Energiewende – Urbane TransformationIntegrierte Quartiersentwicklung für Gewerbestandort in Aachen

Eingang eines gemauerten Tunnelbauwerks aus gelben und roten Ziegeln mit steinernen Pfeilern. Über dem bogenförmigen Durchgang befindet sich ein weißes Schild mit schwarzer Schrift: „Aachen – Rothe Erde“. Der Tunnel führt in einen überdachten, beleuchteten Durchgang mit Handläufen an den Wänden. Links neben dem Eingang stehen mehrere Fahrräder. Der Boden vor dem Tunnel ist gepflastert, mit verstreuten Herbstblättern. Das Gebäude wirkt funktional und gehört offenbar zu einem Bahnhof oder einer Unterführung im Stadtteil Aachen-Rothe Erde.
Ankunft im Stadtteil Rothe Erde in Aachen – das Gebiet steht vor umfassenden strukturellen Veränderungen (Bild: Cor2701, Wikimedia, CC BY 3.0)

Die Stadt Aachen will ihren Gewerbe- und Industriestandort Rothe Erde zukunftsfest aufstellen und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, Klimaschutz und Stadtverträglichkeit verbinden. Die Fraunhofer IEG entwirft dafür ein integriertes Energiekonzept.

04.07.2026Der Aachener Stadtteil Rothe Erde ist seit über einem Jahrhundert industriell geprägt und befindet sich aktuell in einem tiefgreifenden Wandel. Spätestens mit der Schließung des Reifenwerks der Continental AG Ende im Jahr 2022 gingen viele Arbeitsplätze verloren – das Gebiet steht vor umfassenden strukturellen Veränderungen. Ziel der Stadt Aachen ist es, den Standort zu einem urbanen, innovativen und zugleich stadtverträglichen Gewerbe- und Industriestandort mit produktionsorientiertem Schwerpunkt weiterzuentwickeln. Dabei sollen Unternehmen, Start-ups und Spin-offs aus den Bereichen Produktions-, Umwelt-, Kreislauf- und Energiewirtschaft angesiedelt und damit Synergieeffekte geschaffen werden.

Für die Planung wurde die Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien IEG beauftragt, ein integriertes Energiekonzept zu erarbeiten und zu prüfen, wie sich CO2-arme und regionale Energiequellen ebenso wie moderne Energietechnologien einbinden lassen. Das Land Nordrhein-Westfalen hat der Stadt Aachen Fördermittel in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro für das Projekt „Vision 2025+ – Modellstandort für urbane Produktion“ bewilligt.

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Modellstandort für urbane Produktion im Zeichen der Klimawende

„Die Transformation von Gewerbe- und Industriegebieten ist ein zentrales Element der Energiewende“, betont Anette Anthrakidis, Projektleiterin am Fraunhofer IEG. Damit Wärme und Strom für die Produktion nicht stockt, braucht es zukunftsfeste Konzepte, die die Synergien der vorhandenen Energiepotenziale nutzen. „Die Anforderungen sind hoch, zugleich bieten sich große Chancen. Mit den richtigen Weichenstellungen lassen sich Standorte nachhaltig stärken und im Wettbewerb zukunftsfähig positionieren.“

Mit dem Energiekonzept für Rothe Erde wolle man die Voraussetzungen dafür schaffen, dass industrielle und gewerblich-produzierende Unternehmen auch künftig verlässlich, bezahlbar und klimafreundlich mit Energie versorgt werden, erläutert Dieter M. Begaß, Leiter des Fachbereichs für Wirtschaft, Wissenschaft, Digitalstadt und Europa der Stadt Aachen.

In diesem Rahmen erarbeitet nun das Fraunhofer IEG in einem sechsmonatigen Projekt ein Energiekonzept für das Industrie- und Gewerbegebiet Aachen Rothe Erde, insbesondere für den Bereich zwischen Hüttenstraße, Philipsstraße und Eisenbahnweg. Aufgrund der dynamischen Entwicklungen im Gebiet legt das Konzeptteam das Konzept flexibel an und berücksichtigt – wo erforderlich – szenariobasierte Annahmen zu zukünftigen Energieverbräuchen und Erzeugungsstrukturen.

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Alle Akteure nachhaltig zusammenbringen

„Ein zentraler Baustein des Projekts ist die aktive Einbindung der ansässigen Unternehmen, um sicherzustellen, dass passgenaue tragfähige Lösungen erarbeitet werden, die den Standort zukunftsfähig und resilient machen“, so Toni Lancé, Leiterin der Abteilung Strukturförderung bei der Wirtschaftsförderung der Stadt Aachen. „Wir freuen uns auf den Austausch und die Zusammenarbeit mit den Betrieben vor Ort. Ihre Ideen und Ansprüche sollen in das Konzept einfließen und beitragen, den Standort resilient und zukunftsfest zu machen“, ergänzt Anthrakidis vom Fraunhofer IEG.

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Synergien ausloten

Die Arbeit des Konzeptteams startet mit einer Bestandsaufnahme der bestehenden Energieinfrastrukturen unter Berücksichtigung bereits geplanter Vorhaben. Darauf aufbauend analysieren die Expertinnen und Experten aktuelle Trends und Potenziale marktverfügbarer Energietechnologien – etwa Geothermie, Stromspeicher oder intelligente Gebäudeautomation.

Die Ergebnisse münden in ein Transformationsszenario, dessen Maßnahmen das Projektteam in Steckbriefen systematisch aufbereitet. Diese enthalten unter anderem Angaben zu Zeithorizonten, rechtlichen Rahmenbedingungen, Wirtschaftlichkeit und Fördermöglichkeiten. Die erarbeiteten Ergebnisse stehen nach Projektabschluss der Stadt Aachen sowie den beteiligten Akteuren am Standort zur Verfügung, berichtet die Fraunhofer IEG. na

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