Nachhaltige Dachbegrünung: Moor fürs Dach

Die Begrünung von Dächern ist ein wichtiges Mittel zur Anpassung an den Klimawandel. Eine besonders effiziente und nachhaltige Dachbegrünung hat ein Start-up aus Kiel entwickelt.
23.09.2025 – Hitzetage, aber auch Starkregenereignisse werden häufiger. Das ist vor allem für dicht besiedelte Städte ein Problem. Stein und Beton heizen sich immer weiter auf und machen das Leben in den Häuserschluchten an zunehmenden Tagen im Hochsommer schwer erträglich. Zugleich gerät bei Starkregenereignissen die Kanalisation an ihre Grenzen und das Wasser hat auf den versiegelten Flächen wenig Chancen abzufließen. Auch können versiegelte Flächen nach Niederschlägen weniger Abkühlung in Form von Verdunstung bieten.
Die Lösung: mehr – entsiegelte – Grünflächen. Und die müssen nicht auf die Böden begrenzt sein. Auch Fassaden- und Dachbegrünungen sind im Fokus. Sie kühlen an Hitzetagen die Umgebung und Innenräume der Häuser. Sie nehmen Regen auf, der bei Hitze wieder verdunstet und damit zusätzlich kühlt. Zudem bieten sie Lebensraum für Vögel, Insekten und andere Kleintiere.
Gründächer sind zugleich in vielen Fällen ein aufwändiges Unterfangen. Es braucht ausreichende Abdichtungen sodass kein Wasser und keine Wurzeln an die Dachkonstruktion gelangen. Darauf kommt eine Drainageschicht, die überschüssiges Wasser abgibt und Staunässe verhindert. Gleichzeitig puffert sie oft auch starke Regenereignisse, indem sie Wasser verzögert abgibt. Darüber braucht es eine Filter- oder Vliesschicht, die verhindert, dass das darüber liegende Substrat in die Drainage gelangt. Je nach Bepflanzung, werden darüber dicke Substratschichten ausgeschüttet, in und auf denen die Pflanzen wachsen.
Die Moor-Platte
Einen effizienteren und nachhaltigeren Weg geht ein Start-up aus Kiel. Die Firma Planterial hat eine neue, „Paluboard“ genannte, Platte aus nachwachsenden Rohstoffen aus wiedervernässtem Moor entwickelt, die in der extensiven Dachbegrünung eingesetzt werden kann. Extensiv bezeichnet eine Begrünung mit dünnen Pflanzenschichten mit geringem Pflegeaufwand.
Die Bezeichnung Paluboard leitet sich aus der Paludi-Biomasse ab, aus der die dünne Nährbodenplatte hergestellt ist. Es handelt sich um erneuerbare Rohstoffe, die auf wiedervernässten Moorflächen gezielt zur Ertragssteigerung der landwirtschaftlichen Betriebe angebaut werden, beispielsweise aus Schilf.
„Das Paluboard wird mit geringem Energieeinsatz durch ein Heißpressverfahren unter Einsatz eines pflanzlichen, vollständig biologisch-abbaubaren Bindemittels hergestellt“, erläutert einer der Gründer des Start-ups, Hannes Stuhr. „Es könnten auch andere nachwachsende Materialien für die Herstellung des Paluboards verwendet werden, vorzugsweise landwirtschaftliche Reststoffe“, so Stuhr.
Laut Planterial kann das Paluboard ohne Drainage-, Filter- und Substratschichten eingesetzt werden und minimiert daher den Einsatz von Kunststoffen und erleichtert den Aufbau ohne aufwendige Schüttungen.
Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Projekt mit 125.000 Euro. „Im urbanen Raum adressiert das Paluboard zentrale Herausforderungen des Schwammstadt-Prinzips“, sagt DBU-Fachreferentin Sabine Djahanschah. Das sei ein Konzept der nachhaltigen Stadtentwicklung. Djahanschah: „Ziel dabei ist, durch geeignete Stadt- und Quartierplanung so viel Regenwasser wie möglich aufzunehmen und bei Bedarf wieder freizugeben.“ Die Speicherkapazität des Paluboards von 20 bis 26 Litern Wasser pro Quadratmeter diene dazu, Regenwasser lokal zurückzuhalten, die Verdunstungskühlung zu erhöhen und Überflutungen durch Starkregen zu mindern. Zudem verbessere es das Mikroklima durch Verdunstungseffekte und unterstütze die Biodiversität auf den Gebäuden.
Planterial will sich dabei auf die Wiedervernässung von Mooren konzentrieren und verwendet zum Beispiel Paludi-Kulturen aus Wiedervernässungsprogrammen für Nährböden in Schleswig-Holstein. Djahanschah sagt dazu: „Moore bedecken lediglich drei Prozent der globalen Landfläche, speichern aber 30 Prozent des Kohlenstoffs auf der Erde. Werden sie trockengelegt – etwa für die konventionelle Landwirtschaft – entweichen klimaschädliche Emissionen in Form von Kohlendioxid (CO₂) und Methan. In Deutschland setzen entwässerte Moore gut sieben Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen frei. Die Wiedervernässung von Mooren ist also eine der effektivsten Klimaschutzmaßnahmen.“ mg





















































