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Mieterstromprojekt in München

Arbeitsteilung für die Energiewende

Urbane Energiewende: Solarer Mieterstrom aus genossenschaftlichen Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern der Wohngebäude im Münchner Domagkpark. (Foto: NATURSTROM AG)

Die Münchner Bürgerenergiegenossenschaft BENG eG hat bereits 40 Bürgersolaranlagen realisiert, im Münchner Domagkpark entsteht nun ihr neuestes Mieterstromprojekt. Die Bewohner können dabei durch eine Beteiligung an den Photovoltaikanlagen direkt an der städtischen Energiewende teilhaben.

04.05.2017 – Schwabing – das Szeneviertel im Norden der bayerischen Landeshauptstadt bietet Flanieren auf der Leopoldstraße, Entspannen im Englischen Garten und seit Neuestem auch soziales und ökologisches Wohnen. Denn mitten in diesem beliebten Münchener Stadtteil wächst seit 2013 auf dem 24,3 Hektar großen Gelände der ehemaligen Funkkaserne ein neues Stadtquartier: der Domagkpark. Von den Nationalsozialisten ursprünglich als Luftwaffen-Nachrichtenkaserne erbaut, folgte eine schillernde Nutzungsgeschichte des Domagkparks als Flüchtlingszentrum, Künstlerkolonie, Partylocation und Polizeistandort.

Heute ist daraus ein dem Gemeinwohl zugewandtes Quartiersprojekt entstanden, bei dem das soziale Miteinander der Bewohner eine signifikante Rolle einnimmt. Mittelpunkt des Stadtviertels mit seinen bislang 1.600 Wohneinheiten ist ein großer Park mit prägenden alten Bäumen, an den sich ein zentraler Platz mit Läden und Gastronomie anschließt. Besonders hohen Stellenwert hat hier das nachbarschaftliche Engagement, auch im Rahmen einer sogenannten Sharekultur – so sind im Quartier mehrere Gemeinschaftseinrichtungen wie ein Nachbarschaftstreff und ein Wohncafé zu finden. Verschiedene soziokulturelle Freizeit-, Bildungs- und Beratungsangebote sowie Kitas und eine Schule mit Mittagsbetreuung unterstreichen die Vielfältigkeit des Areals.

Solarer Mieterstrom fürs Quartier

Teilhabe spielt auch bei der Energieversorgung des Domagkparks eine zentrale Rolle. Dafür hat der Öko-Energieversorger NATURSTROM gemeinsam mit der örtlichen Energiegenossenschaft Bürgerenergie (BENG) eG für vier Wohngebäude eine Versorgung mit Mieterstrom realisiert. Die Haushalte werden aus zwei Photovoltaikanlagen beliefert, deren Betreiber die Münchner Bürgerenergiegesellschaft ist, von der auch die Initiative für das Mieterstromprojekt ausging. Die beiden Anlagen verfügen über eine Leistung von 23 und 28 kWp und produzieren voraussichtlich ca. 52.000 Kilowattstunden Sonnenstrom pro Jahr. Gut 70 Prozent davon können direkt in den Häusern mit ihren insgesamt 63 Wohneinheiten verbraucht werden, der überschüssige Strom wird ins öffentliche Netz eingespeist. Für den Mieterstrom mischt NATURSTROM den vor Ort erzeugten Strom mit 100 Prozent Ökostrom aus dem Netz.

Seit vielen Jahren setzt sich die BENG eG mit rund 200 Mitgliedern intensiv für eine nachhaltige Energieversorgung ein. So hat die Bürgerenergiegenossenschaft in der Vergangenheit 40 Bürgersolaranlagen mit mehr als 1,25 MWp dezentrale Energiewende
in Reinkultur
realisiert. Der Einstieg in das Themenfeld Mieterstrom war für die BENG daher folgerichtig. „Die Nutzung des Solarstroms direkt vor Ort ist dezentrale Energiewende in Reinkultur und entspricht somit absolut unserer Genossenschaftsphilosophie“, sagt Katharina Habersbrunner, stellvertretende Vorsitzende der BENG. „In Anbetracht der enger gewordenen Handlungsspielräume von Energiegenossenschaften in den letzten Jahren ist Mieterstrom ein wichtiges neues Tätigkeitsfeld, das wir uns aktiv erschließen.“

Teilhabe konsequent weitergedacht

Für NATURSTROM ist es bereits das dritte Projekt im Domagkpark, dem neu bebauten Gelände der ehemaligen Münchner Funkkaserne. 2016 hatte der Öko-Energieversorger die Mieterstrombelieferung für zwei Bauherrengemeinschaften mit insgesamt 50 Wohneinheiten verwirklicht. Dank der Kooperation von Energieversorger und Genossenschaft können die Bewohner der Max-Bill Straße im Domagkpark sogar mehrfach an der Energiewende teilhaben. Neben dem Bezug des hausgemachten Mieterstroms wird ihnen zusätzlich die Option einer finanziell attraktiven Beteiligung geboten.

Interessierte können sich hierbei in Schritten von je 1.000 Euro an den Photovoltaikanlagen beteiligen. 900 Euro werden als Nachrangdarlehen verzinst, mit den restlichen 100 Euro erwerben Investoren einen Geschäftsanteil der Genossenschaft, deren Mitglied sie damit werden. Auf die Nachrangdarlehen erhalten die neuen Genossen je nach Ertrag der Solaranlagen eine Verzinsung von voraussichtlich 2,25 bis 3,75 Prozent pro Jahr. Auf den Geschäftsanteil schüttet die BENG eG eine Dividende aus, die vom Jahresergebnis der Genossenschaft abhängt. Gleichzeitig werden sie, wenn sie wollen, Teil einer Gemeinschaft, die auch zukünftig nachhaltige Projekte umsetzen wird – und damit die dezentrale Energiewende weiterbringt. Silke Bartolomäus


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