Innovative WärmedämmungThermoskanne, aber flach – nachhaltige Vakuumisolierung am Start

Eine gewellte silberne Materialplatte
Soll auf den Markt kommen: Vakuumisolationspaneel ZeroCoreVac (Foto: © V21)

Das Hamburger Startup V21 will ein nachhaltiges und hocheffizientes Vakuumisolationspaneel aus Edelstahl auf den Markt bringen– robust, kreislauffähig und mit innovativer Bauweise ohne Stützstruktur. Eine Lösung für Baubranche und Energiespeicher.

07.01.2026 – Gebäude, Kühlketten, Fahrzeuge – überall entweicht Energie. Bis zu 40 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs gehen auf unzureichende Dämmung zurück. Allein in Europa verursacht dies jedes Jahr versteckte Kosten von rund 110 Milliarden Euro. Die bisher am Markt verfügbaren Dämmstoffe sind oft voluminös, brennbar, fossilbasiert oder schwer recycelbar. Zudem ist der Markt aufgrund der zunehmend strengeren EU-Regulatorik unter massivem Dekarbonisierungsdruck.

Aus diesem Grund hat das in Deutschland gegründete Startup V21 ein flaches Vakuumisolationspaneel aus Edelstahl entwickelt, das Wärmeverluste nahezu eliminieren und zugleich den ökologischen Fußabdruck reduzieren soll. Die sogenannten ZeroCoreVac-Paneele basieren auf dem 100 Jahre bewährten Funktionsprinzip der Thermoskanne – aber flach. Sie reduzieren laut Hersteller die Dämmstärke um bis zu 70 Prozent und senken den Energiebedarf um bis zu 60 Prozent. Damit adressiert V21 zentrale Engpässe der Dekarbonisierung in Gebäuden, Kühlketten und Speicherinfrastruktur.

Mehr zum Thema

Institut für Klimafolgenforschung in Potsdam
Bauwirtschaft im Wandel

Klimabilanz beim Bauen muss in den Fokus rücken

Gebäude müssen laut Gesetz energieeffizienter werden – doch die Klimabilanz der Baumaterialien wird noch zu wenig beleuchtet. Im Hinblick auf Klima- und Energiekrise sowie knappe Ressourcen ist die Zeit reif für einen Wandel in der Bauwirtschaft.

Ein neuer Maßstab für nachhaltige Isolierung

„Wir wollten eine Lösung schaffen, die das Beste aus allen Welten vereint: maximale Dämmleistung, minimale Dicke, unbegrenzte Formate – und das in einem vollständig kreislauffähigen Material. Das Ergebnis ist eine Art flache Thermosflasche, die ohne Stützstruktur auskommt – einfach, robust und revolutionär“, erklärt der Physiker Jens Struckmeier, CIO und Co-Founder von V21. „Für die Bauwirtschaft bedeutet das schlankere Fassaden, schnellere Sanierungen und eine geringere Brandlast bei hoher Lebensdauer. Für Energiespeicher stabilisieren die Paneele das Temperaturfenster, erhöhen die Effizienz und senken Betriebskosten.“

Ein nahezu vollständiges Vakuum

Das Prinzip von V21 sei einfach, aber wirkungsvoll, erläutern die Konstrukteure: „Zwischen zwei hochpräzise gefertigten Edelstahlplatten befindet sich ein nahezu vollständiges Vakuum. Dadurch wird der Wärmetransfer fast vollständig unterbunden – ähnlich wie bei einer Thermoskanne, nur in flacher Form. Im Gegensatz zu herkömmlichen Vakuumisolationspaneelen (VIPs), die empfindlich, kleinformatig und schwer zu verarbeiten sind, benötigen V21-Paneele keine separate Stützstruktur und können in nahezu beliebigen Größen gefertigt werden. Dabei bleibt die Präzision im Hundertstelmillimeterbereich erhalten. Die Edelstahlhülle macht das Paneel mechanisch extrem belastbar (bis 60 t/m²), nicht brennbar, wetterbeständig und vollständig wiederverwendbar“ – eine Kombination, die bisher kein anderer Dämmstoff erreiche, meinen die Ingenieure.

„Während andere Lösungen entweder auf fossile Materialien oder teure Hochleistungsgele setzen, wollten wir eine Technologie schaffen, die sich industriell skalieren lässt und eine Kreislaufwirtschaft ermöglicht, die diesen Namen auch wirklich verdient“, sagt Roland Wiedenroth, CEO und Co-Founder von V21 und seines Zeichens Wirtschaftsingenieur mit Erfahrung in Logistik, Luftfahrt und Rechenzentrumsbau. „Im Grunde haben wir einfach die Thermoskanne flach gemacht – aber das Ergebnis verändert ganze Branchen.“

Mehr zum Thema

Pflanzenrohstoff Lignin für hocheffiziente Aerogel-Isolierung
Energieeffizient Bauen und Sanieren

Biobasierter Super-Dämmstoff für die Wärmewende

Mit einem biobasierten und hocheffizienten Aerogel-Dämmstoff will ein Startup aus Osnabrück zur Dekarbonisierung und Energieeffizienz im Gebäudebereich beitragen. Der Dämmstoff ist ein Abfallprodukt aus der Papierherstellung.

Ein Milliardenmarkt unter Druck

Der globale Dämmstoffmarkt habe ein Volumen von über 70 Milliarden Euro – und stehe durch den EU Green Deal, die Energy Performance of Buildings Directive (EPBD) und steigende Nachhaltigkeitsanforderungen unter massivem Veränderungsdruck. V21 will daher mehrere dieser Märkte gleichzeitig adressieren:

  • Gebäudesanierung und Neubau: bis zu 70 Prozent geringere Dämmstärke bei gleichem Wärmeschutz
  • Kühlcontainer und Logistik: bis zu 60 Prozent Energieeinsparung
  • Elektromobilität / Energiespeicher: thermisches Management von Batterien, 30–40 Prozent
  • Reichweitengewinn deutlich verlängerte Lebensdauer durch stabile Temperaturen
  • Modulare Architektur: flache Bauweise ermöglicht Nachrüstung oder Neubau mit Raumgewinn und Passivhaus-Standard

Mehr zum Thema

Pflanzenkohle aus Gartenabfällen
Klima- und Bauforschung

Pflanzliche Dämmstoffe als CO2-Senke einsetzen

Ein Forscherteam will Dämmung aus pflanzlichen Rohstoffen entwickeln, welche das darin enthaltene CO2 durch eine Hitzebehandlung dauerhaft bindet. Nach Rückbau könnte das Material im Ackerbau eingesetzt werden, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhöhen.

Zertifiziert von Fraunhofer – bereit für den Markt

Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg hat die Leistungsdaten der V21-Paneele unabhängig getestet und bestätigt: „Vakuumdämmung mit hoher mechanischer Stabilität kann im Bereich der Fassadendämmung durch geringe Bauteilstärken bei geringer Brandlast interessant sein. Ein Ansatz, der auf den Einsatz von Verbundstoffen und organischer Kunststoffe verzichtet, erleichtert die Recyclingfähigkeit. Dies kann auch in anderen Bereichen mit Heiz- oder Kühlbedarf Vorteile bringen. Die konkrete Wirkung hängt jedoch vom jeweiligen Design und Einsatzprofil ab“, meint Ingenieur Ulrich Amann vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE.

In den kommenden 18 Monaten plant V21 erste Pilotanwendungen – u. a. in Containermodulen, Fassadensanierungen und temporären Gebäudestrukturen. Mit Partnern wie dem Hersteller für modulare Containerbauten „mobilConcept“ aus Dresden könnten durch die geringe Dämmstärke gänzlich neue energieeffiziente Konzepte umgesetzt werden – vom Baustellencontainer bis zum modularem Haus, ist sich das Team von V21 sicher. na

Neuen Kommentar schreiben


Name: *
E-Mail: *
(wird nicht veröffentlicht)
Nicht ausfüllen!


Kommentar: *

max 2.000 Zeichen