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Klimaklage




MuseumsinitiativeHamburger Museen stellen CO2-Bilanzen vor

Außenansicht Hamburger Kunsthalle bei Regen
Museumsgebäude sind meist alt und verbrauchen viel Strom und Wärme. Die Hamburger Kunsthalle und zehn andere Hamburger Ausstellungshäuser haben jetzt eine CO2-Bilanz. (Foto: Membeth auf Wikimedia / CC0 1.0)

Eine wegweisende Initiative von elf Hamburger Museen hat den CO2-Fußabdruck der beteiligten Ausstellungshäuser bilanziert. Wie zu erwarten, resultiert der überwiegende Teil aus dem Strom- und Wärmeverbrauch. Jetzt beginnt der ökologische Umbau.

04.02.2023 – Unter dem Motto Elf zu Null – Hamburger Museen handeln startete im Sommer 2022 die bundesweit einmalige Initiative von elf Hamburger Museen, Ausstellungshäusern und Gedenkstätten, um gemeinsam das Thema Nachhaltigkeit und Betriebsökologie anzugehen.

Jetzt wurden die ersten Ergebnisse vorgestellt: Die CO2-Bilanzierung der elf Häuser ergab, dass sich der gemeinsame Fußabdruck auf 8.422Tonnen jährlich beläuft (Referenzjahr 2019). Der mit 90,4 Prozent überwiegende Anteil der Emissionen resultiert dabei aus den Strom- und Wärmeverbräuchen der Häuser, was in etwa der Klimawirkung von neun vollbesetzten Großraumflugzeugen entspricht, die von Hamburg nach New York und zurück fliegen.

In einer erweiterten Bilanz wurde auch die Gästemobilität berücksichtigt, wobei diese teilweise auf Schätzwerten beruht. Inklusive Gästemobilität steigt der CO2-Fußabdruck der elf Häuser auf knapp 40.000 Tonnen, also das Viereinhalbfache. Mit der Einbeziehung der Gästemobilität nimmt Elf zu Null eine Vorreiterrolle im Kulturbereich ein. Die Bilanzen bilden nun eine belastbare Datengrundlage für ein strategisches Umweltmanagement.

Die Initiative startete im Sommer 2022 und kam schnell ins Handeln, wie Alexander Stockinger vom Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg berichtet: „Innerhalb von wenigen Monaten haben wir ein hochmotiviertes Team aus versierten Kolleginnen und Kollegen gebildet und mit den Klimabilanzen eine solide Datengrundlage geschaffen. Daran kann nun die langfristige Arbeit an der Transformation unserer Häuser anknüpfen.“

Jacob Sylvester Bilabel, Geschäftsleiter des Aktionsnetzwerk Nachhaltigkeit in Kultur und Medien, ist die Arbeit der Initiative begeistert: „Für mich eine Sensation: Die elf Hamburger Museen legen den ersten deutschen Standard zur Klimabilanzierung der Häuser samt Publikumsverkehr vor und dokumentieren diesen transparent für alle. So etwas gab es bis jetzt noch nicht. Ich bin mir sicher, dass viele in Zukunft von der Vorarbeit des Projektes werden profitieren können.“

Ergebnisse CO2-Bilanzierung

Die CO2-Bilanzierung macht deutlich, an welchem Punkt die Museen ökologisch stehen und bilden den Handlungsrahmen für die künftige Einsparung von Emissionen. Dafür werden nun pro Haus passgenaue Strategien zur Verbesserung der Umweltwirkung entwickelt und in Nachhaltigkeitskonzepten zusammengefasst.

Bereits jetzt wurden zahlreiche Maßnahmen entwickelt oder umgesetzt, so zum Beispiel die Installation smarter Heizkörperthermostate, die Durchführung hydraulischer Abgleiche und die Umrüstung auf LED-Beleuchtung in fast allen Häusern; erweiterte Klimakorridore; großflächige Fenstertausche im MK&G, dem Archäologischem Museum und der Hamburger Kunsthalle; sowie die Nachrüstungen der Gebäudeleittechnik und Anlagensteuerung in mehreren beteiligten Häusern. Auch die Installation von Photovoltaik-Anlagen ist in Planung, so zum Beispiel auf dem Altonaer Museum. Weitgehend finden diese Arbeiten in Zusammenarbeit mit der Sprinkenhof GmbH als Vermieterin der städtischen Kulturimmobilien statt.

Die CO2-Bilanzen wurden einheitlich nach ISO 14064 erstellt und sind damit international vergleichbar. Für den Bereich der Gästemobilität wurde ein eigener Elf zu Null-Standard entwickelt. Dieser legt fest, zu welchem Anteil Emissionen aus der An- und Abreise des Publikums berücksichtigt werden.

Die Federführung der Initiative „Elf zu Null – Hamburger Museen handeln“ liegt beim Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MK&G), die weiteren beteiligten Häuser sind das Altonaer Museum, das Archäologische Museum Hamburg und Stadtmuseum Harburg, das Bucerius Kunst Forum, die Deichtorhallen Hamburg, das Deutsche Hafenmuseum, die Hamburger Kunsthalle, die KZ-Gedenkstätte Neuengamme, das Museum am Rothenbaum. Kulturen und Künste der Welt (MARKK), das Museum der Arbeit und das Museum für Hamburgische Geschichte.

Elf zu Null kooperiert mit dem bundesweiten Aktionsnetzwerk Nachhaltigkeit in Kultur und Medien und wird durch die Behörde für Kultur und Medien Hamburg gefördert. pf

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