 9. September 2026 vorbestellt, bekommt zum Erscheinungsdatum am 30. September 2026 ein handsigniertes Exemplar plus einer kleinen Überraschung versandkostenfrei nach Hause geschickt.

Carsten Herbert - Der ENERGIESPARKOMMISSAR

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