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Urbane EnergiewendeKlimagerecht im Berliner Quartier

Neubauquartier in der Schleizer Straße in Berlin-Lichtenberg
Nachhaltige Architektur mit klimafreundlicher Energieversorgung und fairen Mieten – das kleine Neubauquartier in der Schleizer Straße in Berlin-Lichtenberg. (Foto: © Berliner Energieagentur BEA)

Ohne ganzheitliche Planung ist klimagerechtes Bauen kaum mehr zu schaffen. In Berlin ist ein kleines Quartier entstanden, das mit ökologischer Architektur und klimapositiver Energieversorgung auch auf leistbare Mieten und Energiepreise setzt.

09.09.2021 – „Mehr Klimaschutz im Gebäudebereich ist momentan kaum möglich“, meint Fabian Tacke, Vorstand der KlimaGut Immobilien AG. In Zusammenarbeit mit Peter Ruge Architekten GmbH und der Berliner Energieagentur GmbH (BEA) hat er das neue, kleine Quartier in der Schleizer Straße im Berliner Bezirk Lichtenberg in der letzten Woche vorgestellt.

Bau und Betrieb basierten auf einem besonders nachhaltigen Ansatz, sagen die Macher – „angefangen über die Verwendung besonders hochwertiger und langlebiger Baustoffe, über die klimapositive Energieversorgung aus 100 Prozent Erneuerbaren Energien bis hin zur Holzhybridbauweise.“ Es handele es sich um zertifizierte Netto-Nullemissionshäuser, die im Betrieb mehr CO2 einsparen als emittieren: „Zudem haben wir auch besonderen Wert auf die Sozialverträglichkeit gelegt und leistbare Mieten und Energiepreise, betreutes Wohnen, Barrierefreiheit, Flächeneffizienz und eine ausgewogene Mischung der Mieter:innen in unser Konzept integriert“, so Tacke.

Klimafreundlich und gesund wohnen – das wünschen sich die meisten

Rund 40 Prozent der Energie in Deutschland wird in Gebäuden verbraucht – mit enormen CO2-Emissionen verbunden. Für viele Bewohner werden die Nebenkosten, vor allem für Energieverbrauch, immer mehr zur „zweiten Miete“. Dabei wünschen sich laut Umfragen rund 70 Prozent der Menschen für ihre Wohnung Niedrigenergiestandards, den Einsatz von Erneuerbaren Energien und umweltfreundliche Materialien.

Grüner Mieterstrom im Kiez

„In der Schleizer Straße haben wir viele dezentrale Klimaschutztechnologien einbezogen, die uns als Energieversorger und -dienstleister momentan zur Verfügung stehen“ sagt Michael Geißler, Geschäftsführer der BEA. Insgesamt wurden in der Schleizer Straße 42 Mietwohnungen errichtet. Die Solaranlage auf dem Dach und das mit aus Reststoffen gewonnene Biogas gespeiste Blockheizkraftwerk (BHKW) mit einer Leistung von 16 Kilowatt (kW) sorgten dafür, dass die neuen Bewohner besonders CO2-arm mit Strom und Wärme versorgt werden.

Der auf den Dächern ihrer Wohnhäuser produzierte Mieterstrom könne als günstiger Kiezstrom direkt bezogen werden. „Mit unserem Mieterstromangebot sind wir rund 20 Prozent günstiger als der örtliche Grundversorgungstarif“, so Geißler. Auch die Wärmekosten liegen laut BEA deutlich unter dem üblichen Marktniveau.

Die Photovoltaikanlage mit einer Leistung von ca. 50 Kilowatt Peak (kWp) und einem prognostizierten Jahresertrag von ca. 42.000 Kilowattstunden (kWh) wurde auf begrünten Dächern installiert – das mache die BEA bei allen neueren Projekten so, berichtet Geißler. „Photovoltaik in Verbindung mit einem Gründach ist in Städten eine ideale Kombination, um dezentral mehr sauberen Strom zu erzeugen und gleichzeitig mehr bewachsene Flächen für ein besseres Stadtklima zu schaffen.“ Die Gründächer wirkten für das Gebäude zudem wie eine natürliche Klimaanlage und Wärmedämmung. Zwei vor dem Gebäude installierte Ladepunkte mit einer Leistung von je 22 Kilowatt (kW) versorgen Elektroautos mit umweltfreundlichem Ladestrom.

Das Projekt beweise, so der BEA-Chef, dass klimapositives Wohnen durch intelligente Vernetzung von Gebäude- und Energietechnik machbar sei. Alle Wohnungen seien barrierefrei erreichbar und größtenteils barrierefrei nutzbar. „Von Anfang war es das Ziel, die unterschiedlich gewünschten Wohnungstypen und -größen kompakt zu planen, um somit leistbare Mieten zu ermöglichen und den Ressourcenverbrauch zu minimieren“, erläutert Matthias Matschewski, Partner bei Peter Ruge Architekten GmbH. Zudem seien keine kritischen Baustoffe wie PVC, Halogene, Styropor und Aluminium verwendet worden. na


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