Klimaziele im Bausektor: Sanierungsquote weiterhin im Sinkflug

Die Talfahrt für die energetische Gebäudesanierung in Deutschland geht weiter. Das schadet der Bauwirtschaft sowie dem Klima. Ein ambitioniertes Gebäudeenergiegesetz könnte Sanierungen attraktiver machen – doch die Bundesregierung zaudert.
12.02.2026 – Die Quote für energetische Sanierungen im deutschen Gebäudebestand ist im Jahr 2025 auf 0,67 Prozent weiter abgesunken. Nach 0,69 Prozent im Vorjahr 2024, 0,70 Prozent im Jahr 2023 und 0,88 Prozent im Jahr 2022 markiert dies einen neuen Tiefpunkt für die rund 19,5 Millionen Wohngebäude. Eine jährliche Quote von rund zwei Prozent wäre notwendig, um die vereinbarten Klimaziele im Gebäudesektor zu erreichen. Die Quote für die etwas mehr als zwei Millionen Nichtwohngebäude ist ebenfalls rückläufig und liegt bei 0,92 Prozent (0,95 Prozent im Jahr 2024).
Die Sanierungsquote wird im Auftrag des Bundesverbands energieeffiziente Gebäudehülle e. V. (BuVEG) von B+L Marktdaten Bonn ermittelt. Sie ist die zentrale Kennzahl für Maßnahmen im Bereich der energetischen Gebäudesanierung und damit ein wesentlicher Indikator für die Wärmewende in Deutschland.
Der Streit ums Heizungsgesetz lähmt sowohl die Bau-Branche als auch die Hauseigentümer, schadet der deutschen Wirtschaft sowie dem Klima gleichermaßen. Ein aktuelles Gutachten schlägt vor, die Erfüllungsoptionen des §71c im GEG (wonach neue Heizungsanlagen mindestens 65 Prozent der Wärme aus Erneuerbaren Energien oder unvermeidbarer Abwärme erzeugen müssen) um Effizienzmaßnahmen der Gebäudehülle zu ergänzen – denn erneuerbare Heizsysteme und eine gut gedämmte Gebäudehülle ergänzen sich, senken den Endenergieverbrauch und die laufenden Kosten.
„Die Sanierungstätigkeit ist in Deutschland auf einem besorgniserregenden Niveau“, warnt Jan Peter Hinrichs, Geschäftsführer des Bundesverbands energieeffiziente Gebäudehülle e. V „Mit einem ambitionierten Gebäudeenergiegesetz besteht jedoch die Chance, energetische Sanierungen attraktiver zu machen und damit die Energiekosten für die Bevölkerung langfristig zu senken. Private und institutionelle Immobilieneigentümer zögern jedoch weiterhin bei Investitionen in ihre Gebäude.“ In den Nichtwohngebäuden ist demnach die Entwicklung 2025 noch schwächer: Gerade in öffentlichen Gebäuden wie Krankenhäusern, Schulen oder Verwaltungen bestehe ein großer Sanierungsstau, so Hinrichs. „Hier könnte das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität für einen Befreiungsschlag sorgen. Deutschland braucht nicht nur einen Bau-Turbo, sondern dringend auch einen Sanierungs-Booster.“
Für die Bau-Branche bleibt die Lage angespannt bis desolat. Frank Lange, Geschäftsführer des Verband Fenster + Fassade e.V., beschreibt die Situation: „Der Fenstermarkt zeigt derzeit deutlich, wie stark die energetische Sanierung insgesamt unter Druck steht. Selbst der vergleichsweise aufwandsarme Bereich des Fenstertauschs bleibt weiterhin auf niedrigem Niveau.“ Neue Fenster wären häufig der erste Sanierungsschritt – bleibt dieser aus, stocke die gesamte Gebäudemodernisierung. Umso wichtiger wären nun verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit, sowohl in der Förderung als auch im Gebäudemodernisierungsgesetz.“
Sanierungsquote 2025
- Sanierungsquote Dach: 0,74 Prozent
- Sanierungsquote Fassade: 0,46 Prozent
- Sanierungsquote Fenster: 1,19 Prozent
- Sanierungsquote Wohngebäude gesamt: 0,67 Prozent
- Sanierungsquote Nichtwohngebäude gesamt: 0,92 Prozent
Anzahl energetisch sanierter Wohneinheiten (WE) 2025
Im Jahr 2025 wurden 260.000 Wohneinheiten saniert, im Vorjahr 2024 rund 265.000 (Im Jahr 2023 zum Vergleich: 275.000). Gemäß der Leitstudie Aufbruch Klimaneutralität der Deutschen Energie-Agentur (dena) hätten jedoch im Jahr 2025 460.000 Wohneinheiten saniert werden müssen; bis 2030 müsste diese Zahl auf bis zu 730.000 steigen.
Die Gebäude in Deutschland verbrauchen nach wie vor zu viel Energie; sie verursachen derzeit rund 30 Prozent aller CO₂-Emissionen. Die energetisch schlechtesten Gebäude der Effizienzklassen G und H sind für 50 Prozent des gesamten Energieverbrauchs des Gebäudesektors verantwortlich. Zwei Drittel aller Wohngebäude befinden sich in den Effizienzklassen D bis H und verbrauchen mehr als 100 kWh/m² im Jahr. Dieses Gesamtbild führe zu immer höheren Energiekosten für die Verbraucher und zu einem Wertverlust bei Immobilieneigentümern von energetisch schlechten Gebäuden, betont der BuVEG. Der Wertabschlag am Markt liege mittlerweile bei bis zu 40 Prozent gegenüber sanierten Immobilien. na





















































