Gastbeitrag – der ENERGIESPARKOMMISSAREinstellungssache: Die Heizkurve weckt den schlafenden Riesen der Wärmewende

Ein Mann mit Brille steht in einem Heizungskeller hinter zwei Heizungsrohren und zeigt auf zwei daran befestigte Temperaturanzeigen. Die Thermometer zeigen unterschiedliche Temperaturen und veranschaulichen die Einstellung und Optimierung einer Heizungsanlage.
Carsten Herbert ist der Energiesparkommissar (Foto: Tim Wegner)

Rund 80 Prozent aller Heizungen in Deutschland laufen in der Werkseinstellung. Wer die Einstellungen ans Gebäude anpasst, spart 5–25 % der Heizenergie und -kosten. Ich zeige dir, wie es geht.

26.08.2026 – Das Prinzip der Heizungseinstellung ist einfach: Deine Heizung muss deine Räume nie wärmer machen können, als du sie haben willst. Gespart werden kann, indem die Vorlauftemperatur auf genau das Niveau gesenkt wird, mit dem deine persönliche Wohlfühltemperatur ganzjährig erreicht wird. Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur des Heizwassers, mit der es von der Heizung zu den Heizkörpern oder der Fußbodenheizung fließt.

Um diesen schlafenden Riesen der Wärmewende zu wecken, müssen wir Geduld mitbringen. Die Einstellung wird an zwei Tagen gemacht, zwischen denen Wochen oder Monate liegen können. Du kannst diesen Herbst anfangen, wenn die Tagesdurchschnittstemperatur bei +10 °C liegt. Für den zweiten Tag sollten wir warten, bis die Temperaturen auf etwa -5 °C fallen.

Die Heizungsregelung nutzt dafür einen Messfühler, der die Außentemperatur misst und die Vorlauftemperatur der Heizung entsprechend anpasst (witterungsgeführte Regelung). Über die Heizkurve kannst du zu jeder Außentemperatur festlegen, auf welche Vorlauftemperatur das Heizwasser jeweils aufgeheizt werden soll.

Ob dein Haus zu den 80 % gehört, deren Heizung zu hoch und verschwenderisch eingestellt ist, lässt sich leicht testen: Dreh einfach die Thermostate in zwei, drei Räumen für zwei Stunden voll auf. Wenn es merklich wärmer wird, kannst du auf jeden Fall Energie sparen.

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Zwei Parameter, zwei Testtage – fertig

Die ideale Heizkurve verläuft für jedes Haus anders. Um sie einzustellen, benötigt man lediglich zwei Messpunkte und ein Raumthermometer. Hat man das Prinzip erst einmal verstanden, ist die Heizungseinstellung deutlich einfacher, als man im ersten Moment glauben mag.

Bei neueren Heizungen lässt sich die Heizkurve einfach über zwei Temperaturpunkte einstellen (Zweipunktregelung). Bei vielen älteren Heizungsmodellen wird die Kurve über zwei Parameter eingestellt: Über die Neigung und über die Höhe der gesamten Kurve nach oben oder unten. Je steiler die Kurve, desto stärker heizt sie bei kalten Temperaturen. Je weiter oben die Kurve liegt, desto mehr heizt deine Heizung auch schon bei milden Temperaturen. Daraus folgen deine Aufgaben: Am milden Testtag stellst du die Parallelverschiebung ein, am kalten die Neigung.

An beiden Testtagen brauchst du Geduld, weil Häuser träge sind und jede Antwort des Hauses ca. 2 Stunden dauert. Am besten eignet sich daher ein Wochenende. Im ersten Schritt drehst du alle Heizkörper voll auf. Nun senkst du am milden Tag die Heizkurve per Parallelverschiebung um z.B. 3 Grad. Nach zwei Stunden misst du erstmalig die Temperaturen der Hauptaufenthaltsräume. Liegen sie nach der ersten Einstellung bereits bei der Zieltemperatur, ist die Einstellung fertig. Wenn nicht, senkst du erneut um mehrere Grad und misst danach wieder. Das wiederholst du so oft, bis du die Wohlfühltemperatur in allen Aufenthaltsräumen erreichst. Zum Abschluss notierst du Vorlauftemperatur und Außentemperatur. Am kalten Tag läuft die Einstellung genauso ab – nun aber drehst du an der Neigung, bis du die Zieltemperatur erreicht hast.

Um das Ganze in die Tat umzusetzen, müssen wir uns mit der Bedienung der Heizungssteuerung vertraut machen. Diese ist meist direkt am Heizkessel angebracht, kann bei modernen Anlagen, aber auch im Kesselgehäuse integriert sein. Für die Einstellung nehmen wir die Bedienungsanleitung zur Hand und suchen das entsprechende Kapitel, in dem die Einstellung der Heizkennlinie behandelt und erläutert wird. Bei modernen Anlagen sitzt die Heizkurve in einem gesperrten Fachmenü. Meistens sind die durch einen Code geschützt, der aber oft in der Grundeinstellung belassen wird. Probiere einfach mal 0000, 1111 oder 1234 aus. Wenn das nicht klappt kannst du die Zugangsdaten bei deinem Fachbetrieb anfragen; du hast ein Recht auf die optimale Einstellung deiner Heizung und damit auch auf Zugang zu den versteckten Menüs.

Warum die Heizkurve ganz oben auf der Liste steht

Im Auftaktartikel dieser Serie ging's um den richtigen Sanierungszeitpunkt – und darum, dass geringinvestive Maßnahmen für die Wärmewende strategisch bedeutsam sind. Die Umsetzung des Sparduschkopfs und der Dämmung von Heizungsrohren habe ich bereits beschrieben. Die Heizkurve steht auf der Liste einfacher Effizienzmaßnahmen ganz oben. Sie bietet denjenigen, die sich etwas reinfuchsen und ein wenig Zeit nehmen, immense Einsparungen – für Einzelne und die Wärmewende in ihrer Gesamtheit.

Eine Heizung in Werkseinstellung fährt Autobahn im ersten Gang: sie kommt ans Ziel, aber verbrennt dabei viel mehr Energie als nötig. Eine passend zum Haus eingestellte Heizung läuft bereits ab dem ersten Testtag effizienter. Ab dem zweiten kennt sie dein Haus und du sparst Jahr für Jahr ohne Abstriche beim Komfort.

Für die Stiftung Warentest habe ich 25 kosteneffiziente Maßnahmen im Buch „Einfach Sanieren – 25 kostengünstige Maßnahmen für Ihr Haus“ zusammengestellt – mit Kostenangaben, Renditeberechnungen und konkreten Umsetzungshinweisen.

Wer das Buch bis 9. September 2026 vorbestellt, bekommt zum Erscheinungsdatum am 30. September 2026 ein handsigniertes Exemplar plus einer kleinen Überraschung versandkostenfrei nach Hause geschickt.

Carsten Herbert - Der ENERGIESPARKOMMISSAR

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