Klimaschutz im GebäudebereichZirkuläres Bauen bringt Chancen für Umwelt und Wirtschaft

Ein großes Gebäude wird mit einem Kran teilweise eingerissen
Sanieren statt Abriss und Neubau und Baustoffe wiederverwerten – kreislaufgerechtes Bauen ist gut für Umwelt und Wirtschaft. (Foto: Mark König on Unsplash License)

Der Umweltrat gibt der Bundesregierung Empfehlungen für kreislaufgerechtes Bauen und Bestandserhalt. Sie zielen darauf ab, den Klima- und Umweltschutz zu stärken, Sekundärbauprodukte attraktiver zu machen und neue Geschäftsmodelle anzuregen.

21.04.2026 – Den Klimaschutz im Gebäudebereich voranbringen, einen verantwortungsvollen Ressourceneinsatz fördern und bezahlbaren Wohnraum schaffen – das sind aktuelle, ehrgeizige politische Ziele. Die Umsetzung kommt aber nicht schnell genug voran und fährt zudem einen Zickzackkurs. In seiner Stellungnahme Zirkulär bauen: Bestand erhalten, Kreisläufe schließen hat der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU kurz: Umweltrat) Rat Empfehlungen für kreislaufgerechtes Bauen und Bestandserhalt. an Umweltminister Carsten Schneider und Bauministerin Verena Hubertz übergeben.

Statt nur auf Neubau zu setzen, appellieren viele Stimmen aus der Planungs- und Baubranche, zuerst den Bestand zu sanieren – das schont Ressourcen sowie Kosten und verhindert neue Flächenversiegelung.

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Was genau meint Zirkuläres Bauen?

Dazu gehört gebrauchte Produkte und Materialien wiederzuverwenden, Baumaßnahmen reparaturfreundlich umzusetzen und die Gebäudesubstanz möglichst digital zu dokumentieren. Statt Gebäude abzureißen und rohstoff- sowie emissionsintensiv neue zu errichten, sollte der Bestand möglichst erhalten und flexibel an Wohnbedürfnisse angepasst werden. Baumaterialien sollten konsequent wiederverwendet und im Kreislauf geführt werden. Durch Bestandserhalt werden weniger neue Flächen versiegelt und weniger Primärrohstoffe verbraucht – ein wichtiger Beitrag in Zeiten knapper Ressourcen und wachsender Nutzungskonflikte. Schadstofffreie Materialien erleichtern die Wiederverwendung und dienen direkt der Gesundheit der Bewohner, heißt es in der Stellungnahme des SRU.

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Kreislaufgerechtes (Um-)Bauen könnte schon heute kostengünstiger sein als eine konventionelle Ausführung, vor allem, wenn der ganze Lebenszyklus der Bauprodukte in die Bewertung einbezogen werde. Zudem entstünden wirtschaftliche Impulse, etwa durch neue Geschäftsmodelle im Bereich Serviceleistungen, Wiederverwendung und Rückbau, so der Umweltrat. Damit verbinde das zirkuläre Bauen im Bestand ökologische Verantwortung und langfristige Rentabilität. Nicht zuletzt unterstütze zirkuläres Bauen den Erhalt vorhandener Bausubstanz und greife lang etablierte, teils in Vergessenheit geratene Praktiken der Baukultur wieder auf. Ein wichtiger Faktor – immer weniger Planer und Bauausführende kennen sich mit Sanierung aus und immer mehr Betriebe finden keinen Nachwuchs.

Regulierungen müssen sich ändern

Der breiten Umsetzung stünden jedoch noch Hürden im Weg, beklagt der Umweltrat. Nach wie vor werden Abbruch bzw. Rück- und Neubau häufig als Standard angesehen, während die Nutzung und Weiterentwicklung des Bestands als kompliziert oder wirtschaftlich nachteilig wahrgenommen werden. Zudem erschwert bestehendes Recht die Wiederverwendung von Bauprodukten. Aktuell sei vor allem Pioniergeist und Risikobereitschaft gefragt, um neue Geschäftsmodelle aufzubauen und hierfür Investitionen zu tätigen.

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Der SRU hat daher fünf Ansatzpunkte identifiziert, um zirkuläres Bauen stärker in die Praxis zu bringen:

  • Digitalisieren – Standards schaffen
    Einheitliche, verbindliche Standards für digitale Dokumentationsstrukturen von Gebäuden über ihren gesamten Lebenszyklus erleichtern zirkuläres Bauen erheblich. Frei zugängliche, kompatible Software für Gebäuderessourcenpässe sollte etabliert und breit nutzbar gemacht werden. So werden verbaute Materialien, deren Qualität und Wiederverwendungspotenziale transparent gemacht. Dies vereinfacht Instandhaltung, Rückbau und Wiederverwendung.
  • Qualifizieren – Wissen vermitteln
    Fachkenntnisse über zirkuläres Bauen sind systematisch in der Aus- und Weiterbildung zu verankern. In Lehrplänen für handwerkliche Ausbildungen sowie für baufachliche Studiengänge sollten kreislaufgerechte Planungs-, Bau- und Rückbauprinzipien fest integriert werden. Ergänzend sind praxisnahe Weiterbildungsangebote für Planende, Handwerker:innen, Finanzdienstleistende und Bauherrschaften notwendig. Eine gezielte Qualifizierungsoffensive in der öffentlichen Verwaltung stärkt die Kompetenz, zirkuläre Ansätze in Genehmigungs-, Förder- und Vergabeprozessen wirksam umzusetzen. Dialogformate sollten fortgeführt werden.
  • Fördern – Anreize setzen
    Öffentliche Förderinstrumente müssen stärker auf Bestandserhalt und kreislaufgerechtes (Um-)Bauen ausgerichtet werden. Förderprogramme des Bundes sollten Anreize für zirkuläre Baumaßnahmen geben. Ein Förderkriterium könnte z.B. eine verpflichtende Lebenszykluskostenanalyse sein. Wirtschaftliche Anreize wie eine Primärbaustoffsteuer oder gezielte Mehrwertsteuersenkungen für Sekundärbauprodukte können dazu beitragen, ökologische Vorteile auch ökonomisch wirksam zu machen und Marktbarrieren abzubauen.
  • Kreisläufe schließen – rechtlich steuern
    Ein funktionierender Baustoffkreislauf erfordert klare und zukunftsfähige rechtliche Rahmenbedingungen. Sekundär- und Primärbauprodukte sollten bei nachgewiesener Qualität und Sicherheit gleichgestellt werden. Die erweiterte Herstellerverantwortung ist konsequent auf Bauprodukte auszudehnen, um Rücknahme-, Wiederverwendungs- und Recyclingstrukturen zu stärken. Zudem braucht es ein rechtssicheres Ende der Abfalleigenschaft für geeignete Sekundärbaustoffe, um deren Einsatz im Bau zu erleichtern.
  • 5. Leitbild leben – öffentliche Hand als treibende Kraft
    Die öffentliche Hand sollte eine Vorreiterrolle beim zirkulären Bauen einnehmen. Staatliche Bauprojekte können die Nachfrage nach Sekundärbauprodukten stärken und diese bei bauphysikalischer und -technischer Gleichwertigkeit bevorzugen. In Vergabeverfahren sollte die Klimawirkung der Angebote systematisch berücksichtigt werden, z.B. durch CO2-Schattenpreise. Darüber hinaus gilt es, europäische Vorgaben wie die EU-Gebäuderichtlinie frühzeitig und proaktiv umzusetzen – etwa durch die Einführung von CO₂-Grenzwerten für das Treibhausgaspotenzial pro Quadratmeter – und so klare Signale für den Markt zu setzen. na

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