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Grüne wollen Bauen mit nachwachsenden Rohstoffen stärken

Ökologischer geht’s kaum: Holzhaus mit Gründach, Außenwand aus unbehandeltem Lärchenholz in Ständerbauweise. Wärmedämmung aus eingeblasener Hobelspäne, Innenwände aus Lehmputz auf Schilfrohrplatten. Heizung und Warmwasser durch Grundofen und So
Ökologischer geht’s kaum: Holzhaus mit Gründach, Außenwand aus unbehandeltem Lärchenholz in Ständerbauweise. Wärmedämmung aus eingeblasener Hobelspäne, Innenwände aus Lehmputz auf Schilfrohrplatten. Heizung und Warmwasser durch Grundofen und Sonnenkollektoren. (Foto: Wikimedia.commons / Von Superikonoskop, CC BY-SA 3.0)

Mit der Verwendung von Holz und weiteren Baustoffen aus nachwachsenden Rohstoffen statt Beton und petrochemischen Produkten im Gebäudebau könnte der CO₂-Ausstoß erheblich verringert werden. Grüne Politiker fordern ein Umdenken und Fördermaßnahmen.

14.10.2016 – In einem aktuellen Antrag fordert die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen „eine nationale Holzbaustrategie für Hochbau und Ingenieurbau“, um „den Einsatz ökologischer Baustoffe im Neubau und bei der energetischen Sanierung zu fördern.“ Petrochemische und alle CO₂-intensiven Baustoffe sollen dagegen nicht mehr subventioniert werden.

Für solche Maßnahmen spricht auch das neue Entsorgungsproblem von auf Erdöl basierter Polystyrol-Dämmung, die seit vielen Jahren bei der energetischen Sanierung von Gebäuden eingesetzt und von staatlicher Seite subventioniert wurde. Da Polystyrol preisgünstiger ist als etwa Mineralwolle oder Dämmung aus nachwachsenden Rohstoffen und in der Energieeinspar-Berechnung höhere Dämmwerte aufweist, ist bei der Mehrheit der Bauherren Polystyrol die erste Wahl. Von politischer Seite wurde das unterstützt.

Von der EU zum Sondermüll erklärt

Seit Ende September werden nun aber mit HBCD behandelte Dämmstoffe als Sondermüll eingestuft, wenn der Gehalt an persistenten organischen Schadstoffen gleich oder größer der im Anhang IV der EU-P OP-Verordnung gelisteten Grenzwerte ist. Bei Sanierungs- und Abbrucharbeiten auf Baustellen müssen diese nun getrennt gesammelt, dokumentiert und von Entsorgungsfirmen gesondert abtransportiert werden.

Damit steht Deutschland vor einem massiven Entsorgungsproblem mit ökonomischen und ökologischen Folgen für Eigenheimbesitzer und die Wohnungswirtschaft. Das betrifft zwar nicht das aktuell hergestellte Polystyrol ohne HBCD doch bleibt abzuwarten, ob die momentan genutzten Flammschutzmittel in den Dämmstoffen aus Polystyrol wirklich besser sind, oder ob diese in einigen Jahren ebenfalls zum Sondermüll erklärt werden. „Mit Blick auf diese Millionen Kubikmeter Sondermüll ist es unverständlich, dass die Bau - und Immobilienwirtschaft, aber auch die Bundesregierung keine Lehren daraus zieht und die Hemmnisse für nachwachsende Rohstoffe im Baubereich abzubauen“, so die Grünen. Derzeit werden allein in Deutschland täglich mehrere 10.000 Kubikmeter zukünftiger Sondermüll produziert. 

Als weiteres Problem stellt sich nun heraus, dass vielen Verbrennungsanlagen die Genehmigungen oder grundsätzlich technischen Vorrausetzungen fehlen, um die Wärmedämmplatten fachgerecht zu entsorgen. „Die Entsorgungsunternehmen holen dieses Material erst gar nicht mehr von den Baustellen ab“ wies der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie RA Michael Knipper im September auf das Problem hin, damit drohe die gesamte Baustellenlogistik zusammenzubrechen – und das „in einer Zeit, in der dringend Wohnungen saniert werden müssen“, mahnt Knipper.

Keine Lobby für Natur-Dämmstoffe

Wissenschaftliche Untersuchungen bescheinigen dem modernen Holzbau eine lange Lebensdauer und hohe Wertbeständigkeit. Und anhand von Projekten bspw. in Berlin ist längst der Nachweis erbracht, dass das brandschutztechnische Sicherheitsniveau bei mehrgeschossigen Holzbauten in moderner Bauweise erreicht wird. Während Holz also die gesetzlichen Vorschriften erfüllt ist das bei Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen immer noch schwierig bis unmöglich, auch wenn mittlerweile einzelne Bauvorhaben die technisch-faktische Machbarkeit – was bislang auf der Grundlage individueller Brandschutzkonzepte beruht– verdeutlichen.

Grau ist alle Energie – das muss in die Bewertung mit einfließen

Obwohl das alles bekannt ist stellt die Bundesregierung also alternative, ökologische Baustoffe in der Fördersystematik bislang nicht besser. Diese sind in den KfW -Gebäudesanierungsprogrammen mit Dämmstoffen auf petrochemischer Basis gleichgestellt, ohne aber die benötigte Produktionsenergie widerzuspiegeln. Nachhaltiges Bauen im Wesentlichen auf das Energiesparen in der Nutzungsphase zu reduzieren halten viele Energieexperten für irreführend.

Auch Beton auf Basis des energieintensiven Zementes ist nach wie vor der Baustoff der Wahl. Unternehmen der Zementindustrie sind als energieintensive Unternehmen bislang in erheblichem Umfang von Energiesteuern und CO2-Kosten befreit und haben daher wenig Anreiz zur Umstellung ihrer Produktion auf ökologischere Alternativen.

Forderungen für einen wirklich nachhaltigen Gebäudebestand

Gründe Abgeordnete im Deutschen Bundestag fordern daher die Bundesregierung auf, eine nationale Holzbaustrategie für Hochbau und Ingenieurbau beispielweise nach schwedischem Vorbild aufzulegen, um den Einsatz ökologischer Baustoffe im Neubau und bei energetischer Sanierung zu fördern, beispielsweise in Form eines Standards „Effizienzhaus Nature+“ der KfW Bankengruppe; zudem sollten Standards für den Energiebedarf zur Herstellung von Baustoffen eingeführt werden, die den gesamten Lebenszyklus der Baustoffe inkl. Herstellung und Entsorgung, berücksichtigen.

Bei Energieausweisen für Gebäude sollte über die Angabe des Energiebedarfs hinaus eine Nachhaltigkeitsbewertung im Rahmen der Lebenszyklusbetrachtung der Gebäude eingeführt werden. Wichtig wäre es in diesem Zusammenhang, endlich eine einheitliche Zertifizierung von ökologischen Baustoffen zu unterstützen – dazu gehöre die Förderung der weiteren Erforschung ökologischer Baumaterialien, indem die Aspekte Wohngesundheit und Schadstoffemissionen im Wohnbereich im Rahmen der Ressortforschung stärker berücksichtigt werden und verstärkt Maßnahmen zur Reduktion von Schadstoffemissionen im Wohnbereich entwickelt werden. Bei der nächsten Novellierung der Energieeinspar-Verordnung (EnEV) sollten auch die Umweltauswirkungen zur Bereitstellung der sog. Grauen Energie bei der Herstellung von Bau- und Dämmstoff berücksichtigt werden. na


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