TOP-THEMA
EEG-Novelle







Europäischer RechnungshofBürgerenergie hinkt hinter Erwartungen zurück

Menschengruppe unscharf unter Solarmodul
Die Energiewende von unten kommt nicht genügend in Fahrt. (Foto:naturstrom AG / M. Friel)

Die EU-Vision von Energie aus Bürgerhand bleibt vorerst unerfüllt, stellt der Europäische Rechnungshof fest. Die Energiewende von unten ist mit zu vielen Hürden konfrontiert. Zudem sollten gezielt Projekte mit Speichern angereizt werden.

10.03.2026 – Die EU betrachtet Energiegemeinschaften als wirksames Mittel zur Erreichung ihrer Klima- und Energieziele. Sie erwartet, dass diese Gemeinschaften bis 2030 ganze 17 Prozent der Wind- und 21 Prozent der Solarkapazität Europas bereitstellen könnten. Diese Schätzungen sind den Prüfern zufolge jedoch zu optimistisch. Einer der Hauptgründe dafür sei, dass es in der EU schlicht und ergreifend zu wenige Energiegemeinschaften gebe.

„Die Erreichung der Klima- und Energieziele ist für die EU ein Wettlauf mit der Zeit. Von Bürgern
erzeugte Energie stellt in der Theorie die ideale Lösung dar, ist aber in der Praxis schwer umzusetzen", so João Leão, der als Mitglied des Rechnungshofs für die Prüfung zuständig war. Die EU müsse nun rechtliche Hürden und technische Hindernisse beseitigen, damit das Konzept der Bürgerenergie auch tatsächlich funktioniert.

In jeder Gemeinde mit mehr als 10 000 Einwohnern bis sollte es bis 2025 mindestens eine Energiegemeinschaft zur Erzeugung erneuerbarer Energien geben. Die Erfolgskontrolle seitens der EU-Kommission steht noch aus. Inzwischen gehe aus den von den EU-Prüfern zusammengetragenen Daten jedoch hervor, dass die EU ihr Ziel weitgehend verfehlt habe.

Ungenaue Definitionen

Die rechtlichen Definitionen der EU seien ungenau und hätten zu Verwirrung geführt. So sei nicht klar, welche Zusammenschlüsse als Energiegemeinschaft gelten, wie eine solche aufgebaut sein sollte, wie der von ihr erzeugte Strom gemeinsam genutzt und wie überschüssiger Strom verkauft werden sollte. Diese rechtliche Ungewissheit berge die Gefahr, dass die Bürger sich nicht beteiligten, und behindere letztlich die Gründung von Energiegemeinschaften. Dies gelte ganz besonders für Mehrfamilienhäuser, in denen fast die Hälfte der EU-Bevölkerung lebe. Neben den Eigentümergemeinschaften, die mit der Verwaltung der Gebäude betraut seien, müsse ein zusätzlicher Rechtsträger geschaffen werden. Dies erhöhe den Verwaltungsaufwand.

Mehr zum Thema

Fußballfeldgroße Fläche mit gestapelten rosa Steroporplatten
Saubere Wärme

Genossenschaften als Akteure der Wärmewende

Wärmenetze sind kein Privileg privatwirtschaftlicher Unternehmen. Landauf, landab haben sich Genossenschaften auf den Weg gemacht, die Wärmeversorgung vor Ort regenerativ auf die Beine zu stellen. Es braucht einen langen Atem, aber es lohnt sich.

Benachteiligung beim Netzanschluss

Zudem würden neue Anlagen aufgrund von Netzüberlastungen nur verzögert oder gar nicht ans
Netz angeschlossen, was die Entstehung von Energiegemeinschaften verlangsame. Das Problem sei zum Teil dadurch bedingt, dass Stromerzeugung und -verbrauch nicht gleichzeitig erfolgten: Solarpaneele erzeugten rund um die Mittagszeit am meisten Strom, während die Nachfrage der Haushalte am frühen Morgen und am Abend am größten sei.

Neben Projekten für erneuerbare Energien sollten daher Lösungen zur Erhöhung der Netzflexibilität, insbesondere Energiespeicher, eingeplant werden. Dies könne dazu beitragen, Angebot und Nachfrage in Echtzeit miteinander in Einklang zu bringen, die Netzlast zu verringern und den Verbrauch von selbst erzeugtem Strom zu fördern. Die EU-Kommission habe jedoch die Energiegemeinschaften bislang nicht ausreichend dabei unterstützt, Speicherkapazität zu schaffen. Dadurch sei die Chance verpasst worden, den Energiegemeinschaften Auftrieb zu verleihen. pf

Mehr zum Thema

Teilnehmer beim Konvent Bürgerenergie 2025, eine Frau mit Mikrofon stellt eine Frage
Konvent Bürgerenergie 2026

Wissen und Spirit teilen

Der Konvent Bürgerenergie ist das jährliche Veranstaltungshighlight für Bürgerenergie-Akteure und solche, die es werden wollen. In diesem Jahr findet die Veranstaltung am 8. und 9. Mai im Energiepark Hirschaid bei Bamberg statt.

Kommentare

Gunnar Harms am 10.03.2026

Das Kernproblem sind nicht zuwenige Energiegemeinschaften, sondern eine geradezu kriminell agierende Lobbymafia aus fossiler und energieintensiver Industrie, die einen Rollback der Energiewende anstrebt.

Mit allen Mitteln. Mit Desinformationskampagnen und dreisten Lügen, wie z.B. beim sogenannten Industriestrompreis.

Die bürgergetragene Dezentralisierung ist der Königsweg für Versorgungssicherheit, Preiswürdigkeit und -Stabilität sowie Systemresilienz. Sie reduziert die Profitabilität des Systems der bisherigen Akteure - und wird genau deshalb bekämpft.

Neuen Kommentar schreiben


Name: *
E-Mail: *
(wird nicht veröffentlicht)
Nicht ausfüllen!


Kommentar: *

max 2.000 Zeichen