18. Deutscher Nachhaltigkeitspreis: Nicht nachlassen!

Ermahnung und Ermutigung: Beim großen Transformationskongress in Düsseldorf kämpften mehr als 2.000 Speaker, Preisträger und Teilnehmer gegen Klima-Rollback und Krisenmodus.
10.12.2025 – Starke Bilder, starke Botschaften. Wenn sich erwachsene Menschen, so als hätten sie nicht längst Handy oder andere digitale Helferlein, Botschaften per Kugelschreiber in die Hand-Innenflächen kritzeln, dann fühlt sich der 18. Deutsche Nachhaltigkeitspreis ganz kurz an wie eine Reise in die Zeit, als alles noch haptisch war, analog und irgendwie nicht so gefährlich und zugespitzt wie heute, im Jahr 2025.
„Einflussreiche Menschen aufrütteln“, memorierte Maren Urner, Buchautorin und Neurowissenschaftlerin, zum Auftakt des zweitätigen Kongresses im Düsseldorfer Maritim-Hotel ihr Ziel – auf einem Bett sitzend, einem symbolischen Totenbett. Ihr Beispiel machte Schule: So las man – vielfach unter dem Hashtag #DasTueIch gepostet – zahlreiche Antworten auf die Frage, was jeder der Teilnehmer nicht versäumt haben möchte, wenn er oder sie einmal auf dem Sterbebett liegt. Trotzig und herzzerreißend, aufbäumend und energiegeladen.
Licht am Ende des Tunnels
Der versammelten Nachhaltigkeits-Bubble war natürlich bewusst: Die eigentlichen Adressaten ihrer Botschaften sind außerhalb des Flughafen-Hotels zu verorten. Ein Austausch, etwa 30 Minuten namentlich mit Donald Trump, und er würde dessen Haltung ändern, war sich Johan Rockström sicher. Besorgnis und Kräftesammeln: Kaum jemand brachte den Spagat so pointiert in einem Satz unter wie der schwedische Klimaforscher und Chef des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Von dunklen Momenten, großer Besorgnis und Dringlichkeit sprach er beim Blick auf aktuelle Klimadaten, zugleich aber vom Licht am Ende des Tunnels. Die Daten zeigten auch, dass das Fenster offenstehe, den Weg der Nachhaltigkeit zu gehen.
„Möglichkeitsräume gibt es immer“, rief Maja Göpel dem Publikum zu. Fällt die Politik beim Klimaschutz aus, machten eben andere den Job, erklärte die Transformationsexpertin mit Blick auf den Ideenreichtum der preisgekrönten Akteure. Und sie erinnerte an die großen Proteste, angezettelt von Fridays for Future im Jahr 2019, den großen Push dieser Zeit. „Sie kriegen fantastische Mails, wenn sie öffentlich loslegen.“ Das war Balsam auf die vom Klima-Rollback gepeinigten Seelen einerseits – und Mahnung zugleich, sich nicht entmutigen zu lassen. Die Gemütslage – zwei Tage glich sie einem Pendel zwischen den Emotionen.
Nicht auf der Höhe der Zeit – Aufruf zum Aufbruch!
Ein weiterer Beleg: Die fünf Jahre seit Corona seien „Scheißjahre“ gewesen, sagte Mojib Latif, Meeresbiologe und ebenfalls Ehren-Preisträger. „Bei der Leugnung des Klimawandels fängt es an, bei der Abschaffung der Demokratie hört es auf.“ Ex-Bundesminister Volker Hauff warnte sogar: „Jede Zeit braucht neue Antworten, aber wir sind nicht auf der Höhe der Zeit.“ Die Demokratie müsse an Haupt und Gliedern neu organisiert werden. Gemeinsam mit Bärbel Dieckmann wurde Hauff unter großem Applaus aus dem Kuratorium des Nachhaltigkeitspreises verabschiedet. Ein „unglaublich gutes Gefühl“ sei es, zu sehen, dass sich so viele in Deutschland für die Nachhaltigkeit einsetzen, sagte die frühere Bonner Oberbürgermeisterin. Und das Pendel schlug aus Richtung Aufbruch, Motivation.
An innovativen Ideen mangelt es nicht
Mittlerweile, im 18. Jahr des Bestehens, sei man krisenerprobt, und die Themen gingen nicht aus, sagte Günther Bachmann, neben Stefan Schulze-Hausmann Initiator und Moderator der abendlichen Preisverleihungen. In fünf Kategorien erhielten 47 Anbieter von besonders nachhaltigen Produktlösungen die Auszeichnung. Dazu zählten so unterschiedliche Ideen wie ein Elektro-Traktor mit Batterietechnologie, ökologische Baufinanzierungen, ein Projekt für klimabewusstes Reisen oder ein multifunktionaler Pflasterstein zur Klimaanpassung im urbanen Raum. Darüber hinaus unterstrichen die Jurymitglieder mit Auszeichnungen in den Wettbewerben Unternehmen, Architektur und Gesundheit, dass eine nachhaltige Transformation auch in schwierigen Zeiten wirtschaftlich und erfolgreich sein kann.
Internationales Forum
Rund 2.000 Gäste und mehr als 150 Sprecher waren beim Transformationskongress am Start. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner sprach die Laudatio auf Ehrenpreisträger Philippe Starck. WTO-Generaldirektorin Ngozi Okonjo-Iweala betonte die Bedeutung eines fairen, resilienten Welthandels. Weitere Stimmen kamen von Uno-Industriedirektor Gerd Müller und Bildungsministerin Karin Prien. Sonderpreise gingen an die Kooperation Bhutan × PRIMAVERA in Anwesenheit der Schwester des Königs von Bhutan, Prinzessin Dechen Yangzom Wangchuck, sowie an die Organisatoren des nachhaltig ausgerichteten Deutschen Filmpreises „Lola“.
Alle mitnehmen!
Noch einmal zu den Emotionen: Als TV-Moderator Eckart von Hirschhausen während der Preisverleihung spontan Landwirt Guido Pusch umarmte, wirkte auch das Publikum spürbar angefasst. Was war passiert? Per Video-Einspieler hatte der Preisträger aus dem Westerwald im Konferenzraum „Peking“ sein Pflegebauernhof-Konzept vorgestellt. Aus der Motivation heraus, der pflegebedürftigen Großmutter einen Lebensabend auf dem Hof zu ermöglichen, entstand die Idee eines Familienbauernhofs mit ambulanter Betreuung und Pflege, ergänzt durch klimaneutrale Lebensmittel-Produktion.
Learning: Beim Nachhaltigkeitspreis gibt es die große Bühne für globale Verantwortung, Designkultur und nachhaltige Entwicklung – und gleichwertig daneben Raum für Senioren, die aufblühen, wenn sie im kleinen Westerwald-Örtchen Marienrachdorf mit Alpacas spazieren gehen. Benedikt Brüne




















































