Blitzumfrage zu Klimaschutz im BestandPlanungsunsicherheit beeinträchtigt Klimawende im Bausektor

Bauarbeiter auf einem Baugerüst in mehreren Etagen
Wie geht’s weiter? Energetische Sanierungen sind geplant, die Akteure warten noch auf den Startschuss der Politik. (Foto: Chris Gray on Unsplash / Unsplash License)

Eine Blitzbefragung der DENEFF unter Experten aus der Immobilienwirtschaft macht deutlich: Investitionen in klimafreundliche Sanierungsvorhaben sind geplant, doch unsichere politische Rahmenbedingungen gefährden ihre Umsetzung.

06.08.2025 – Um sich ein Bild von geplanten Sanierungs- und Klimaschutzmaßnahmen im Gebäudebestand zu machen hat die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF e.V.) unter führenden Expertinnen und Experten aus der Immobilienwirtschaft, die zusammen einen Gebäudebestand in Deutschland im Wert von über 242 Milliarden Euro verwalten, eine Blitzumfrage gestartet. Die Befragung wurde als kurze Online-Umfrage durchgeführt, mit jeweils einer Person pro Unternehmen aus der Immobilienbranche. Teilweise handelt es sich dabei um große Unternehmen mit hoher Investitionskraft.

Ziel der Befragung war es, herauszufinden, welche Rolle politische Rahmenbedingungen für die Investitionsbereitschaft spielen, wie lang die Planungsvorläufe sind und ob dadurch das Risiko steigt, dass Sanierungsprojekte letztlich ganz verworfen werden. In der Befragung wurde vor allem deutlich, dass viele Unternehmen zwar Sanierungsmaßnahmen planen, doch der unklare politische Kurs die Umsetzung bremst.

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Klimaschutz im Bestand: Sanierungsprojekte brauchen verlässliche Bedingungen

Fast alle der befragten Unternehmen planen innerhalb der nächsten drei Jahre Investitionen in die energetische Aufwertung ihrer Gebäudebestände zu tätigen. Diese reichen von Einzelmaßnahmen bis hin zu Vollsanierungen – sowohl in Gewerbe- als auch Wohnimmobilien, berichtet die DENEFF. Allerdings gaben zugleich über drei Viertel der Teilnehmenden an, dass unsichere Rahmenbedingungen die tatsächliche Investitionsbereitschaft ihres Unternehmens „stark“ oder „eher stark“ beeinflussen. Dies betrifft demnach etwa wechselnde Förderprogramme oder unklare gesetzliche Vorgaben. Diese Zurückhaltung beim Baustart drohe den dringend benötigten konjunkturellen Aufschwung im Bausektor auszubremsen.

Die befragten Unternehmen wünschen sich von der Bundesregierung vor allem klare und langfristig verlässliche Regeln und Förderprogramme, die konsequent auf die Ziele für 2045 ausgerichtet sind.

Auch Experten fordern verlässliche Regeln und realistische Förderkulissen

Henning Ellermann, geschäftsführender Vorstand der DENEFF, weist kritisch darauf hin: „Diese Signale aus der Branche sind für uns eindeutig: Die Musik spielt im Bestand. Hier liegt der größte Hebel. Dafür wurden in den letzten Jahren machbare Fahrpläne erstellt. Konkrete Projekte brauchen laut der Befragung dann meist noch mindestens ein bis zwei Jahre Planungsvorlauf. Gestoppt oder auf Eis gelegt sind sie aber sehr schnell. Wenn in dieser Legislaturperiode noch massiv privates Kapital für die Umsetzung mobilisiert werden soll, muss die Bundesregierung jetzt für Planungssicherheit sorgen und damit den Weg für nachhaltige Investitionen freimachen.“

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Die Akteure warten auf den Startschuss

Auch der renommierte Branchenkenner Thomas Beyerle, Professor für Immobilienwirtschaft an der Hochschule Biberach, unterstreicht: „Die Marktforschung zeigt das Dilemma: Einerseits besteht große Bereitschaft, energetische Sanierungen anzugehen, andererseits droht man im Dickicht von Zuständigkeiten, Fördertöpfen, Standards und teils unrealistischen Kalkulationen zu scheitern. Gefordert sind daher ein klarer definitorischer Rahmen, verlässliche Standards – idealerweise auf Bundesebene – und nachvollziehbare Vorher/Nachher-Kalkulationen. Die Umsetzung kann dann der Markt leisten. Das Potenzial ist gewaltig, die Akteure warten auf den Startschuss.“

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  • Klare und langfristig gültige Zielvorgaben für Bestandsgebäude
  • Zügige Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie (EPBD)
  • Verlässliche Förderprogramme mit einfachen Verfahren

Nur so ließen sich dringend notwendige Investitionen auslösen und die energetische Transformation des Gebäudebestands wirksam voranbringen. Bereits heute tragen energetische Sanierungen von Bestandsgebäuden rund 2,5 Prozent zum deutschen Bruttoinlandsprodukt bei. Eine steigende Sanierungsrate würde diesen Anteil deutlich erhöhen und gleichzeitig regionale Wertschöpfung und Beschäftigung stärken. Blieben Investitionen aus, drohe ein konjunktureller Rückschlag – noch bevor der Aufschwung richtig begonnen hat. na

 

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