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Zukunft Bau: Sanierung und Mieterstrom werden wichtiger

Nicht unbedingt ein gutes Beispiel für einen reibungslosen Bauablauf aber doch für gute Architektur: Mit der nun fertiggestellten  Elbphilharmonie im Blick wurde auf dem Fachforum Hamburg über die Zukunft des Bauens diskutiert. (Foto: Nicole Allé)
Nicht unbedingt ein gutes Beispiel für einen reibungslosen Bauablauf aber doch für gute Architektur: Mit der nun fertiggestellten Elbphilharmonie im Blick wurde auf dem Fachforum Hamburg über die Zukunft des Bauens diskutiert. (Foto: Nicole Allé)

Beim Hamburger Fachforum 2016 „Zukunftssicher Bauen“ wurden Fragen rund um das Bauen von Morgen diskutiert und wie im Rahmen von Energiewende und Klimaschutzzielen Gebäude und Quartiere geplant, gebaut und energetisch modernisiert werden sollten.

Beim Hamburger Fachforum 2016 „Zukunftssicher Bauen“ wurden Fragen rund um das Bauen von Morgen diskutiert und wie im Rahmen von Energiewende und Klimaschutzzielen Gebäude und Quartiere geplant, gebaut und energetisch modernisiert werden sollten.

25.11.2016 – Wie muss ein Gebäude heute geplant oder modernisiert werden, damit es in 30 Jahren den dann aktuellen Anforderungen noch gerecht wird? Bei vollem Saal mit Blick auf die Elbphilharmonie diskutierten die Teilnehmer des Fachforums der ZEBAU (Zentrum für Energie, Bauen, Architektur und Umwelt GmbH) in Hamburg Lösungswege für den Neubau- und Sanierungsprozess, die dabei vielfältige Ansprüche an Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit aber auch an Wirtschaftlichkeit und Nutzungskomfort vereinen.

Mit einer derzeitigen Modernisierungsrate von einem Prozent können die Klimaziele nicht erreicht werden. In Baden-Württemberg wurde daher eine Kampagne gestartet, mit der individuell zugeschnittene Sanierungsfahrpläne für Wohn- und Nichtwohngebäude erstellt und gefördert werden. Nach positiven Erfahrungen wird daraus nun im Auftrag des BMWi das Beratungsinstrument „individueller Sanierungsfahrplan Wohngebäude“ entwickelt. Energieberater sollen dann auf Gebäude und die Nutzer zugeschnittene Sanierungsfahrpläne anbieten und daraus folgende und aufeinander aufbauende Sanierungsschritte weiter begleiten. Damit soll eine ganzheitliche Strategie für das Einzelgebäude etabliert und eine Übersichtlichkeit für wirtschaftliche Lösungen und Entscheidungen erleichtert werden.

Abriss oder Sanierung?

Laut Klimaschutzzielen der Bundesregierung soll der Wärmebedarf des Gebäudebestands bis 2020 um 20 Prozent reduziert werden, ab 2050 sollte bereits ein nahezu klimaneutraler Gebäudebestand erreicht sein. Die gesetzlichen Entwicklungen mit EnEV und vor allem dem Niedrigstenergiegebäudestandard (Unwort des Jahres für die meisten Architekten, Englisch kurz NZEB) werden das Bauen und Modernisieren der nächsten Jahre stark prägen. Da rund drei Viertel des bundesdeutschen Gebäudebestands vor 1990 gebaut wurden, liegt die ganz große Herausforderung daher in der energetischen Sanierung des Gebäudebestandes.

Bei jedem Gebäude muss individuell abgeschätzt und berechnet werden ob sich eine Sanierung lohnt oder ein Abriss mit Neubau nicht sinnvoller und wirtschaftlicher ist. In der Energieeinsparverordnung findet allerdings die „Graue Energie“ keine Beachtung. Dabei werden gerade beim Bauen große Rohstoffressourcen verbraucht und die Vermeidung von Bauschutt und das Recycling sollten in Anbetracht von Klima- und Umweltschutz mehr Beachtung finden.

Sanierung als Sicherung des Gebäudebestands

Über eine Sanierung einer 60er-Jahre Wohnanlage berichtete Architekt Sven Theuerkauff von der HANSA Baugenossenschaft eG. Bei diesen Bauten sind hinsichtlich der neuen Brandschutzvorschriften massive Eingriffe notwendig, den Schallschutz auf heutiges Niveau zu bringen ist kaum möglich, im 60er-Jahre Bauten ist höchstens ein mittlerer Schallschutz erreichbar.

Barrierefreiheit sollte heute Standard sein, doch auch die ist nicht immer komplett umsetzbar, denn die Statik der der Gebäude aus den 50er- und 60er-jahren ist oft so knapp berechnet dass bspw. häufig keinerlei Aufbauten möglich sind.

Wie ein ganzheitlicher Planungsansatz zur Umsetzung eines klimaneutralen Gebäudebestands aussehen könnte erläuterte der Architekt Burkhard Schulze Darup anhand von umgesetzten Projekten. Die Wirtschaftlichkeit gilt es stets im Auge zu behalten; ein Ziel sollte es sein, möglichst fehlertolerante und einfache Systeme für die Energieversorgung des Gebäudes zu wählen. Dabei werden in der Energiegestaltung- und -versorgung Quartierskonzepte wie etwa Mieterstrommodelle immer relevanter.

Anreiz statt Zwang

In der EnEV wird bei der Berechnung das Prinzip der Wirtschaftlichkeit gefordert. Ist ein Plusenergiehaus in einem wirtschaftlichen vertretbaren Rahmen realistisch? Um den Anteil an nicht erneuerbarem Primärenergiebedarf bis 2050 um 80 Prozent zu senken müssten alle Gebäude auf mindestens KfW 55 Standard kommen. Um die Hauseigentümer zu erreichen und zur Sanierung zu animieren sollte es darum gehen, so Martin Pehnt vom ifeu, „Haus- und Lebensraum gestalten zu wollen“ anstatt „sanieren zu müssen“. Die Politik ist dabei gefragt den Förderdschungel für die verschiedene Programme und Vorschriften zu lichten und eine nachhaltige Verlässlichkeit zu schaffen, die den Sanierungswilligen eine Planungssicherheit an die Hand gibt. na


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