Herr Molitor, wie kann man bei der Genossenschaft MaGeno-Solar Mitglied werden?
Da wir eine Mitarbeitendengenossenschaft sind, darf bei uns nur partizipieren, die oder der bei der KHS GmbH tätig ist. Der Einstieg in die Genossenschaft ist bewusst niedrig angesetzt, damit auch Auszubildene oder Menschen, die aus anderen Gründen gerade nicht viel zur Verfügung haben, Teil der Genossenschaft werden können. 250 Euro ist die Mindestanlage. Und auch nach oben hin sind wir gedeckelt, weil wir nicht wollen, dass einige wenige die Genossenschaft bestimmen.
Woran genau partizipieren die Mitglieder?
Wir haben auf den Gebäuden der KHS an verschiedenen Standorten bereits drei Solaranlagen installiert. Die erste installierte Anlage war in Dortmund, mit einer Leistung von 644 Kilowatt Peak (kWp), die zweite Anlage, mit einer Leistung von 480 kWp, entstand in Bad Kreuznach. Jüngst haben wir am Standort in Worms eine dritte Anlage, mit einer Leistung von 380 kWp in Betrieb genommen. Diese Anlagen haben wir als Genossenschaft finanziert, installiert und vermieten sie an die KHS, von denen die MaGeno die Genossenschaft fixe monatliche Beträge erhält.
Warum dieser Weg und nicht die direkte Beteiligung an den tatsächlichen Erträgen?
Das resultiert aus den damaligen Vorgaben des Erneuerbaren Energien Gesetzes (EEG). Als wir die MaGeno-Solar eG 2022 gegründet haben, war es nicht erlaubt, sich bei diesem Mietmodell auch an den Erträgen der Anlagen zu beteiligen. Die Ampel-Regierung hat die Möglichkeiten dann erweitert und damit den Betrieb unserer Genossenschaft deutlich vereinfacht. Wir sind aber bei dem Modell der fixen Miete geblieben. Wobei wir einen Teil der Miete im Laufe der Zeit und gekoppelt an die Inflationsrate anpassen können, wenn etwa Versicherungen und Verwaltungskosten steigen.
Chancen und Risiken, ob also mehr oder weniger Sonne scheint, liegen am Ende bei der KHS?
Als energieverbrauchendes Maschinenbauunternehmen ist es für die KHS aktuell sehr attraktiv, den Strom selbst zu nutzen und nicht ins Netz einzuspeisen. Angesichts zum Teil negativer Strompreise in Spitzenzeiten, etwa wenn mittags die Sonne scheint und viele Solaranlagen, landauf landab ins Netz einspeisen wollen, wird häufig abgeregelt Über 90 Prozent des generierten Stroms aus den Solaranlagen wird in den Werken der KHS und damit direkt vor Ort verbraucht. Lediglich an Wochenenden wird auch mal Strom ins Netz abgegeben.
Wie hoch ist der Anteil des Stroms aus den Solaranlagen am gesamten Stromverbrauch der KHS?
Der liegt bei jedem Standort mit PV-Anlagen bei rund 10 bis 20 Prozent. Das ist ein guter Startwert. Wir versuchen diesen aber natürlich noch weiter zu steigern, mit mehr Anlagen und künftig möglicherweise auch Batteriespeichern, um einerseits Überschussstrom – vor allem bei Stunden mit negativen Strompreisen – zu speichern und andererseits Randzeiten und Stunden mit weniger Sonneneinstrahlung aufzufangen. Der Netzstrom, den die KHS einkauft, ist indes schon seit vielen Jahren Strom aus Erneuerbaren Energien.
Sie sind Gründungsmitglied der MaGeno-Solar. Wie entstand die Idee zu der Mitarbeitendengenossenschaft?
Ich persönlich beschäftige mich schon seit über 15 Jahren mit der Energiewende. An meinem Wohnort habe ich bereits einen Bürgerenergieverein gegründet, mit dem wir Solargesellschaften bei der Umsetzung von Projekten unterstützen. Dadurch sind bereits viele Solaranlagen auf Gebäuden entstanden. In diesem Zuge war es für mich Naheliegend auch bei meiner Firma, der KHS, anzufragen, ob es nicht auch auf den Gebäuden der Firma möglich wäre, Photovoltaik zu installieren. Das Potenzial auf den Produktionshallen war und ist riesig und steht in keinerlei Nutzungskonflikt. Versiegelt ist die Fläche bereits, der Natur wird kein Stück Land weggenommen. Wenn zudem der Strom direkt vor Ort verbraucht wird, entlastet es die bestehenden Netze und all die dafür nötigen Infrastrukturen.
Wie kam die Idee zunächst bei ihrem Arbeitgeber an?
Die fanden die Idee gut, wollten aber nicht selbst investieren. Das konnten wir verstehen. Gelder, die für Investitionen frei wurden und werden, will die KHS, zunächst in neue Gebäude, Werkzeugmaschinen und Mitarbeiter investieren. Das ist der Business Case. Das ist das, wofür die KHS als 100-prozentige Tochter der Salzgitter AG steht und weiter wachsen will. Die KHS entwickelt und fertigt Anlagen und Einzelmaschinen zur Abfüllung und Verpackung von Kunststoff- und Glasbehältern, hat ihren Hauptsitz in Dortmund und weltweit über 5.400 Mitarbeitende.
Die Salzgitter AG musste die Idee einer Energiegenossenschaft innerhalb der KHS ebenfalls absegnen?
Ja, genau wie die KHS selbst, hat die Salzgitter AG das Projekt von Anfang an unterstützt. Als Stahlkonzern mit immensen Emissionen, gilt die Salzgitter AG inzwischen als Vorreiter, die sich auf den Weg gemacht haben, die grüne Transformation voranzutreiben. Klassische mit Kohle und Eisenerz betriebene Hochöfen, sollen durch eine Kombination aus Direktreduktionsanlagen,die Eisenerz mit Wasserstoff (statt Koks) zu Eisenschwamm reduzieren, und Elektrolichtbogenöfen, in denen Eisenschwamm und Schrott eingeschmolzen werden, ersetzt werden. Die für die Wasserstoffproduktion nötige Energie soll dabei vorrangig aus Erneuerbaren Energien stammen.
Sie haben mit ihrer Genossenschaft kürzlich in Frankfurt den Geno-Award erhalten, eine Auszeichnung des Genossenschaftsverbandes. Gibt es schon Mitarbeitende anderer Firmen, die Interesse an ihren Erfahrungen bekundet haben, um selbst eine Genossenschaft zu gründen?
Es gab bereits viele Nachfragen zu unserem Projekt. Eine konkrete Anfrage, zur Unterstützung bei der Gründung einer eigenen Mitarbeitendengenossenschaft, gab es noch nicht. Wir sind aber dafür offen. Wir würden uns freuen, wenn unser Projekt Nachahmer findet und würden dabei tatkräftig unter die Arme greifen. Gerade jetzt, in einer Zeit, in der das Thema Klimaschutz, angesichts multipler anderer Krisen, etwas unter den Tisch fällt, ist es umso wichtiger engagierte Leute zu finden und zu unterstützen, die die Energiewende vor Ort voranbringen. Und dabei gilt es auch die mitzunehmen, die sich nicht ohne weiteres eine private Solaranlage und Wärmepumpe leisten können. Energiegenossenschaften sind dafür ein hervorragender Weg.
Das Interview führte Manuel Grisard
Mehr Infos zur Mitarbeitendengenossenschaft gibt es unter: www.mageno-solar.de






















































