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Foto: BVSS

Nachgefragt 09.12.2025

Das Segment der kleinen Anlagen ist nicht klein

Nicht jeder kann aktiv an der Energiewende teilnehmen. Mit Bürgerenergiegesellschaften und Steckersolargeräten ist ein Weg eröffnet. Im Betrieb eines Kleinspeichers zu Hause könnte eine Chance für alle Haushalte liegen, wie Craig Morris erklärt.

Craig Morris ist Geschäftsführer des Bundesverband Steckersolar BVSS


Nachgefragt 09.12.2025

Das Segment der kleinen Anlagen ist nicht klein

Nicht jeder kann aktiv an der Energiewende teilnehmen. Mit Bürgerenergiegesellschaften und Steckersolargeräten ist ein Weg eröffnet. Im Betrieb eines Kleinspeichers zu Hause könnte eine Chance für alle Haushalte liegen, wie Craig Morris erklärt.

Foto: BVSS

Craig Morris ist Geschäftsführer des Bundesverband Steckersolar BVSS



Craig Morris, der Bundesverband Steckersolar setzt sich nicht nur für Balkonkraftwerke, sondern auch für die Integration von Kleinspeichern ein. Was ist bei Kleinspeichern eigentlich die Realität bzw. gesetzlich geregelt?

Kleine Batteriespeicher werden derzeit nur zur Eigenverbrauchsoptimierung genutzt – vom Steckersolargerät erzeugter Strom wird eingespeichert und bei Bedarf innerhalb des Haushaltes wieder ausgespeichert. Gesetzlich haben Kleinspeicher das Recht auf einen Netzanschluss, könnten also auch Energie ins Netz einspeisen. Ob sie dafür eine Vergütung erhalten, hängt von diversen Bedingungen ab. 

Welches Anliegen verfolgt der Verband in punkto Kleinspeicher?

Wir wollen die Möglichkeiten der Flexibilität heben, die es in Haushalten gibt. Die Battery Charts der RWTH Aachen zeigen eindrücklich, dass die Speicherkapazitäten in Deutschland derzeit überwiegend, in der Summe zu 80 Prozent, von kleinen haushaltsnahen Speichern liegen. Das hat kaum jemand so erwartet, die Entwicklung hat in den letzten Jahren dahin geführt. Die Energiewende wird leichter, wenn wir diese Potenziale erschließen.

Welche neuen Regeln strebt der BVSS an, um dieses Ziel zu erreichen?

Den Speicher mit Graustrom aus dem Netz zu laden und bei Engpässen ins Netz zurückzuschicken – bidirektionales Laden, wie es für Großspeicher und Autobatterien schon lange angestrebt wird – ist ein bisher nicht genutztes Potenzial zur Flexibilisierung. Es ist für Kleinspeicher zum einen unmöglich, weil es dafür nicht die technischen Voraussetzungen gibt: eine entsprechende Messeinrichtung, die auch Preissignale verarbeitet. Zum anderen ist es wirtschaftlich nicht attraktiv, weil der Kleinspeicher nicht von variablen Netzentgelten profitieren kann wie z.B. Betreiber von Wärmepumpen über den §14a EnWG. Aktuell werden im MiSpeL-Prozess erweiterte Geschäftsmodelle diskutiert – unter anderem der Verkauf von Überschussstrom oder Netzdienste. MiSpel steht als Abkürzung für die Marktintegration von Speichern und Ladepunkten.

Und welche Lösungen dafür gäbe es aus Ihrer Sicht?

Wir haben zusammen mit Verbündeten in der AG Balkonkraftwerk im Februar 2025 in einer Petition an den Bundestag Lösungen vorgeschlagen, wurden aber erst Mitte Oktober angehört – zu spät für den Prozess der EnWG-Novelle. Es sind im Wesentlichen vier Punkte. Zunächst die Vereinfachung der Anmeldung von kleinen Speichern. Steckersolar mit Speicher sollte zudem regulatorisch wie Steckersolar ohne Speicher behandelt werden. Drittens sollte es möglich sein, diese Speicher außerhalb von §14a EnWG netzdienlich zu betreiben; dafür brauchen wir EU-konforme Smart Meter light, die im Gegensatz zu deutschen Smart Metern keine Kontrolle von außen erlauben – den netzdienlichen Betrieb stellen die Nutzer selbst freiwillig ein. Und viertens braucht man dafür am besten eine API, die solche Preissignale wie variable Netzentgelte und in naher Zukunft nodale Preise verarbeitet.

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Wie sind nun die Aussichten bzw. nächsten Schritte?

Wir sind in Gesprächen. Es gilt zu klären, welche Vorgaben die Politik machen sollte und machen darf und wofür die Bundesnetzagentur zuständig ist. Vor ein paar Tagen hat zudem Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche signalisiert, dass sie für die Idee offen ist. Das kam für uns aus heiterem Himmel. Und auch die Monopolkommission hat sich vor einigen Wochen für Smart Meter Light ausgesprochen. Gleichzeitig gilt es vorzudenken in punkto Sicherheit und Normen – denn wenn die vorgeschlagene Lösung möglich wird, können sogar Haushalte ohne Steckersolar profitieren, indem sie einfach einen kleinen Speicher netzdienlich laufen lassen. Damit käme die Energiewende wirklich in jedes Haus und jede Wohnung.

Der BVSS hat dazu eine Umfrage unter Steckersolarbetreibern gemacht – mit interessanten Ergebnissen. Können Sie dazu etwas sagen?

Ja, gerne. Initiator war wie bei der Bundestagspetition die AG Balkonkraftwerk. Der BVSS ist dort mit anderen Aktivist:innen unterwegs. 1.700 Personen haben an der Blitzumfrage teilgenommen – sie dürften allerdings eher Pioniere in punkto Steckersolar und Kleinspeicher sein – also kein repräsentativer Bevölkerungsquerschnitt. Die Frage lautete, ob sie einen Kleinspeicher netzdienlich betreiben würden, anstatt den Eigenverbrauch zu optimieren. Die Antwort hat uns selbst überrascht. Rund 90 Prozent der Befragten würden das tun – wenn es einen Anreiz in Form von variablen Netzentgelten dafür gäbe. Wenn man sich klar macht, wie groß der Beitrag der vielen „Kleinen“ sein könnte, kann man sie nicht mehr ignorieren.

Das Gespräch führte Petra Franke.

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