Gastbeitrag vom ENERGIESPARKOMMISSARKlimaanlagen: Billige Wärmepumpen mit Effizienzvorteil

Mann mit schwarzer Brille steht lächelnd unter dem an der Wand montierten Innengerät eines Klima-Splitgeräts beziehungsweise einer Luft-Luft-Wärmepumpe und hält eine Hand an das Gerät.
Carsten Herbert ist der Energiesparkommissar (Foto: Carsten Herbert)

Ein Klima-Splitgerät kostet ab 1.000 Euro pro Kilowatt und heizt trotzdem genau so effizient wie eine normale zentrale Wärmepumpe. Kurze Wege verhindern Wärmeverluste. Ich zeige dir, wie das geht.

31.08.2026 – Diesen Sommer stelle ich in dieser Serie niedrig hängende Energiesparfrüchte vor: hochwirtschaftliche Maßnahmen, die du weitgehend eigenständig umsetzen kannst. Drei sind schon gepflückt: Der Sparduschkopf kostet 50 Euro und spart 200 Euro im Jahr. Die Dämmung von Heizungsrohren kostet 2,50 bis 5 Euro pro Meter und spart jährlich 150 bis 250 Kilowattstunden. Und die Einstellung der Heizkurve kostet nichts und spart 5 bis 25 Prozent deiner Heizenergie. Als vierte Frucht im Obstsalat stelle ich dir heute den preiswertesten Weg vor, wie du dich mit einer Wärmepumpe unabhängiger von Öl und Gas machen kannst. Das schauen wir uns mal genauer an.

Als Kühlgeräte sind Klimaanlagen seit langem bekannt. Heizen können sie aber genauso gut und effizient wie kühlen. Im Sommer holen sie die Wärme aus deinem Wohnzimmer und schaffen sie nach draußen. Im Winter drehen sie die Richtung um und entziehen der Außenluft Wärme, um sie als warme Luft an den Raum abzugeben.

Klima-Splitgeräte sind damit vollwertige Luft-Luft-Wärmepumpen. Splitgerät heißen sie, weil die Anlage aus zwei Teilen besteht: ein Außengerät vor dem Haus und ein oder mehrere Innengeräte im Haus. Dabei arbeiten Klimaanlagen manchmal auch mit der vorhandenen Heizung zusammen: Das Klimagerät reicht für den Großteil des Jahres vollkommen aus, der alte Kessel bleibt im Haus und springt nur an den sehr kalten Tagen ein (Hybridbetrieb). Vereinzelt ersetzen Luft-Luft-Wärmepumpen den alten Kessel sogar komplett. Von klassischen Luft-Wasser-Wärmepumpen unterscheiden sie sich, da die Wärme nicht über die vorhandenen Heizkörper abgegeben wird, sondern über die Innengeräte als aufgewärmte Luft. Bei der Effizienz der Wärmeerzeugung unterscheiden sich die beiden Bauarten kaum. Über die gesamte Heizsaison gerechnet, erzeugen beide mit einer Kilowattstunde Strom drei bis vier Kilowattstunden Wärme.

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Klimagerät mit Effizienzvorteil

Manchmal haben die preiswerten Luft-Luft-Wärmepumpen gegenüber den Luft-Wasser-Wärmepumpen sogar einen Effizienzvorteil. Das ist immer dann der Fall, wenn die Leitungswege besonders kurz sind. Kurze Wege zwischen Innen- und Außengerät verursachen deutlich weniger Wärmeverluste als bei Systemen mit Heizkörpern.

Der Unterschied liegt an den Wärmeverlusten auf den Wegen in die Räume. Insbesondere in Bestandsgebäuden sind die Heizungsrohre häufig um ein Vielfaches länger als die Verbindungsleitung eines Splitgeräts. Große Teile der alten Rohrleitungen liegen im Mauerwerk und sind schlecht gedämmt. Weitere Wärme geht in Pufferspeichern verloren. Zudem zieht die Umwälzpumpe Strom. Auf diese Komponenten verzichtet das Klima-Splitgerät.

Beim Klima-Splitgerät liegen zwischen der Außeneinheit und dem Innengerät manchmal nur ein paar Meter Kältemittelleitung. Das Innengerät ist nichts anderes als ein Hochleistungsheizkörper. Durch seine Wabenstruktur hat er trotz kleiner Baugröße eine sehr große Oberfläche und kommt dadurch mit geringen Heiztemperaturen aus. Wir haben bei einem handelsüblichen Gerät einmal die einzelnen Lamellen ausgezählt und kamen auf sage und schreibe sieben Quadratmeter Fläche.

Bei Multisplit-Klimageräten mit mehreren Innengeräten schrumpft der Effizienzvorteil etwas. Bei diesen versorgt ein Außengerät mehrere Räume, die Leitungen werden dadurch länger.

Klimasplitgeräte eignen sich für alle Gebäude

Alle Wärmepumpen funktionieren im Altbau. Bei der Luft-Wasser-Wärmepumpe gilt für die Vorlauftemperatur die 55-Grad-Regel. Wird diese Temperaturschwelle am kältesten Wintertag überschritten, kann zusätzlich zum Wärmepumpeneinbau noch der Austausch von Heizkörpern erforderlich sein. Das muss im Vorfeld immer geprüft werden. Bei Klima-Split-Geräten entfällt diese Prüfung. Ein Klimagerät ist ein in sich geschlossenes, industriell vorkonfektioniertes System, in dem das Außengerät und das Innengerät ab Werk optimal aufeinander abgestimmt sind. Am Haus muss es nur noch montiert und elektrisch angeschlossen werden.

So kommt das Gerät an deine Wand

Die Umstellung auf Klima-Splitgeräte ist deutlich einfacher als der Umstieg auf eine zentrale Wärmepumpe. Die Geräte gibt es als fertige Komplettsysteme. Die ganze Vorplanung samt raumweiser Heizlastberechnung, Heizkörperprüfung und hydraulischem Abgleich entfällt. Die Gerätegröße richtet sich einfach nach dem Raum: Handelsübliche Geräte beheizen Flächen in Altbauten von etwa 30 bis 40 Quadratmeter. Die passende Größe wählt die Fachfirma aus. Für die Montage brauchst du einen zertifizierten Kältetechniker, weil im Kreislauf Kältemittel steckt.

Für die Planung ist es gut zu wissen, dass man im Idealfall für jeden zu beheizenden Raum ein Innengerät benötigt, nicht aber unbedingt genau so viele Außeneinheiten. An Multisplit-Außengeräte können bis zu fünf Innengeräte hängen. Das spart Außengeräte, braucht wegen der höheren Leistung aber einen Drehstromanschluss, den man im Wohnhaus meist erst installieren muss. Für einzelne Geräte reicht dagegen der übliche Wechselstromanschluss. Räume ohne Gerät, etwa das Bad, werden weiterhin über deine vorhandene Heizung mit Wärme versorgt, oder man nutzt ein Infrarot-Heizpaneel.

Das Gute an Klima-Splitgeräten ist, dass du nicht alles auf einmal umbauen musst. Fang z.B. erst mal mit einem einzigen Gerät im Wohnzimmer an, probier aus, wie gut du damit zurechtkommst. Wenn’s passt, erweitere später nach Belieben Raum für Raum.

Einen Nachteil muss man ehrlich dazusagen: Das Innengerät bewegt Luft und erzeugt dabei auch Geräusche. Wer darauf empfindlich reagiert, sollte sich vor der Entscheidung ein solches Gerät erst mal in der Praxis anschauen und anhören.

Was es kostet und was es bringt

Ein Klima-Splitgerät bekommst du inklusive Einbau schon für rund 1.000 bis 1.500 Euro pro Kilowatt Heizleistung. Das ist der mit Abstand günstigste Einstieg in die Wärmepumpentechnik. Eine zentrale Wärmepumpe kostet pro Kilowatt leicht ein Vielfaches.

Ein Rechenbeispiel: Eine Kilowattstunde Wärme aus dem alten Kessel kostet einschließlich der Verbrennungsverluste rund 13 Cent. Dieselbe Kilowattstunde Wärme kostet dich aus der Klimaanlage 7,5 Cent mit Strom aus dem Netz und 2 Cent mit Strom vom eigenen Dach. Deine eigenen Preise können abweichen, die Klimageräte bleiben aber immer die günstigste Option.

Das deckt sich mit Ergebnissen der Stiftung Warentest vom Juni 2026: Sie hat zehn Klimasplitgeräte untersucht, heizen können sie alle, und nach den Berechnungen der Warentest-Fachleute kommt dich das immer günstiger als Heizen mit Gas. Bei den Heizkosten liegen die Geräte in derselben Größenordnung wie zentrale Wärmepumpen.

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Für die, die spitz rechnen müssen

Der große Vorteil der Klima-Splitgeräte, gerade für Hausbesitzer, die spitz rechnen müssen: Sie ermöglichen den Einstieg in die Welt der Wärmepumpen sozusagen durch die Hintertür, ohne dass das Haus zur Baustelle wird und zu einem Bruchteil der Kosten einer Zentralheizungssanierung.

In manchen Lebenssituationen passen Klima-Splitgeräte besonders gut. Ein typisches Beispiel sind betagte, teils verwitwete Personen, die mittlerweile sogar allein im ehemaligen Familienheim wohnen. Das Leben spielt sich dann meist nur noch in einem überschaubaren Teil des Hauses ab, viele Räume werden kaum oder gar nicht mehr genutzt. Hier passt ein Klimagerät perfekt.

Ein zweiter häufiger Fall: Der alte fossile Heizkessel wurde erst vor wenigen Jahren erneuert. Ein vorzeitiger Tausch gegen eine Wärmepumpe wäre ein wirtschaftliches Desaster.

In beiden Fällen kann der Umbau der Heizungsanlage hin zu einer zentralen Wärmepumpenanlage eine finanzielle Überforderung darstellen. Aber auch der alleinige Weiterbetrieb der fossilen Heizung ist eine Kostenfalle, da die Preise für fossile Energien in den kommenden Jahren drastisch steigen werden und zudem durch Preisschocks wie die Gas-Krise 2022 und die Iran-Krise 2026 bei vielen Menschen bereits heute zu Problemen führen.

Und es geht nicht nur ums Geld. Wer mit einer Luft-Luft-Wärmepumpe heizt, verursacht nach den Berechnungen der Stiftung Warentest kaum mehr als halb so viele Treibhausgase wie mit der Gasheizung allein. Seit ein paar Jahren scheinen sich die Vorzüge von Klimaanlagen zum Heizen herumzusprechen. Langsam, aber sicher arbeiten sie sich aus ihrem Nischendasein heraus. Es ist zu vermuten, dass sich Klimageräte neben der klassischen hydraulischen Wärmepumpe zu einer ernst zu nehmenden Konkurrenz und Bestandteil der Wärmewende entwickeln werden. Zudem wird mit jedem Hitzesommer auch die Kühlfunktion relevanter, die hervorragend durch preiswerten Solarstrom abgedeckt werden kann.

Für die Stiftung Warentest habe ich 25 kosteneffiziente Maßnahmen im Buch „Einfach Sanieren – 25 kostengünstige Maßnahmen für Ihr Haus“ zusammengestellt – mit Kostenangaben, Renditeberechnungen und konkreten Umsetzungshinweisen.

Wer das Buch bis 9. September 2026 vorbestellt, bekommt zum Erscheinungsdatum am 30. September 2026 ein handsigniertes Exemplar plus einer kleinen Überraschung versandkostenfrei nach Hause geschickt.

Der Energiesparkommissar

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